Eulen: Der Habichtskauz kehrt in den Naturwald zurück
Die „Slaguggla“, oder die „Habergeiß“ ist ein kräftiger und risikobereiter Jäger, der auch
Menschen in die Flucht zu schlagen weiß
von Wolfgang Alexander Bajohr

Jede Begegnung mit dem Ritter vom Samtflügel ist ein Erlebnis. Ganz hinreißend kann es sein, zuweilen aber auch schmerzhaft für den Beobachter, wenn die Eule ihre Jungen verteidigt und rasant angreift, dabei mit den Fängen zuschlägt und auf Kopf oder Stirn eine blutige Schramme hinterlässt. Diese wunderschöne Eule ist nur wenig kleiner als ein Uhu. Da sie ähnlich dem Habicht hell- und dunkelgrau gesprenkelt ist und einen langen Steuerschwanz hat, erinnert sie an einen Habicht, dem sie in der Wendigkeit auch in nichts nachsteht. Besonders beeindruckt ihre geringe Furcht vor dem Menschen, wenn sie irgendwo in den Bäumen sitzt. Nur solange die Jungen nicht geschlüpft sind, wenn ausschließlich das Weibchen die Eier bebrütet, ist ihre Aggressivität gehemmt. Nähert man sich ihrer Höhle, meist einem großen Nistkasten, dann stürzt sie davon und sitzt dann, kaum zu stören, irgendwo auf einem Ast in den Bäumen und wartet darauf, dass sie zur Höhle heimlich zurückkehren kann.

 

Der Terzel aber sitzt irgendwo in Stammnähe auf einem Ast und döst. Er hat sogar zugelassen, dass wir ein Stativ aufgestellt haben, die Kamera mit dem großen Objektiv aufsetzten, ja mehrfach die Kamera und den Fotografen ausgewechselt haben. Er blieb sitzen und hat sich nicht stören lassen. Der Habichtkauz ähnelt in der Gestalt sonst dem Walzkauz, nur ist er sehr viel größer. Er weiß nicht nur, dass er wehrhaft ist, er ist im Angriff auf die Beute gleichfalls sehr gezielt und vital. Er weicht aus und verfolgt alle Winkelzüge, die das Beutetier versucht, um zu entkommen. Feinde hat er nicht, denn er weiß, dass er sehr wehrhaft ist. Offenbar zeigt er das nicht immer, denn ich bin von ihm niemals angegriffen worden. Der schwedische Name Slaguggla sagt aber „angreifende Eule“, dass er es zeigt, wenn junge Ästlinge in der Nähe sind, die er verteidigen will. Sonst vertraut er auch gegenüber den lästigen Raben oder Eichelhähern darauf, dass er unsichtbar ist, wie andere Eulen auch. Für den nahen Menschen interessiert sie sich also kaum, und er fliegt allenfalls ein Stück weiter im Hochwald, wie ich es mehrfach erlebte, wenn ich ihm mit der großen Kamera nachgeschlichen bin.



Die angebotene Lockspeise scheint da schon interessanter. Ein wenig zögert er noch, wackelt auf den Beinen, trampelt ein wenig mit kräftigen Schritten hin und her, bevor er herab springt, mit kraftvollen lautlosen Flügelschlägen herangleitet und aufblockt. Er packt die bereitgelegte Maus mit dem Schnabel und ist außerordentlich wendig dabei,  zuweilen im Zickzackflug durch die Zweige steuernd, um auf den Ansitz zurückzufliegen. Jede Flugbewegung ist sicher und schnell. Mit dem Kopf voran verschlingt er sogleich die ihm geschenkte Maus mit Haut und Haaren, bis zuletzt nur noch das dünne Schwänzchen aus dem Schnabeleck baumelt. Wirklich häufig ist der Habichtskauz nur in Schweden, Finnland und Russland. Offenbar profitiert er dort von der Kahlschlagwirtschaft im Wald. Denn die Tendenz der Brutvögel ist zunehmend, solange nebenan Altholzbestände sind mit den erwünschten Höhlen oder alten Greifvogelhorsten. Da ist der Habichtskauz wenig wählerisch, und die Jungen siedeln sich in 50 km im Umkreis an. Denn noch hält er auf Distanz und vertreibt seines gleichen aus dem Horstbereich.


