Aktuelles: Tote Gänse als Forschungsziel - Eine Mogelpackung der Wissenschaft

Die Finanzierung durch die Jagdförderungsabgabe  weckt Begehrlichkeiten und bei manchen von ihnen geht es schlicht um Kommerz. Das hatte wohl auch der Herr Dr. König gesehen, als er die jährlich wiederkehrende Kritik an beschmutzten Wiesen zum Anlass nahm, die Jagd als Geldgeber zu entdecken. Da es um Gänse geht, habe ich im folgenden Text die Kurzversion „Gänse-König“ benutzt, die nicht abwerten soll, sondern deutlich und kurz ist.

Es gelang ihm bereits einen Teil des beehrten Geldes aus
dem Topf der Jagdförderungsabgabe zu bekommen. Finanziert wurde eine Art Vor-Forschung in München. Der dafür aufgewendete Betrag wurde bislang schamhaft verschwiegen, auch ist bislang die Art dieser „Forschung“ ängstlich verborgen worden. Ich verstehe auch beim besten Willen nicht, dass es eine Förderung der Jagd sein soll, wenn man Gänsen im Nymphenburger Schlosspark, am Starnberger See und wohl auch im Englischen Garten die Eier ansticht und damit die Embryos tötet. Ich habe mir in Nymphenburg die Situation von Frau Dr. Sorge zeigen lassen. Von allen Gänsearten, also auch bei den gesetzlich geschützten, fehlen die Jungen, ebenso beim Höckerschwan. Lediglich 1 Schwanenpaar hat 1 Junges. Außer Grau- und Kanadagänsen gibt es dort noch Nonnengänse, Streifengänse und die Zwergschneegans, außerdem Gänsesäger.

Ich konnte bis jetzt keinen Jäger finden, der diese Aktion nicht für pervers gehalten hat. Natürlich wurde sofort gefragt, ob man bei der Suche nach Gänsenestern nicht auch andere in dieser Zeit brütende Vogelarten empfindlich gestört hat. Es ist unerträglich, wenn jemand in der Brutzeit in den Biotopen herumtrampelt um Gänsenester zu suchen. Außerdem auch nicht in der Lage ist, die einzelnen Arten anhand der Eier voneinander zu unterscheiden.

Das Ergebnis dieser „Arbeit“ wird in einem 7 Seiten langen Bericht vorgestellt. Dabei dienen 6 ½ Seiten der Selbstdarstellung und eine gute halbe Seite dem Objekt Gänse. Dabei wird kein eigenes Zahlenmaterial vorgestellt, sondern auf Zahlen der Biologen Homma & Geitha zurückgegriffen. Die Finanzierung der Aktion mit unserem Geld wurde von der Oberen Jagdbehörde gewährt, nachdem der Oberste Jagdbeirat das genehmigt hat. Hier ergibt sich die Frage, wer eigentlich Oberster Jagdbeirat ist. Im Jagdgesetz habe ich diese Institution bis heute nicht gefunden. Mir konnte sie bisher auch keiner erläutern.

 

Der Nymphenburger Park ist ideales Mauser-Gebiet

Trotz vieler Menschen können die Wasservögel mit ihnen in Ruhe auskommen, so lange nicht gejagt wird. Sie finden ihre Ruhe, das Gras ist gut gedüngt und kurz geschoren, wächst also immer zart und schmackhaft nach. Nachts kann die Gans auf dem Wasser schlafen, und ist damit sicher vor dem Fuchs. Da das Mähgut ohnehin kompostiert wird, fressen sie auch niemand etwas weg. Da die Wiesen keine Liegewiesen sind, profitierten die Menschen von den schnatternden Mähmaschinen. Die Bürger betrachten sie als  Ziergeflügel.

