Ammersee: Zwergsäger, Mergus albellus

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Zwergsägerpaar

Auf dem Starnberger See (und dem Ammersee) erscheinen manche Vogelarten in großer Anzahl, obwohl sie in ihren weiten Brutgebieten selten sind. Einige Arten sind aber auch hier bei uns selten weil sie auf kleine Zonen ihrer Brutheimat begrenzt sind. Da sie hier bei uns auch nur sporadisch im Überwinterungs-gebiet auftauchen, werden sie zu besonders bemer-kenswerten Raritäten für den Vogelfreund, der sich für ihren Schutz verantwortlich fühlt. 

Zu diesen Wasservögeln gehört der Zwergsäger, denn in manchen Jahren erscheint er gar nicht, in anderen sind es gerade zwei oder auch einmal 10 dieser schneeweißen Vögel. Es gibt aber auch Jahre, in denen wir 20 oder gar 100 dieser Zwergsäger zählen können. Die schneeweißen schwarz gezeichneten Männchen sind so auffällig, dass sie kaum zu übersehen sind. Das Weibchen ist hingegen so unscheinbar, dass es sicher unbemerkt bleibt, wo es alleine zwischen den Enten auf dem großen See rudert.

Da Zwergsäger mit maximal 600 Gramm nur etwa halb soviel wiegen, wie der doppelt so große Gänsesäger und auch deutlich kleiner sind als fast alle Entenarten, wurden sie früher unter der Phantasiebezeichnung „Halbenten“ in der Jagdstatistik geführt. Heute sind sie ganzjährig geschont, und der Jäger ist auch nicht an ihnen als Beute interessiert.

Ihre Brutgebiete liegen in der borealen Zone in Nordschweden, in Ostkarelien und in Nord- Sibirien, stets aber in der Taiga. Dort legen sie ihre Eier in verlassene Höhlen vom Dreizehen- oder Schwarzspecht oder in andere Baumhöhlen. In diesen klimatisch ungünstigen Brutgebieten haben sie knapp 3 Monate Zeit ihre Jungen großzuziehen. Brutplatz-Konkurrent ist die Schellente und der Gänsesäger, die gleichfalls in Höhlen brüten.

Wenn sie Anfang Mai im Brutgebiet eintreffen, deckt noch dickes Eis die Seen. Ab Mitte Mai legen sie 6-9 rahmfarbene Eier und bebrüten sie 30 lange Tage. Nach 10 Wochen sind die Jungen flugfähig. Im September reisen sie dann schon wieder in ihre Zwischenrastgebiete. Ihre Nahrung im Brutgebiet sind überwiegend Insekten, bei uns im Überwinterungsgewässer aber kleine Fischarten oder deren winzige Brut, die sie aus etwa 3,5 m Tiefe heraufholen. Die Mehrzahl überwintert an den Meeresküsten und nur ausnahmsweise streifen einzelne durch das Binnenland, aber auch hier ist nicht jeder See geeignet, denn um ihre Beute zu sehen, brauchen sie klares Wasser. Das bietet besonders der Starnberger See mit seiner großen Sichtweite im klaren kalten Wasser. Daher sind sie auch eher auf den Staustufen klarer Flüsse zu finden, aber verschwindend wenige nur auf den übrigen großen Seen in Bayern, und die Mehrzahl  hält in enger Gemeinschaft  den Winter über zusammen. Das dient der Feindabwehr, doch haben sie nur wenige Feinde. Von denen ist der Mensch noch immer der größte, da er Zwergsäger zwar nicht verfolgt aber sie unbewusst durch Störung in der futterarmen Zeit an seinen Nahrungsgründen vertreibt, ohne es zu wollen, denn sie sind sehr scheu, obwohl sie in den Brutgebieten kaum mit Menschen zusammentreffen.

Wolfgang Alexander Bajohr