In Ostpreußen war der Habichtskauz den Menschen im Kranichbruch wohlbekannt, und weiter nach Osten, in den Baltischen Ländern bis weit nach Russland hinein und in den Norden hinauf bis zum Eismeer ist er eine ganz gewohnte Erscheinung. Er lebt auch in den Beskiden Polens und in der Ostslowakei. Schweden und Finnland haben je 4.000 Brutpaare. Von Slowenien aus hat er die Steiermark und Kärnten besiedelt. Im Bayerischen Wald, wurde diese schöne Eule selten, denn nach 1925 wurde keine mehr gesehen. Seit 1975 läuft dort ein Ansiedlungsprojekt von Dr. Wolfgang Scherzinger, das sehr erfolgreich war. Aus Nachzuchten in der Voliere hat er 186 Jungvögel ausgewildert, und rund um den Nationalpark Bayerischer Wald haben sich 6 Paare angesiedelt. Auch im angrenzenden Sumava-Nationalpark lief ein Auswilderungsprogramm, so dass der Bestand in den Bergen dort heute gesichert ist und eine westwärts gerichtete Ausbreitung erfolgt. Sogar aus den Italienischen Alpen ist schon ein Brutpaar gemeldet worden. Die großen Waldgebiete westlich des Ammersees und rund um den Peißenberg sind ebenfalls für die Ansiedlung verdächtig. Zum mindesten mit umherstreifenden Jungvögeln müssen auch wir rechnen. Obwohl sie mit einem Jahr geschlechtsreif ist, brütet sie doch eher erst nach 3-4 Jahren.


In Ostpreußen und Litauen hatten die vor der Jahrhundertwende lebenden Menschen zuweilen seltsame Eßgewohnheiten. Für sie waren z.B. mit Gedärm umwickelte Gänsefüße, im Gänseblut gekocht als Schwarzsaures eine köstliche Spezialität. So verwundert es nicht, dass sie auch die schönen Habichtskäuze gerupft und aufgegessen haben. So wären die auch dort um ein Haar ausgestorben. Wir können den Leuten, die oft noch sehr ärmlich leben mussten, schwerlich Vorwürfe machen. Sie haben ja auch andere Tiere als Konkurrenten bekämpft. Nicht anders als der Vetter Uhu, als Luchs und Bär, Wolf und Steinadler, wurden alle verfolgt, die den Menschen etwas weggegessen haben. Sie haben es noch mit Vorderladern verstanden gnadenlos auf  „Schädlinge” zu jagen. Da die kleinen Bauern ihre Verteidigung


 

vom Grundherren anmahnten oder von den Abschussbeamten der Obrigkeit forderten, wurde sogar mit Schussgeldern beim Ausrotten oft noch nachgeholfen. Das passierte vorzugsweise bei den sehr ordentlichen Deutschen, die immer die Welt verbessern und verschönern wollten.

