Futterneid macht sie zu Problemvögeln, Abschuss-Skandal im Juli 2005 in Mecklenburg
von Wolfgang Alexander Bajohr

Innerhalb weniger Jahre haben sich Kormorane als Wintergäste an Bayerischen Seen und den Seen in der Schweiz explosionsartig vermehrt. Bei manchen Berufsfischern hat das heftige Reaktionen hervorgerufen. Abenteuerliche Hochrechnungen von "Experten" über "Schäden" machen die Runde. Auch mancher Bürger ist in Sorge, dass die Seeraben ihm die leckeren Renken wegessen. Sind Fischverluste wirklich so groß, dass eine Regulierung durch Jagd nötig ist? Bei ökologisch denkenden Jägern und dem Landesbund für Vogelschutz findet das wenig Gegenliebe. Nutzen von Naturgütern setzt auch Verwertung voraus, aber Kormorane schmecken nicht, und

im Jagdrecht kommen sie nicht mehr vor. Gefragt ist nach Jahren seiner Vernichtung die Wiedergutmachung an einer einst fast ausgerotteten Art, die ihren alten Platz im Ökosystem wieder einnimmt.

Schlagzeilen macht demgegenüber der Massenabschuss in einer Kolonie in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Am 1.7.2005 wurden „offiziell“ 6950 junge Kormorane aus ihren Nestern herausgeschossen! Viele von ihnen wurden nur verletzt und quälten sich noch tagelang. Der WWF kritisierte dieses vom Umweltministerium genehmigte Vogelmassaker. Damit wiederholte sich die Praxis aus dem 19. Jahrhundert, als man den Kormoran in Europa auf diese Weise ausgerottet hat. In vielen Fällen wurden auch Altvögel angeschossen, und deren Junge dem Hungertod preisgegeben. Inzwischen hat Bundesumweltminister Trittin das Massaker kritisiert. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Prof. Wolfgang Methling hat den Abschuss gestoppt und die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. Umweltminister Methling ist die Sache peinlich, denn er möchte das Land als ein Land des Vogelschutzes sehen, auch wenn einzelne Arten, wie Gänse, Kraniche und Raben Sorge bereiten. Der Massenmord an den Kormoranen soll von nur 10 Personen ausgeführt worden sein, von denen sich Jäger distanzieren, denn Jagd in Brutgebieten während der Brutzeit in einem Naturschutzgebiet ist untragbar. Jagd ist auch nur dann waidgerecht, wenn die Beute verwertet wird, nicht aber, wenn sie am Waldboden vergammelt.

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