Wenn dennoch gelegentlich Kritik ausgestreut wurde, zeigte sich bald der Grund. Die Tore blieben verschlossen und irgendjemand von der Verwaltung begann mit der Jagd. Tierschützer merkten das bald und begannen schon in der Nacht mit Störmanövern und vertrieben die begehrte Beute, bevor die Schützen anrückten. Diesen Kleinkrieg hat schließlich die Stadt beendet, weil die Jagd im befriedeten Bezirk eine Gefahr für die Bürger wurde. Die Schlossverwaltung suchte hingegen nach neuen Gründen für die Jagd und tarnte die Blumenrabatten mit Schutzgittern und sie beklagte, dass die Gänse zwischen Nymphenburg und dem Starnberger See pendeln und dort angeblich das Schilf vernichten. Schilf und Liegewiesen wurden allmählich ein Vorwand. Gänse in ganz Europa fressen Schilf, ohne dass es irgendwo Einfluss hat. Selbst der Lucknower See in Masuren mit bis zu 1500 brütenden Schwanenpaaren hat einen Schilfgürtel von bis zu 100 m Breite. Ich habe mich vor Ort davon überzeugt.

Die „vollgeschissenen“ Liegewiesen

Zugegeben, verschmutzte Liegewiesen sind eklig. Daher flammt am Starnberger See mit schöner Regelmäßigkeit jährlich der Ruf nach dem Jäger auf, der es richten soll, damit die Gänse  erschossen werden. Für die Jäger eine ungeliebte Forderung, denn die Mehrzahl ist gar nicht an den Gänsen interessiert.

Man könnte ja z.B. auf Liegewiesen auch Gras anbauen, das Gänsen nicht schmeckt und könnte sie auf andere Flächen umleiten wo Gras wächst, das sie gerne mögen. Die betreffenden Gemeinden sind bis heute auch noch nicht auf die Idee gekommen, ein Gänsemanagement zu etablieren, in dem z.B. Rentner mit Hund dafür sorgen, dass es Gänsen auf Liegewiesen nicht gefällt, und dass anderswo das Gras besser schmeckt. Stattdessen duldet man die gegenteilige Maßnahme, dass Touristen Gänse aus der Papiertüte füttern, die natürlich dort massiert auftreten, wo es solche Leckereien gibt. Die Menschen sind da sehr einfallsreich. Sie füttern eben nicht mehr das

 

Brot, weil das verboten ist, sondern Kuchen, wovon nichts auf den Warnschildern steht. Auf diese Weise werden Wildtiere zu Haustieren erzogen. Da immer wieder einmal der Ruf nach dem Jäger laut wird, verändern Landratsämter in eigener Selbstherrlichkeit die Jagd- und Schonzeiten, immer in der Hoffnung, dass es einzelne Jäger gibt, die selbst auf nicht flugfähige Jungtiere oder mausernde Altgänse schießen und damit demonstrieren, dass sie keine Jäger sind. Denn ein Jäger tut so etwas nicht. Fragwürdig ist auch die eigenmächtige Veränderung des Jagdrechtes, für die diese Beamten gar nicht zuständig sind.

Mogelpackung Wissenschaft: Übertretungen des Jagdgesetzes werden nicht damit legitim, wenn man sie unter dem Vorwand der „Wissenschaft“ ausführt

Dabei geht es eindeutig um Kommerz, denn verschmutzte Liegewiesen und abgefressenes Grünland muss als Grund dafür herhalten „Schaden“ zu begründen. Wo ein Auftraggeber ist, da findet sich immer jemand, der das Geschäft machen will, und das ist hier eben der „Gänse-König“. Finanzieren sollen das aber die Jäger aus ihrer Jagdförderungsabgabe, obwohl Förderung der Jagd kaum zu erkennen ist, wenn man dem Jäger die Beutetiere durch Ausrotten entziehen will.

