Aktuelles:  Wieder Plätze für die Petze?  Trauer um Orso Bruno, der braune Bär  (9.7.2007)


Ein junger Bär aus Schweden, im
Alter von Bruno

Eines ist sicher. Die Menschen in unserem Land haben in 150 Jahren nichts dazu gelernt. Oder doch? Immerhin waren mehr als 67 % der Bürger auf der Seite der Bären.
Wir hatten unabhängig von Bruno darüber nachgedacht, wie man den Bären zum Sympathieträger der Nation, insbesondere aber zum Sympathieträger für unsere Jäger machen könnte, da ja nicht wir Jäger es waren, die den Braunbären ausgerottet haben. Der Denkanstoß kam zu spät, denn noch ehe wir unsere Mitbürger auf den Bären einstimmen konnten, wurde Bruno von Berufskillern hingerichtet. Sie hatten schon auf den Schießbefehl ihres Ministers gewartet, denn längst hatten sie den Bären zwischengeparkt und wussten ganz genau wo er war.
 

Die Mehrzahl der Menschen wohnt heute in Städten und ihre Brust quillt über vor lauter Sehnsucht nach Wildnis. Sie aber ist am Vollkommensten dort, wo wilde Tiere vor der Haustüre leben. Hier ist Natur pur die Erfüllung ihrer Sehnsucht. Während der Wolf die Angst der Menschen vor der Wildnis verkörpert, ist der Bär ihr bewährtes Symboltier. Diese Wildnis ist wie er, schön und ein wenig schrecklich zugleich. Kluge Tourismus-Manager, vor allem in skandinavischen Ländern, werben daher mit der Seele der Wildnis: komm ins Land der Bären, denn hier gibt es Natur pur und zum Anfassen. Der Bär garantiert, dass hier noch wirkliche Natur zu finden ist.

 

Einst lebten Bären rund um die nördliche Halbkugel der Erde, aber die Menschen haben ihm den Lebensraum weggenommen, so dass er in nur wenigen Rückzuggebieten überlebte. Aber all diese Bären bringen uns keinen Nutzen und wie im Fall Bruno vergreifen sie sich gar noch an unseren Haustieren. Unsere selbsternannten Bärenexperten mögen darüber nachgedacht haben, wozu wir eigentlich Bären brauchen??? Wir brauchen sie tatsächlich nicht, aber schöner ist es halt dort, wo es sie noch gibt.

 

Bären sind wunderbare Geschöpfe, die Hunger und Angst, Schmerz und Not, Mutterliebe und Zorn, Gelassenheit und Wohlbehagen, Lebensfreude und Liebe genauso genießen wie wir.

 

Wer ihr wahres Wesen ergründen will, muss damit in einem Lebensraum beginnen, wo Tiere und Pflanzen noch im natürlichen Gleichgewicht leben und die Bären ihren Gewohnheiten nachgehen können. Wer ihnen begegnet, kann nur eines empfinden, tiefe Ehrfurcht vor diesem Geschöpf Gottes, aber auch Liebe zu einem wunderbaren Geschöpf, das unseren Ahnen einst heilig war.

 

Wären die Alpen nicht nahezu wildleer geschossen, hätte Bruno, so wie es Bärenart ist, nach einem Winter Fallwild finden können. Da er nicht auf der Wiese stand, wie es bei Bären die Regel ist um zu grasen wie eine Kuh, hat er sich bei den Menschen geholt, was sie ihm weggenommen haben. Im Übrigen hätte man ja die Schafe nachts einsperren können. In keinem Augenblick ist dieser Bär für Menschen gefährlich gewesen, und er hat es immer wieder bewiesen. Aber all die Experten, die noch nie einen lebenden Bären in der Natur erlebt haben, wussten es besser. Denn wilde Tiere sind nirgends in der Wildnis scheu. Erst die Jagd macht die Tiere scheu. Erst wenn Tiere die Bestie Mensch einmal erlebt haben, können sie lernen, dass ein Mensch das Gefährlichste ist, was ihnen begegnen kann.

 

Zur Not kann man verstehen, dass man Bären an manchen Orten nicht haben will, sie fängt und sie umsiedelt. Völlig unverständlich ist aber die Liquidation von Bruno. Vielleicht ist sie noch ein Zeichen unserer Unfähigkeit im Umgang mit der Natur. Fast alle EU-Mitglieder haben noch Bären und wissen mit ihnen umzugehen. Wir müssen erst lernen, dass man durchaus neben einem Bären Heidelbeeren pflücken oder Pilze sammeln kann. Was uns fehlt, ist Einsicht und Aufklärung, denn in Hunderten von Jahren ist in all diesen Ländern kein Mensch durch Bären zu Schaden gekommen, und die Menschen sind sich klar, dass nichts passiert, wenn man ihm begegnet, dass ein Wildschwein weit gefährlicher ist als ein Bär. Wir wollen wieder Bären, aber wir wollen sie nicht überall, sondern sie bleiben nur dort, wo es ihnen gefällt.

 

Wolfgang Alexander Bajohr