Bei den Slawischen Nachbarn ist man eigenartiger Weise weniger gründlich gewesen. Das geschah vielleicht nicht aus Überzeugung, sondern aus Bequemlichkeit, weil man sich nicht gerne Arbeit macht, wenn die nichts einbringt. Auch bei den zeitweise zu Jugoslawien zusammengefügten Volksteilen hat man zwar Bären und Wölfe gejagt, aber man hat sie nicht ausgerottet. Vielleicht waren die Menschen dort auch zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig etwas wegzunehmen. Eulen waren allenfalls im Bratrohr interessant. Eine Rolle spielt für die Existenz von Tieren aber auch, wie der Wald aussieht. In Skandinavien kommen offenbar die großen Kahlschläge, welche die Papierfabriken hinterlassen, den Mäusen und damit auch dem Habichtskauz entgegen. Er schätzt wohl auch den offenen Taigawald, mehr aber wohl jene Plünderwälder, die ein wenig krumm und unordentlich sein dürfen. Wozu soll man auch alte hohl gewordene Bäume absägen? Sie sind zu nichts Nutze, also lässt man sie stehen mit allen darin ausgefaulten oder von Vögeln vorgezimmerten Höhlen im Holz. So verwundert es nicht, dass ein Eulen-Paradies immer jene Waldgebiete sind, die in den Kampfzonen der Berge und gen Norden viel Raum lassen, um zwischen den Bäumen auch im Tiefflug herumzufliegen. Dabei lieben Habichtskäuze offenbar vor allem alte Buchen-Wälder mit ihren Hallenbeständen oder eben jene offenen Taiga-Wälder, in denen nur alle paar Meter ein Baum steht.



Obwohl jeder Habichtskauz gegenüber seinesgleichen sehr aggressiv ist und auf Abstand bedacht ist,  wiegt ein Wald mit vielen Mäusen weit mehr als dieser Abstand zur Konkurrenz, und daher kann es also sein, dass sie zuweilen in mehreren Paaren auch sehr dicht aufeinander brüten. Das aber erfordert immer die Nähe guter Jagdgebiete. Solche Ansiedlungen von zuweilen mehreren Paaren, sollte man aber nicht als Kolonie sehen, denn immer noch liegen etliche 100 Meter zwischen den einzelnen Horsten. Das können Nester von Raben oder Greifvögeln sein, aber auch abgebrochene hohle Stümpfe von Bäumen oder Höhlen in Bäumen.

In Finnland brüten sie überwiegend in großen aufgehängten Nistkästen. Die Streifgebiete der einzelnen Habichtseulenpaare sind aber weitaus größer als z.B. beim Waldkauz, und sie streben auch stets an, dass sie einander nicht begegnen. Ja selbst die Partner eines Paares jagen außerhalb der Brutzeit lieber für sich alleine. Sie jagen sowohl vom Ansitz aus, als auch in niedrigem Suchflug über Freiflächen. Bevorzugte Beute sind alle Mäuse und Spitzmäuse, vor allem aber die Wühlmausarten. Die sehr große und draufgängerische Eule packt, wenn sie Gelegenheit dazu hat, aber auch große Vögel wie den wehrhaften Schwarzspecht, Eichel- und Unglückshäher oder Schneehühner und Haselhühner. Von derart großen Tieren kröpft sie dann nur die Brust, lässt aber Rücken und Flügel liegen. Doch auch bei Säugern verschmäht sie die Eingeweide oft, reißt sie vor dem Verschlingen  heraus und lässt sie liegen.


Jagend gleitet sie oft weite Strecken, fliegt zielbewusst in gerader Bahn mit kräftigen weit ausholenden Flügelschlägen. Aber im Angriff und in der Verteidigung ist sie äußerst wendig, weil ihr langer Schwanz vorzüglich zu Flugmanövern geeignet ist, um jähe Richtungswechsel zu steuern. Alle ihre Bewegungen sind zielbewusst, kraftvoll, mitunter ruckartig. Sie läuft auch sehr gewandt auf dem Boden, um mit gewichtigem Abflug gegebenenfalls anzugreifen, einen seitlichen Ausfall zu machen und schon wieder mit mächtigem Schwingenschlag dahinzupreschen, steil Höhe zu gewinnen, zu rütteln und in Baumwipfelhöhe zu entschwinden, sich irgendwo wieder herabfallen zu lassen, aufzublocken und zu sitzen und rau krächzend zu rufen. Vielgestaltig ist dieser Ruf. Mal bellt er hart, blubbert weich, kreischt und krächst schrill, warnt „Kräck jäck, kräck jäck”. Nur beim Zeigen des Nestes ruft das Männchen klangvoll „bu buh buh”. Dabei beginnt die Balz schon im Herbst und steigert sich zum Frühling hin. Denn es braucht lange, ehe sich die weibliche Eule gewinnen lässt, Aggressionen abbaut und ihren Partner nicht mehr angrifflustig drangsaliert.

