Ammersee: Das Bad der Tausend, Naturerlebnis Kormoran im Ammerdelta
von Wolfgang Alexander Bajohr

 

Mit Unterstützung der Jäger habe ich im Naturschutzgebiet Ammerdelta die Kormorane belauschen dürfen um als erfahrener Tierfotograf mit der großen Telekamera Aufnahmen für meine Reportage zu machen. Damit sich die Störung in Grenzen hält, bin ich sehr früh morgens noch im Dunklen in den Schirm gekrochen und bis zur abendlichen Dunkelheit dort geblieben, ehe ich mich leise unbemerkt davonstehlen konnte.

Die Silberweiden und Schwarzpappeln sind auf allen Ästen dicht mit den nur scheinbar so schwarzen Seeraben besetzt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, und immer wieder streichen sie in V-Formation heran. Kormorane können ihr Gewicht unter Wasser regulieren, indem sie Wasser in ihr Gefieder eindringen lassen. Dabei werden sie nass und müssen sich nachher trocknen. Das nasse Gefieder erschwert aber auch den Start vom Wasser aus, und sie brauchen einen langen Anlauf. Wenn sie aber erst einmal Luft unter den Schwingen haben, sind sie geschickte und rasante Flieger.
Abschuss stört die enge soziale Beziehung der Vögel untereinander. Denn ich beobachtete zwischen Vögeln, die sich kennen, und zu ihrer Gruppe heranfliegen, herzliche Begrüßung mit lautem Geschrei. Weil sie mich und die Kamera beim ersten Besuch sehr kräftig mit Kot besudelt haben, ist dieses Mal der Schirm abgedeckt. Als Tarnung wäre es nicht einmal nötig gewesen. Morgens streichen die meisten Vögel auf den See hinaus.

Im Laufe eines langen Tages kommen alle Vögel zurück, und ständig reisen neue Gäste an. So füllen sich denn rundum die Ränge in allen Etagen. In der Zwischenzeit sorgen pfeilschnell vorbeiflitzende funkelnde Eisvögel für Abwechslung. Reiherenten und Pfeifenten, Schnatterenten und eine sehr besorgte Kolbenente mit heurigen Jungen rudern schwätzend vorbei. Alle Bäume sind weiß getüncht. Manche sterben durch die ätzende Losung auch ab.

   

Aber das spielt im Urwald der Weichholzaue gar keine Rolle, denn das ist kein Wirtschaftswald, den jemand nutzen kann oder will. Irgendwann bläst sie als Baumriesen der Sturm um und kippt sie in das Schilf, oder sie sinken als überalterte Greise von selber nach vorne in das Altwasser. Auf einem dieser Stämme im Wasser sitzen viele Kormorane. Sie klammern sich auf allen, auch den dünnen, Ästen fest. Sie schütteln die Tropfen ab, dass ein Funkenregen im Gegenlicht sprüht, und sie streiten oder sitzen mit ausgebreiteten Schwingen unbeweglich da, um sie zu trocknen. Sehr viele davon sind Jungvögel, kenntlich am hellen Bauchgefieder. Die hier ausschließlich rastende Unterart Phalocrocorax carbo sinensis ist gar nicht schwarz, wie es scheint. Die Federn sind braun, und nur die Federkanten sind schwarz gesäumt. Die Augen leuchten smaragdgrün.
Bis zum Gegenufer hinüber ist es weit. Sehr weit sogar, leider. Zwischen den hohen grünen Wänden des Auwaldes fällt wenig Licht ein und auf dem moorschwarzen Altwasser ist es finster. Die Schwierigkeit beim Fotografieren liegt daher alleine beim Licht. Die Vögel aber sind voll vertraut. Auf dem Gegenufer sitzen sie bald auf allen Zweigen, mancher biegt sich unter der Last der gut 2 Kilo schweren Vögel. Auch auf dem Altwasser tummeln sich einige, und manchmal schwimmen sie vorbei, tief in der Flut liegend, tauchen vor mir auf und wieder ab. Es ist das große Bad der über Tausend Kormorane.
Gegenüber beginnen zwei Tiere ein Balzspiel. Ein Ast wird als Baumaterial angeboten. Ihre Rangelei habe ich in allen Phasen aufgenommen. Der balzende Hahn nimmt dabei eine Haltung wie ein balzender Auerhahn ein. Er hockt auf dem Ast, lässt die Schwingen herabhängen und versucht mit dem Stoß ein Rad zu schlagen. Den Stingel reckt er steil auf und singt. Es ist zur Unzeit, denn wir haben Spätherbst. Der Gesang der zwei Verliebten geht auch unter in dem allgemeinen Geschrei und Gegacker der an diesem Tag 1600 Vögel, die ich alle gleichzeitig sehen und zählen kann. Sie hocken um mich herum und über mir, und ich bin glücklich, dass ich als Kamerajäger unsichtbar mitten drin in der guten Stube der Natur sitze und sie so großartig erleben kann.