Denn selbst wenn der Brutbestand sich nach langen Jahren endlich langsam erholt, ist das kein Grund von einem Überbestand zu reden, denn die Mehrzahl der anwesenden Gänse sind Zugvögel, die aus Ostgebieten zuwandern, um hier zu überwintern. Damit folgt die Graugans dem Verhalten der arktischen Gänsearten, die seit jeher im Norddeutschen Raum überwintern. Wenn der Jäger einen Gänsebestand nachhaltig nutzt und einen Festtagsbraten bei den Jungtieren entnimmt, denn die Alten sind ja zäh, muss man das nicht dramatisieren. Es gibt aber Gemeinden, wie z.B. Feldafing, die würden alle Gänse gerne ausrotten, obwohl es auch andere Wege gäbe.

Seine Ideen hat der Gänse-König in einem 18-seitigen Antrag niedergelegt. Dazu gehört ein Aufheben der Schonzeit in den Sommermonaten. Das bedeutet Abschuss noch nicht flügger Gössel und der führenden Eltern, die wegen der Mauser nicht fliegen können. Das wiederum bedeutet den Jungtieren die Eltern wegzunehmen, die ihre Jungen über zwei Jahre hinweg führen um sie in das Leben einzuweisen. Der Eingriff in die Sozialstruktur wurde von der Gänsewacht richtig skizziert mit: „Kein Urlaubsort wo Gänsemord.“ Bedauerlich ist, dass der schon erwähnte Oberste Jagdbeirat, diese Ideen des Gänse-Königs gebilligt hat. Der Gänse-König wiederum beklagt, dass die Jäger in der Mehrzahl nicht recht mitmachen wollen, dass er sie erst noch motivieren und in der Jagdpraxis ausbilden müsse.

Jäger schockieren mit Vogelabschuss Badegäste

Die ebenfalls bejagten Enten und Kanadagänse hatten noch Schonzeit. Ein Kormoran versank vor einem Schwimmer in der Tiefe. Schließlich und endlich schreibt der Gesetzgeber zwingend den brauchbaren Hund bei der Wasser-jagd vor, und er verbietet auch die Bleimunition bei der Wasserjagd. Nach Aussage der Zeugen soll auch auf Weißwangengänse und Kormorane geschossen worden sein, die ganzjährig geschützt sind. Da alles in allem also 

nicht gejagt,sondern liquidiert wurde, hätte für die Jagdwaffen  eine Ausnahmegenehmigung aus Berlin für deren Zweckentfremdung vorliegen müssen. Die Bürger haben zwar die Polizei gerufen, die aber war wohl überfordert oder stellt es wenigstens im Augenblick so dar. Der tierliebenden Bevölkerung wurde geraten, solche Vorgänge künftig zu fotografieren. Dass die Bevölkerung auf ein derartiges Massaker in der Öffentlichkeit reagiert ist verständlich. Noch schlimmer ist aber, dass der ganze Vorgang im Ramsar-Schutzgebiet stattfand. Damit kommt auch noch der Staat in Schwierigkeiten, der in diesem Ramsar-Gebiet dafür zu sorgen hat, dass nicht gejagt wird.

350.000 Euro für tote Gänse

In seinem 18-seitigen Antrag fordert der Gänse-König 350.000 Euro, ohne dass eine Ausschreibung stattfand. Nachstehend komme ich auf die wichtigsten Punkte seines Antrags für die Jagd zu sprechen. Ich beschränke mich nur darauf, denn die Wissenschaftliche Würdigung seiner Pläne haben andere bereits vorbereitet.