 

Vor allem in der so genannten Herbstbalz werden die rauen und bellenden Rufe des Männchens laut und anhaltend in rascher Folge vorgetragen, dass es wie ein gigantisches teuflisches Meckern klingt. „Buhu, buhu, buhubuhu buihu”. Daher hat es ihr in Ostpreußen den Volksnahmen Habergeiß eingetragen. Die Habergeiß ist ein Fabeltier, das mit der wilden Jagd durch die Luft trabt. In der Balzzeit zwischen Februar und April, wenn sie anhaltend singen, kann manchem schon das Gruseln gelehrt werden. Der Terzel schreit auch im Flug im Abstand von 3-5 Sekunden laut „Huch” wie ein Fuhrmann, der seine Pferde antreiben will. Das ist so schallend und laut hörbar, dass es noch bis zu 2 km weit klingt. Der Gesang ist wie eine Mischung von Uhu-Stöhnen und Trillern der Waldkäuze, und zuweilen erinnert er auch ein wenig an rucksende Ringeltauben.

Irgendwo in der Wildnis hockt dann auch das Weibchen, krächst „korch” oder „Kchräik” wie ein Graureiher und regt „chuäck” den Terzel immer wieder an, weiter zu singen. Nur wenn der Winter sehr hart und kalt gewesen ist, die Mäuse erfroren oder in den Löchern ertrunken sind, der Eule also ihr Magen knurrt, und auch der Frühling wenig Mäuse verspricht, dann fällt die Balz und damit auch die Brut aus. Wenn sie auch Buchenwald mit Hallenbestand bevorzugen, sind sie nicht unbedingt wählerisch, freunden sich mit einem Misch- oder auch Nadelwald an, wenn er nur genügend urig und weitläufig genug ist, Freiflächen zu haben. Fehlt es an Höhlen, dann weichen sie geschickt in die alten Nester von Habicht, Bussard, Elster, Krähen und Kolkraben aus. Wenn genügend Freiflächen viele Mäuse verheißen, dann können es sich auch die Habichtskäuze leisten, häufiger zu werden. Denn nur wo die Sonne den Boden erreicht, da tummeln sich die Rötelmäuse, und die ist unter allen Wühlmäusen wiederum ihre Lieblingsspeise. Weiter im Norden und Osten profitieren sie vom Lemming. Erst wenn die Wühlmausarten, die an der Nahrung zu 80 % beteiligt sind knapp werden, weichen die Habichtskäuze auf Vögel, Amphibien und schließlich in der Not auch auf Insekten aus.



Man hört Habichtskäuze bevorzugt nur nachts schreien, und in der Dämmerungsphase sind sie auch besonders aktiv. Aber wie andere nordische Eulen, Sperbereule und Schnee-Eule, sind sie an die langen Tage angepasst und können auch bei Tage besonders gut sehen, falls es nötig wird. Man sollte meinen, dass man sie dadurch leichter beobachten kann, weil sie ja auch noch laut und häufig rufen, sehr groß sind und auffällig gefärbt dazu. Aber auch dort, wo sie Standvögel sind und das ganze Jahre anwesend sein müssen, kennt sie kaum jemand. Am ehesten noch der Jäger. Denn sie führen ein verborgenes Leben.


So vertraut sie auch sind, reagieren sie in Nestnähe doch empfindlich. Solange es nicht um die Jungen geht, räumen sie heimlich das Feld. Aber wenn einmal irgendwo die Ästlinge im Unterholz herumhocken, werden die nie alleine sein. Dann stürzen sich die Eltern wütend auf jeden, der sich nähert. Sie greifen geschickt sogar Taggreifvögel an und schlagen Habicht und Bussard in die Flucht. Sie verfolgen den soviel größeren Graureiher und weichen kraftvoll und geschickt in der Luft lavierend seinen spitzen Schnabelhieben aus. Ernsthaft schaden können sie sich beiderseits nicht.