 

Die Kormorane wurden gezählt
Kein Vogel entging der gemeinsamen Zählaktion von Fischern und Landesbund für Vogelschutz. Man zählte alle Fische fressenden Vögel gemeinsam, damit man sich später nicht gegenseitig getürkte Zahlen vorwirft. Der Sinn dieser Zählaktion bleibt dennoch offen. Was erwartet man davon? Eine Abschussfreigabe etwa?

Die ist gar nicht möglich, denn die Vögel stehen nicht im Jagdgesetz, sondern unter Naturschutz und keine Jagdbehörde kann "Schonzeiten" aufheben. Makaber genug, dass es einige Jahre später das Umweltministerium getan hat, und dass nach einer „Polizeijagd” 6.000 tote Kormorane in Bayerns Schilf (am Chiemsee) verludert sind. Wir zeigen immer mit dem Finger auf die Italiener, weil sie unsere Singvögel essen, aber die essen wenigstens was sie schießen.
Gezählt haben die Ornithologen Kormorane auch schon früher, aus wissenschaftlichen Gründen an bestimmten Stichtagen. Anfang der 50er Jahre war der Kormoran noch ein recht seltener Gast an den Seen. Bis zum Ende der 70er Jahre war es immer um ein Dutzend herum. Erst als der international eingeführte Schutz zu greifen begann, setzte mit den 80er Jahren ein Boom ein, und die Zahl der durchziehenden Wintergäste verdoppelte sich anfangs von Jahr zu Jahr. Neuerdings scheint das Nahrungsangebot an Weißfischen die Verweildauer der Gäste zu begrenzen, denn die Zuwachsrate ist mit jährlich etwa 100 deutlich geringer geworden. Der Höchstwert im Oktober 1992 lag bei 2076 gleichzeitig anwesenden Kormoranen an einem einzigen Tag. Demgegenüber ist der Rückgang seither deutlich, denn die Zahl 500 wird am Schlafplatz eher unterschritten, als dass sie darüber hinaussteigt. Auf Dauer hat also das Nahrungsangebot der Weißfischarten die Zahl der Kormorane dauerhaft einreguliert und nicht der Mensch. Sie kommen auch auf anderen Seen in Bayern vor, wie den Innstauseen, am Chiemsee und am Altmühlsee. Doch nirgends wurden sie so häufig wie am stark eutrophierten Ammersee, und sie verweilen einen oder auch mehrere Tage und ziehen dann weiter in Richtung Schweiz und Mittelmeer. Die Einkehr der Gäste setzt mit den ersten Septemberwochen ein, findet Ende Oktober und Anfang November einen Höhepunkt und verebbt in den ersten Dezemberwochen. Seit 1977 gibt es je eine kleine Brutkolonie am Ismaninger Speichersee und am Altmühlsee. Erstmals haben 1991 auch ca. ein halbes Dutzend Kormoran-Paare am Ammerdelta gebrütet. Ihre Zahl stieg an und erreichte mit 124 Brutpaaren 2004 den Höchststand. Allerdings waren 24 Paare erfolglos und von 100 Nestern flogen insgesamt nur 220 Junge aus.

Ärger mit den Fischern?
Vogelschützern, Ornithologen und Jägern ist verständlich, dass ein schlagartiges Auftreten von derart vielen Fischfressern innerhalb von rund 10 Jahren Berufsfischer in Panik versetzen kann. Einige haben gar um ihre Existenz gefürchtet. Aber an ihrem Fangergebnis hat sich dennoch bis jetzt nichts geändert. Am Bodensee verzehren die gleichfalls massiv auftretenden Kormorane nach einer Hochrechnung 60 Tonnen Fische, was aber nur 5 % des Fischertrages entspricht.