Sinnvoll wäre es Bestand und Zuwachs erst einmal zu ermitteln, denn die meisten Zählungen sind Winterzählungen und erfassen vor allem Zugvögel. Lediglich Dr. Strelow hat auch im Sommer gezählt. Siehe www.natur-5seenland.de. Erst zu schießen und dann zu zählen, was man angerichtet hat, ist sinnwidrig. Etwas Ähnliches hat der „Gänse-König“ schon bei den Füchsen praktiziert. Hier wurde erst für viel Geld entwurmt und dann wurden die Füchse erschossen oder in Fallen gefangen und darin erschossen. Auf das Verhalten der Füchse, dass Rüden generell wandern, wurde nicht Rücksicht genommen. Daher gibt es einen Fleckerlteppich von entwurmten und nicht entwurmten Gemeinden, in die Jungfüchse ab- und zuwandern können. Wenn der Gänse-König so wenig vom Verhalten der Füchse versteht, muss man damit rechnen, dass er über Gänse nicht sehr viel mehr weiß. Sein 18 Seiten langer Antrag ist daher nicht sehr überzeugend. Jeder Bejagungsplan, auch der von Gänsen, setzt eine Analyse des Bestandes voraus. Bei einem größeren Bestand ist eine Zählung des Anfangsbestandes und Ermitteln des Zuwachses unerlässlich. Beim Gänse-König läuft die Planung auf eine massive Vernichtung des Bestandes hinaus.

Wer Gänse nachhaltig nutzen möchte, kommt nicht umhin  zu überdenken wie er sie erlegen will. Die gängige Methode, sie aus der Luft herunterzuschießen, ist heute nicht mehr vertretbar. Es ist die Regel, dass Gänse viel zu hoch fliegen, um sie mit Schrot wirksam zu erreichen. Ja insbesondere bei bleifreier Munition ist die wirksame Schussentfernung noch mehr eingeschränkt und die Deckung im Ziel noch weitaus schlechter als sie es ohnehin schon ist. Die Folge ist, dass heute mindestens 30-40 % der Gänse Blei im Körper haben, das sie nicht getötet hat, aber mit Langzeitwirkung noch töten wird. Weiterhin ist der Jäger  überfordert, wenn er bei schnell anfliegenden Gänsen zweifelsfrei eine Artbestimmung machen will. In der Folge liegen immer wieder geschützte Arten auf der Strecke. Besonders problematisch ist die Artbestimmung bei Bläss- und Zwerggänsen, Kurzschnabel- und Graugänsen, Kanada- und Nonnengänsen. Die Gänsewacht ist darum dazu übergegangen, Jäger bei der Gänsejagd zu fotografieren, Jäger bei der Jagd zu überwachen und Fehlabschüsse bei der Staatsanwaltschaft gnadenlos anzuzeigen. Es darf einfach keine Irrtümer geben. Was man nicht sicher angesprochen hat, das darf man nicht schießen. Um Fehler  zu vermeiden, hilft nur eines, vom Versteck aus ein sauberer Kugelschuss, nachdem man zweifelsfrei angesprochen hat. Die Denunzierung ist ein trauriger Umgang miteinander, aber die „Irrtümer“ sind bei gefährdeten Arten so ernst zu nehmen, dass man Fehlabschüsse  wirklich knallhart ahnden muss. Auch die vom Gänse-König angeregte Schulung der Jäger kann diese Probleme nicht lösen. Wir müssen die Jäger durch Verbote vor solchen Fehlern schützen. Vor allem die arktischen Gänse sind in ihren Brutgebieten in Nord-Russland und Nord-Skandinavien rar. Ich habe z.B. die endlosen Moore Finnlands durchstreift und habe nur sehr selten und oft erst nach vielen Stunden ein Gänsepaar mit Jungen angetroffen. Was sich hier bei uns im Überwinterungsgebiet zur Masse konzentriert, ist dort im Brutgebiet unheimlich selten.

Ein Irrtum ist es, anzunehmen, dass Gänse einst durch Prädatoren reguliert wurden. Richtig ist, dass Prädatoren von der Population der Gänse abhängig sind. Reguliert werden sie aber genau so wie bei anderen Tierarten auch, alleine durch den Winter und durch Krankheiten. Die Bewertung von Schäden durch den Gänse-König erscheint höchst zweifelhaft. Denn es ist nicht eindeutig zu bestätigen, dass es Schäden an Agrarflächen durch Gänse überhaupt gibt. Denn weder wird das Futter für Rinder so verschmutzt, dass es unbrauchbar wird, noch tritt ein Verbiss-Schaden ein. Schon Rutschke verwies darauf, dass durch Verbiss des Wintergetreides die Bestockung der einzelnen Getreidepflanze erheblich verbessert wird.

