Bedrohte Vogelarten: Presseinformation 14.3.2002

Stoiber und Schnappauf befehlen Vogelmord am Chiemsee
Staatsregierung missachtet europäisches Naturschutzrecht
 

Gegen alle Fachargumente und naturschutzrechtlichen Bestimmungen hat die Staatsregierung dem Antrag der Fischereigenossenschaft Chiemsee stattgegeben, während der Brutzeit 145 Kormorane im naturschutzrechtlich am besten geschützten Gebiet Bayerns zu töten. Der Abschuss der Kormorane soll bereits am Freitag, den 15.03. beginnen. Die bayrische Staatsregierung setzt sich damit in eklatanter Weise über die Bestimmungen der EU-Vogel-Schutzrichtlinie hinweg. Der LBV wird umgehend Beschwerde in Brüssel gegen dieses unverantwortliche Vorgehen einlegen.
Der LBV hatte in einer ausführlichen Stellungnahme gegenüber der Regierung von Oberbayern dargelegt, dass die Zerstörung der Kormoran-Kolonie am Chiemsee und erhebliche ökologische Schäden im Schutzgebiet zu befürchten sind. Er hält diesen Eingriff in eines der Gebiete Bayerns mit der höchsten Schutzkategorie (Ramsar, europäisches Vogelschutz-, FFH- und Naturschutzgebiet) für unverantwortlich.
Im vergangenen Jahr wurde aufgrund schwerwiegender fachlicher Bedenken, die insbesondere von obersten Naturschutzbeirat vorgebracht wurden, auf das geplante Anstechen von Eiern verzichtet. Die nun von der Staatsregierung getroffene Entscheidung – in diesem wichtigen Fall ohne Einbeziehung des obersten Naturschutzbeirates! - ist nach Auffassung des LBV mit EU-Recht nicht in Einklang zu bringen. Hinzu kommt, dass nun Kleinkaliberwaffen mit Schalldämpfer zum Einsatz kommen sollen. Dies würde einen klaren Verstoß gegen § 19 Bundesjagdgesetz und Art. 29 Abs. 2 Nr. 8 Bay. Jagdgesetz darstellen.
Der LBV hat von einem Mathematiker errechnen lassen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 96% nur noch 30 intakte Brutpaare übrigbleiben, also nur ca. 20% der ursprünglichen Koloniegröße. Einen Eingriff dieser Auswirkung halten wir für völlig inakzeptabel, zumal die fachliche Begründung des Bescheides äußerst dürftig ist und nur seitens der für die Fischerei zuständigen Behörden getragen wird.

Die Naturschutzbehörden haben keine naturschutzfachliche Stellungnahme abgegeben, da wohl auch ihnen die Stellungnahme der Fischereibehörden zu wenig nachvollziehbar war.

Wir sehen mittlerweile den Wasservogelschutz in Bayern in ernsthafter Gefahr. Zug um Zug werden die wichtigsten Wasservogelruhezonen Bayerns der Jagd bzw. der Vergrämung von Kormoranen geopfert. Neben dem Chiemsee wurden z.B. auch schon der bayerische Teil des Bodensees, der Ammersee und die Osterseen stark beeinträchtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass eine mögliche Wiederbesiedlung des Achendeltas mit dem ersten Seeadlerpaar (Deutschlands Wappenvogel) durch die geplanten Vorgänge in weite Ferne gerückt wird. Die Staatsregierung muss sich fragen lassen, wie sie künftig den Vogelmord in Südeuropa anprangern will, wenn sie im eigenen Land nicht anders mit Tieren umgeht.


München, den 14.03.2002
V.i.S.d.P. und Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Klaus-Georg Schulze (1.Vorsitzender der LBV Kreisgruppe München)
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