   

Ein Fischereiberater aus Niederbayern, der den Abschuss von 3600 Kormoranen gefordert hat, ging von 4000 Vögeln Dauerbestand und einer Verweildauer von 180 Tagen und 500 g Fisch pro Vogel und Tag aus. Sein Endergebnis war dann pro Tag 360 Tonnen Edelfisch in Bayern. Da er einmal beim Rechnen war, ging er gleich noch von 200.000 Kormoranen in Europa aus, die angeblich der hungernden Menschheit 36.000 Tonnen Edelfisch wegfressen. Grundlage für diese Rechnung waren vorliegende Forschungsergebnisse, die aber unvollständig waren und mittlerweile ergänzt wurden.

Völlig neue wissenschaftliche Erkenntnisse
Es ist eine Eigenart des Kormorans, täglich die Auskleidung seiner Magenschleimhaut auszuwechseln und als Speiballen auszustoßen. Dieser Speiballen enthält auch die unverdaulichen Fischreste. Er wird auch dann ausgestoßen, wenn der Magen leer ist. Van Dobben hat schon im Jahr 1952 unter den Schlafplätzen die Speiballen eingesammelt und untersucht. Dieses Verfahren ist 1986 durch Müller und 1989 Zimmermann noch verfeinert worden. Müller hat dabei die Formel gefunden, vom Inhalt auf das Gewicht der gefressenen Fische umzurechnen. Die Schwankungsbreite des Speiballeninhalts hat er zu Beginn des Winterzuges mit 300 g, gegen Ende mit 750 g, im Schnitt auf 500 g beziffert. Von dieser Zahl gehen seither die Fischereiexperten bei ihren Hochrechnungen aus.
Prof. Josef Reichholf von der Zool. Staatssammlung München hat nun in seiner neuesten Untersuchung 1990 nachgewiesen, dass der Kormoran sich bei seiner Ernährung abnorm verhalten würde, wenn er täglich ein Viertel des Körpergewichtes isst. Alle übrigen Fische verzehrenden Großvögel der Welt kommen mit täglich 5-10 % des Körpergewichtes aus. Denn der an Fett und Eiweiß reiche Fisch ist eine hochwertige Nahrung. Bei einem Gewicht von 2000-2200 g ergibt sich rechnerisch für den Kormoran ein täglicher Energiebedarf von 1060 Kilojoule was einem Fischgewicht von 100-110 g entspricht. Denn 1 Gramm Fett ergibt 39,3 KJ, 1 g Eiweiß 18 KJ Energie. Die Nahrungsmenge von 100-150 g pro Tag entspricht 4-5 % des Körpergewichtes. Dies deckt allerdings noch nicht zusätzlichen Energiebedarf von Aktivitäten. Genauso wie alle anderen überwinternden Tiere trachtet auch der Kormoran im Winter den Energieverbrauch durch Ruhen am Tagesrastplatz zu senken, also Fliegen und Tauchen auf das notwendige Mindestmaß einzuschränken.

 

Diese Überlegungen sind untermauert worden durch die Überprüfung frischer Speiballen. Dabei ergab sich, dass bei früheren Untersuchungen die kleinen unscheinbaren leeren Speiballen übersehen wurden. So hatte man sie in der Kalkulation nicht berücksichtigt. Anfang Dezember waren 54 % der Speiballen leer, Ende Februar sogar 83 %. Die Vögel haben also zweifelsfrei nur alle zwei bis fünf Tage gegessen. Diese Beobachtung, der rechnerische Nahrungsbedarf und die früheren Untersuchungen mit 300 g bzw. 750 g Nahrungsaufnahme decken sich.

Mit 100-150 g Tagesbedarf liegt der Kormoran im normalen Rahmen aller Fische fressenden Arten. Der Verbrauch liegt also bei nur einem Fünftel bis Drittel der bisher von Fischereikreisen angenommenen Menge. Damit erübrigt sich die Forderung nach einer Reduzierung der Bestände, denn der "Schaden" liegt in jener Größenordnung, welche die Fischerei nach eigener Aussage tragen zu können glaubt. Für die Freizeit- und Sportfischer, die sich nach eigener Aussage als Naturschützer sehen, ist der Kormoran ohnehin kein Konkurrent, sondern ein Teil ihres Naturgenusses am Wasser, dessen Beobachtung das Naturerlebnis Fischen krönt.