Seine Absicht durch analysieren der Jagdstrecke auf den möglichen Zuwachs zu schließen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Der Zuwachs ist sehr stark abhängig vom Wetter und von der Nahrung, die ihrerseits wieder ebenso auf das Wetter angewiesen ist. Sie ist aber auch abhängig von den Umständen welche die Gänse stimulieren sich fortzupflanzen, denn es brütet immer nur ein Teil der Population. Abhängig ist sie natürlich auch von der Zahl der angestochenen oder tot geschüttelten Eier.

Jagd ist die nachhaltige Nutzung von Naturgütern

Das rührt an das Grundsatz-System ob Jagd überhaupt legitim ist, da wir ja auch Gänse oder Brathühner aus dem Supermarkt kaufen können, also nicht vom Töten der Wildgänse leben müssen. Die nachhaltige Nutzung von Naturgütern legitimiert die Jagd. Die vom Gänse-König angestrebte Vernichtung der ganzen Population, mit der Begründung, dass es künstlich eingeführte Arten seien, entwertet die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit, denn

es sind längst heimische Wildtiere. Als Begründung führt er weiterhin an, dass Tierfutter durch Verschmutzen von den Gänsen entwertet würde. Dann wird behauptet, dass im Wintergetreide die Ähren-Anlagen abgefressen werden, obwohl in Wirklichkeit die Bestockung günstig beeinflusst wird. Sehr bedenklich scheint der Plan Gänse der Ost- und Westpopulationen, die sich inzwischen längst vermischt haben, genetisch daraufhin zu untersuchen ob die eine oder andere Unterart für die Schadenshäufigkeit verantwortlich ist. Das ist ein Plan der sehr deutlich an den Rassenwahn erinnert. Am Ende dieser Untersuchung steht dann wohl die arische Graugans, während die rassistisch nicht wünschenswerten Gänse vergast werden.

Bei seiner Aufzählung von Krankheiten, die angeblich von Graugänsen verbreitet werden, begibt sich der Gänse-König vollends auf Glatteis. Ich will hier der Wissenschaftlichen Erwiderung von anderer Seite nicht vorgreifen. Bei allem Verständnis dafür, dass es manchen nicht gefällt, wenn sie auf Gänsekot barfuß herumlaufen, gibt es keine Krankheiten, die Gänse auf Menschen übertragen. Es ist unverantwortlich, hier eine Psychose in die Welt zu setzen und die Bevölkerung zu verunsichern. Bedauerlich ist, dass es Gemeinden gibt, die nicht kritisch genug sind und derlei Behauptungen übernehmen und auf Warnschilder setzen, die im Gunde nur eines sollten, die künstliche Fütterung von Wildtieren verhindern.

Bestandserfassung durch Zählen

Der Bestand an Graugänsen wird in Bayern maßlos überschätzt. Zählungen erfolgen meist im Winter, wenn die Gänse aus den Ostgebieten bei uns sind, um hier zu überwintern. Sommerbestandszahlen und Zählungen des Zuwachses gibt es kaum. Lediglich Herr Dr. Strelow hat solche Zahlen für den Ammersee ermittelt. Man kann sich darüber orientieren unter www.natur-5seenland.de unter der Rubrik Ammersee. Neuerdings hat Frau Marquardt und auch Frau Dr. Sorge solche Zahlen regional ermittelt. Angesichts der schnellen Ortswechsel der Gänse ist anhand beringter Vögel schon jetzt zu erkennen, dass Doppelzählungen die Regel sind.

Der Gänse-König spricht in seinem Antrag die Erwartung aus, dass die Erkenntnisse aus der Gänseforschung für künftiges Wildtiermanagement umgesetzt werden können und den Arten Elch, Wolf, Bär und Otter zugute kommen können. Nach allem, was wir über die Absichten bei den Gänsen erfahren haben, ist das sehr anzuzweifeln.

