Tödliche Energiewende

Je grüner ein Politiker ist, desto ernster nimmt er die Energiewende. Um es ehrlich zu sagen, nehme auch ich dieses Anliegen sehr ernst. Um so dramatischer treffen angesichts der Notwendigkeit von alternativen Energien die unvermeidbaren, ja geradezu dramatischen Pannen jeden Anhänger des Ökostroms - jeden, dem gerade diese Mängel geradezu dramatisch das Thema verleiden, denn die Zeche zahlen bis jetzt Tier und Natur.

An deutschen Windrädern sterben insbesondere besonders geschützte Arten, jährlich 100.000 Vögel und 200.000 Fledermäuse. Die Ursache wird aber völlig falsch eingeschätzt. Die Tiere werden nicht durch den Anprall getötet und auch nicht, wie manche annehmen, von den Rotorblättern zerhäxelt. Bei den Vögeln sind es insbesondere geschützte Greifvögel, Bussarde und insbesondere der hochgradig gefährdete Rotmilan, von dem es in Deutschland nur noch etwa 2.000 gibt. Dabei ist Deutschland das Land mit seiner dichtesten Verbreitung. Da hier bei uns auch die Zahl überwinternder Bussarde verschiedener Unterarten deutlich abgenommen hat, ist die Ursache dafür nicht zu übersehen. Es verunglücken aber auch die eben erst zurückgekehrten riesigen Seeadler.
Todesursache ist das sogenannte Barotrauma. Auf Grund von Luftverwirbelungen an den Rotorblättern und Druckschwankungen, die an den Windrädern der heutigen Generation entstehen, platzen den Tieren die Lungen und andere innere Organe. Das Grausame ist, dass sie nicht sofort sterben, sondern noch dahingleiten und schließlich am Boden, noch lebend, einem grausigen Tod entgegensehen, bis sie ersticken. Da sie noch ein Stück fliegend davongleiten, findet man die meisten Opfer nicht unter den Windrädern, sondern in der weiteren Umgebung. Füchse und Wildschweine halten schließlich Nachlese und fressen die Opfer auf, so dass auch da nur ein Teil gefunden wird. Denn die Aasfresser räumen gründlich auf. Die Dunkelziffer ist also bei den Vögeln noch  weitaus höher als gemeldet wird.

Wie Studien des Leibnizinstituts für Zoo- und Wildtierforschung ergeben haben, sind deutsche Windkraftanlagen für Fledermäuse aus Skandinavien und Nord-Ost-Europa für die ziehenden Fledermausarten Todesfallen. Die bei uns verunglückten Rauhhautfledermäuse kamen vor allem aus den baltischen Ländern und Weissrussland. Auch der große und kleine  Abendsegler erlitt dramatische Verluste. Damit haben Arten mit ohnehin kleinen Fortpflanzungsraten Einbußen, die erhebliche Lücken in den Bestand der genannten Länder reißen. Damit steht Deutschland jetzt gegenüber den Ländern in der Pflicht. Die eigene Energiewende, die um jeden Preis durchgeboxt werden soll, darf nicht zu Lasten anderer als sogenannte Grüne Energiewende verwirklicht werden.

Das Problem läßt sich auf zweierlei Art lösen. Vor allem in den Abendstunden, wenn der Wind meist ohnehin abflaut, könnte man während der Zugzeit die Windkraftanlagen abstellen. Damit aber die sogenannte grüne Energiewende nicht zur Floskel verkommt, muss man sich besinnen, dass die Ingenieurwissenschaften Technologien einsetzen bei denen weniger gefährliche Propeller eingesetzt werden. Es gibt Erfahrungen in der Luftfahrt, die es ermöglichen, in der Strömungstechnik neue Wege zu gehen. Mit anderen Worten: der TÜV hat versagt und darf nur noch Windkraftanlagen freigeben, bei denen die Strömungstechnik umgerüstet worden ist.

Unerläßlich ist es auch, die Strom-Weiterleitung nach Süden nicht mit Freileitungen sondern nur noch unterirdisch zu verwirklichen. Da jetzt schon zu Lasten der Verbraucher eine rücksichtslose Stromproduktion erfolgt, kommt es darauf jetzt auch nicht mehr an, Technische Lösungen dieses ernsten Problems zu verwirklichen.

Fast alle Politiker renommieren heute mit dem Anliegen der Grünen Energiewende. Diese darf aber auf keinen Fall zu Lasten von Tier und Natur erfolgen.

Wolfgang Alexander Bajohr