Der Fischereiberater von Oberbayern P. Wißmath hat sich mit den Berechnungen von Prof. Reichholf kritisch auseinandergesetzt. Er kommt hierbei bei einigen ausgewählten Fischarten durch abweichenden Fett- und Eiweißgehalt zu anderen notwendigen Verzehrmengen. So bei Renke auf 247g, bei Rotauge auf 198 g und bei Barsch auf 121 g. Mit seinem Mittelwert von ca. 230,5 g für den 2,2 kg schweren Kormoran bestätigt und ergänzt er damit aber die Aussage von Prof. Reichholf, dass ebenso wie für andere Fische essende Großvögel auch für Kormorane ein Nahrungsbedarf von etwa 10 % des Körpergewichtes pro Tag nach physiologischen Befunden die Regel ist. Reichholf wiederum ergänzt seine Angaben noch mit der Regenbogenforelle, die örtlich für Kormorane eine Rolle spielen kann. Während die 200 g schwere Forelle 4,6 % Fett enthält, was pro 100 g = 513 KJ bedeutet, hat die 700 g Forelle etwa den doppelten Fettgehalt mit 8,5 % oder 680 KJ pro 100 g. Je größer und fetter also die Beute ist, desto länger hält der "Braten" vor, und umso seltener muss er fliegen und Energie aufwendig tauchen, wobei er ja auch noch nass wird.
Völlig offen, und noch zu untersuchen ist dabei, welche Fischarten der Kormoran fängt. Sonarmessungen haben ergeben, dass die Renke in den betreffenden Monaten nahe dem Grund der sehr tiefen Seen steht und für die Vögel nicht erreichbar ist. Eine starke Eutrophierung durch Nährstoffeintrag über die Ammer, hat die Weißfischbestände vor allem am Ammersee explodieren lassen. Zeitweise haben die Berufsfischer sie entfernt, um sie an Fischmehlfabriken und Tierhaltungen zu liefern, denn kein Mensch zieht sich gerne die Gräten aus den Zähnen. Die Sorge mit den unverkäuflichen Weißfischen hat ihnen der Kormoran jetzt abgenommen. Natürlich fängt ein Nahrungsopportunist, wie der Kormoran jeden Fisch, den er bekommt, auch solche, die der Mensch gerne hätte, wie Aal, Hecht, Forelle und Äsche. Er greift auch mal nach einer zu großen Portion, und der Fisch entkommt verletzt. Um die Berufsfischer dafür zu entschädigen, hat der Landesbund für Vogelschutz in Starnberg anstelle eines Abschusses Ausgleichszahlungen für Schäden vorgeschlagen oder aber den Pachtpreis für die Fischereinutzung der Staatlichen Seen zu senken. Jede Entschädigung setzt aber eine zweifelsfrei korrekte Erforschung und Formulierung des Schadens voraus.

Verfolgen steigert den Fischverbrauch
Schließlich muss man noch darauf hinweisen, dass die geforderte Kormoran-Jagd einen nachteiligen Effekt hätte, denn die Vögel würden weitaus scheuer werden. Viel umherfliegende Kormorane brauchen aber mehr Energie und damit mehr Nahrung als solche, die man in Ruhe lässt. Prof. Reichholf geht von einer Verfünffachung des Fischbedarfs aus. Würde man also 80 % der Kormorane totschießen, fressen die restlichen 20 % ebensoviel wie der heutige gesamte Winterbestand von 100 %. Es ist also wichtig, dass die Vögel an ihren Rastplätzen in Ruhe gelassen werden.

Nur in der Schweiz hat man bisher Abschüsse freigegeben und ruft nach dem Jäger als Erfüllungsgehilfen für die Wirtschaftsinteressen der Berufsfischer. Auch dort haben die Jäger Bedenken geäußert. Dagegen haben sich am Ammersee die Jäger auf die Seite der Vogelschützer geschlagen. Sie sind stolz auf das Rastgebiet und wehren sich gegen die Beunruhigung oder Verfolgung. Für den richtigen Jäger ist es auch ganz selbstverständlich, dass die Nutzung von Naturgütern nachhaltig sein muss und ihre Verwertung voraussetzt. Aus ethischen Gründen lehnen viele Jäger es traditionell ab Tiere zu töten, die man nicht wenigstens aufessen oder als Fell nutzen kann. Ein Tier zu nutzen, das so scheußlich schmeckt wie ein Kormoran, erübrigt sich für den Jäger.

