Windkraftanlagen und deren Einfluss auf den Vogelschutz in Gilching?

Die Gefahren des Barotraumas für Rotmilane haben in Gilching untergeordnete Bedeutung. Die nächsten Brutvorkommen dieses Vogels sind im Waldgebiet in Richtung Schöngeising im Ammermoos und Ampermoos. Angesichts der Bau-Höhe von 200 m, die solche  Windkraftanlagen haben, sind sie gefährlich für den Flug- und Hubschrauberverkehr. Dadurch ist die Zahl geeigneter Plätze in Gilching begrenzt. Wegen der Flugsicherung müssten solche Anlagen jedenfalls nachts beleuchtet werden. Solche Warnlampen sind dann hingegen Magneten für ziehende Kleinvögel in der Zugzeit und damit für alle Vögel lebensgefährlich.

Die Mehrzahl ziehender Kleinvögel fliegt in der Zugzeit allerdings bei ruhigen Wetterlagen weit oberhalb der genannten 200 m Grenze. Bei schlechtem Wetter kann sich das rasch ändern, so dass bei niedrig fliegenden Vögeln mit Kollisionen zu rechnen wäre. Da Erfahrungen fehlen, wäre die Gefährdung erst noch von Sachkundigen zu untersuchen. Auf den Forschungsplattformen sind dann alle bekannten Fernerkundungsmethoden einzusetzen. Insbesondere horizontal und vertikal rotierende Radargeräte, Mikrofone für die Zugruferfassung und um das Artenspektrum festzustellen, Video- und Wärmebildkameras. Es müssen alle Daten, wie bei Umweltverträglichkeitsstudien, erhoben werden. Zu erheben sind ausserdem alle Daten im Zusammenhang mit der sich ändernden Witterung.  

Zu erkunden sind weiterhin alle Daten zum Artenspektrum und Zugintensität. -höhe und -richtung bei Tag und Nacht. Denn selbst am Tag ist es schwierig, die Ursachen einer Erhöhung der Mortalität sicher zu erkennen und zu entscheiden, welche Ursachen zu Kollisionen führen – oder auch nicht. Es ist zu erkunden ob die Vögel wegen einer Barrierewirkung der Anlage evtl. Ausweichen – oder auch nicht. Es muss auch erkannt werden, ob sie evtl. weiträumig der Anlage ausweichen und welche Belastung für ihr Leben und  die Gesundheit entstehen kann.

Man muss auch erkunden ob bei Beleuchtung Dauerbefeuerung sinnvoll ist oder Leuchtimpulsen der Vorzug zu geben ist, und ob eine Unfallminimierung durch zeitweises Abschalten erreicht werden kann und durch welche Impulse das zweckmäßig zu steuern ist. Mögliche Einflüsse sind komplex und es bestehen noch erhebliche Wissensdefizite. Starke Bewölkung, Wind und  eingeschränkte Manövrierbarkeit sind zu berücksichtigen. Bevor nicht alles geklärt ist, dürfen - mit Ausnahme der Forschungsanlage - keine weiteren Anlagen gebaut werden.

Tagsüber ist es denkbar, dass die ziehenden Vögel der Anlage ausweichen und in deren Nähe auf Futtersuche gehen. Damit steigt zwangsläufig die Kollisionsgefahr besonders bei Starkwind. Nicht alle Vögel sind langlebende Arten, so dass untersucht werden muss, wie hoch die Mortalität ist, die verkraftet werden kann ohne dabei Einfluss auf die Biodiversität zu nehmen. Wird der Bruterfolg damit geringer, oder gleichen bestimmte Maßnahmen Verluste wieder aus? Eine genaue Erkenntnis ist ohne das Wissen über Klimawandel und Lebensraumverlust nicht möglich. Es geht hierbei nicht nur um die Verluste der Tiere und ihre Mortalität, sondern um die ganze Biodiversität aller Kleinvogelarten.

Bei Solarpaneelen gibt es vergleichbare Probleme nicht. Solarpaneele können auch unsichtbar für die Umgebung in ausgebeuteten Kiesgruben untergebracht werden. Obwohl diese Plätze wertvolle Vogelbiotope in der Nachfolgenutzung sind, können hier Solarpaneele hochbeinig aufgestellt werden und darunter ist reichlich Platz für die Vegetation. Sträucher usw. bieten Schutz, wie es ihn in der Agrarsteppe nicht gibt. Natur- und Vogelschutz sowie Energiewende können sich hier einmalig ergänzen.

Wolfgang Alexander Bajohr, Gilching