Auch von Vogelschützern und vor allem vom Tierschutz werden Bedenken vorgetragen. Diese mögen emotional bedingt sein, weil jeder irgendwann die Geschichte von Selma Lagerlöf über die Reise mit den Wildgänsen gelesen hat. Jedermann wünscht, dass Kebnekaise die alte Graugans mit ihren Kindern gut durch den Winter kommt. Denn dem Sozialverhalten in der Gänsefamilie kommt eine große Bedeutung zu. Immerhin geht es um Lebende Tiere, die ebenso wie wir leben und lieben wollen und Gefühle gegenüber ihren Kindern, den Gösseln haben. Ihr Anspruch auf Leben wird durch Pläne bedroht, die mit einer merkwürdigen Gefühlskälte auf 18 Seiten vorgetragen wurden.

Der ÖJV hat sich sehr eindeutig gegen die Tötung von Jungvögeln ausgesprochen und auch die Bejagung von Arktischen Gänsearten abgelehnt. Er hat gefordert, dass gefährdete Gänsearten aus dem Jagdrecht herausgenommen werden, da eine Verwechslungsgefahr besteht. Da in der Regel auf fliegende Gänse geschossen wird und nicht nur die beschossene Gans fällt, sondern 30 % und mehr durch Randschrote verletzt werden, wird gefordert den Schuss auf fliegende Gänse zu verbieten. Die Zahl erlaubter Gänse ist pro Jäger zu limitieren.

Wenn ich das seltsame Verhalten der Wissenschaft kritisiere und die Jagd auf arktische Gänse verpöne, will ich doch die Gänsejagd nicht generell abschaffen. Von den hier brütenden Arten kann man durchaus einmal in seinem Revier eine jüngere Gans erlegen, um einen Festtagsschmaus daraus zu machen. Ich setze aber voraus, dass diese Jagd erst im November beginnt, dass man genau mit dem Spektiv prüft, welche Art man vor sich hat. Dann aber sollte es selbstverständlich sein nicht mit Schrot zu schießen, sondern sich mit einem bildsauberen Kugelschuss seine Festtagsgans herauszupicken. Zugleich als Lohn dafür, dass man Biotope gestaltet und die heimischen Brutvögel bewacht hat. Wer sich daran  hält, der wird in den heimischen Biotopen auch keine geschützte Art schießen und auch keinen Schaden in der Natur anrichten. Gänsebiotope müssen großräumig geplant und angelegt werden.  Wichtig ist es für die Gänse, in diesen Lebensräumen für Ruhe zu sorgen, denn brütende Gänse sind sehr empfindlich. Sie dulden in Nestnähe selbst nicht den eigenen Ganter. Von ihrer Wachsamkeit  profitieren auch andere Arten.

Die Jagdzeit auf Graugänse während der Mauser und Jungenaufzucht im August muss dringend beseitigt werden, und auch der September und Oktober ist für die Gänsejagd nicht geeignet. November und Dezember sind die eigentlichen Gänsejagdmonate, und auch bis in den Januar hinein wird man bei starker Zurückhaltung beim Schiessen kaum Schaden anrichten. Die regionalen von den Landratsämtern nach König selbstherrlich festgesetzten neuen Jagdzeiten wird jeder vernünftige Jäger ablehnen. Auch auf dem Starnberger See hat nur die Hälfte der Revierinhaber bei dem sogenannten „Reduktionsabschuss“ mitgemacht. Denn Landratsämter sind für das Festsetzen von Jagdzeiten nicht zuständig. Richtig ist alleine, dass man die Jagdzeiten auf Landesebene festsetzt, aber nicht regional. Das Vorgehen des Herrn Dr. König hat unsere Tier- und Naturfreunde sehr beunruhigt.

Wolfgang Alexander Bajohr