Woher kommen die vielen Kormorane?
Niemand weiß, wann der Kormoran im Binnenland ausgerottet wurde. Weil ungenießbar und nur als "Unkraut" vernichtet, kam er so wenig in die Statistik wie die Wanderratte. Ende des 19.Jh lebten nur noch im nahen Österreich 200 Kormoran-Brutpaare, 1927 waren es noch 250. Schleswig-Holstein zählte 1816 noch mehrere Tausend Paare, aber 1935 kein einziges. Überlebt hat der Kormoran in Mittel-Europa nur in Ostpreußen auf der Insel Ostrow im Mauersee bei Angerburg. Von dort ging die Wiederbesiedlung im Norden aus. Die Kolonien in den Niederlanden haben inzwischen 12.000 Paare, die in Dänemark 15.000 oder sogar mehr Paare.

   

In Mecklenburg siedelten sich 1954 im Schlosspark von Niederhof am Strelasund südlich von Rügen 8 Paare an. Bis 1962 ist diese Kolonie auf über 1000 Paare angewachsen. Am Torgelower See nahe dem Nationalpark Müritz nisten etwa 500 Paare gemeinsam mit Graureihern auf mächtigen abgestorbenen Eichen. Ich habe sie dort besucht und fotografiert. Angeblich haben die DDR-Jäger auf Wunsch der Fischer die Zahl der Paare in der Kolonie einreguliert. Das ist aber unwahrscheinlich, denn die Vögel waren dafür viel zu sehr vertraut. Für die Abschüsse an Fischteichen hatte man allerdings sogar Abschussprämien bezahlt. Aber auch das ist jetzt vorbei. Die Kolonie bei Rathenow wird von den Vogelschützern des NABU sogar bewacht.
Von all diesen Vögeln erscheinen durch Veränderung der Zugstraßen 3000 Durchzügler im Binnenland, die sich auf 29 Rastgebiete verteilen. Solange das Weißfischangebot mitmachte, kam die Mehrzahl zum Ammersee. Aber auch da hat sich inzwischen ein ökologisches Gleichgewicht eingependelt. Viele ziehen daher weiter zum Bodensee, Zuger See und über andere stark eutrophierte Seen in der Schweiz und in Norditalien, wo es einen hohen Weißfischbestand gibt, teilweise an das Mittelmeer, um dort zu überwintern.


 
 Kormoran-Balz


Kormorane sind Mitgeschöpfe, die wie wir ein Recht zum Leben haben. So wie wir gerne die vom Fischer präsentierte Renke geräuchert oder mit zerlassener Butter auf der Zunge zergehen lassen und genießen, ist auch das Erleben der Kormorane für die Augen ein Genuss, weil es ein Geschenk der Schöpfung ist. Das Bad der über Tausend Kormorane ist ein Naturerlebnis, das die schönste Tiersendung im Fernsehen durch seine Großartigkeit weit übertrifft.

Jedermann kann ihn jetzt für wenige Wochen bei einem Spaziergang auf dem Ammerdamm frohen Herzens genießen, ohne ihn zu stören. Jäger und Fischer, Vogler und Naturschützer können hier das große Ereignis des Vogelzugs beim Kormoran miterleben. Das ist ein so überwältigendes Naturschauspiel, dass wir es auch Kindern und Enkeln erhalten müssen. Darum hat die Schutzgemeinschaft Ammersee Süd das Naturschutzgebiet abgesichert und passt auf, dass niemand den Vögeln ein Leid antut. Eine Vogelart, die aus Habgier und Futterneid früherer Generationen beinahe ausgestorben wäre, könnte die Rote Liste bedrohter Arten im positiven Sinne wieder verlassen, denn sie hat sich durch konsequenten Vogelschutz erholt und ist zurückgekehrt, uns und kommenden Generationen zur Freude, aber auch zum Schutz anvertraut. Zugegeben, in einer Fischzucht kann man Kormorane nicht dulden, und man wird sie dort vertreiben. Auf den Öffentlichen Gewässern aber muss man sie dulden, denn die gehören ebenso wie das Wasser darin dem Volk. Die Fische im Wasser aber sind herrenlos. Sie gehören dem Kormoran genauso wie dem Fischer, dessen Eigentum sie erst werden, wenn er sie gefangen hat. Wenn es über Jahrzehnte keine Kormorane auf unseren Seen mehr gegeben hat, dann lag das einfach daran, dass man sie gezielt ausgerottet hatte. Jetzt sind sie wieder da. Sie verlangen auch nicht danach, dass wir sie füttern, sondern sie wollen nur eines: in Ruhe gelassen werden. Dann kann sich das ökologische Gleichgewicht von selber einpendeln.