Es gibt nur wenige Vögel, die mehr tragen können als sie selber wiegen. Der Fischadler gehört dazu, aber auch der Habichtskauz, der um die 800-900 g schwer ist. Das ist um die Hälfte mehr als beim Waldkauz und rund halb soviel wie beim Uhu. Trotz ihrer Vorliebe für die Rötelmäuse können sie, wenn es sein muss, also durchaus einen Junghasen, ein Wildkaninchen, ein Haselhuhn, Birkhuhn oder Schneehuhn schlagen und auch wegtragen. Aber sie tun das selten. Unsichtbare Mäuse unter einer 25-30 cm tiefen Schneedecke können sie alleine nach Gehör präzise orten und unter dem Schnee erfolgreich schlagen.

Es ist die besondere Gewohnheit dieser hellgrauen dunkel gefleckten  Eule, dass sie stets aufrecht auf einem Ast sitzt. Da sie etwa zwei Drittel der  Uhu-Größe erreicht, ist sie eine grandiose Erscheinung. Die großen dunklen Knopfaugen im Gesicht umgibt ein strahlenförmiger Federkranz, der außen dunkel gesäumt ist. Dieser Gesichtsschleier hat große Ähnlichkeit mit dem Schleier bei der Schleiereule. Sie schaut damit um den Kopf herum sehr viel ordentlicher aus als der Waldkauz, bei dem das Gesichtsgefieder immer etwas strubbelig ist und schlecht gekämmt wirkt. Sie übertrifft ihn auch erheblich mit 60 cm Gesamtgröße und 1,15-1,25 cm Flügelspannweite und dem Gewicht von bis zu 740 g beim Männchen und bis 1200 g beim Weibchen.


 

Seine Füße sind schmutzig weiß, der Schnabel wachsgelb bis schmutzig weiß, und das Augenlid ist korallenrot. Weil er nirgends häufig ist, gilt er immer noch als gefährdet. In Finnland begegnete uns der Habichtskauz am Auerhahnbalzplatz, und ich habe mich dort in der Nähe eines Brutkastens aufgehalten, den ich einsehen konnte. Da hat sie sich von Baum zu Baum fliegend angeschlichen und mich keines Blickes gewürdigt, als sie vorbeikam, wo ich am Waldboden saß und mich nicht rührte. Dass sie sich stören lässt, weiß sie ohnehin durch ihre Aggressivität zu verhindern. Um sie dennoch vor die Kamera zu bekommen, empfiehlt es sich im Verbreitungsgebiet nachzuarbeiten oder aber mit Lockspeise zu arbeiten, die nicht unbedingt lebendig sein muss. Wir haben der Fernwirkung wegen und weil sie leichter zu beschaffen sind, weiße Mäuse gewählt und sie auf einen Baumstumpf gelegt, und gleich ist die große Eule heran gestrichen. Erst sitzt sie noch auf einem Ast und starrt mit großen Augen beharrlich herab. Auf einmal wackelt sie hin und her, so als sei sie verlegen, aber schon breitet sie die stumpfen Schwingen und ist mit wenigen starken Flügelschlägen herab geglitten, viel schneller als man reagieren kann, um sie vielleicht im Flug mit Blitz aufzunehmen. Ihr Flugbild hat große Ähnlichkeit mit dem eines Junghabichts. Wenn sie einmal unten ist, scheint sie auf die Nähe Schwierigkeiten zu haben eine Beute genau zu fixieren. Das gilt wohl für alle Eulen, die eher weitsichtig sind. Wenn die Beute herab fällt und erst neu gefunden werden muss, aber sich nicht bewegt, dann hat sie ihre Schwierigkeiten, dieses Ziel genau zu fixieren.



Hat sie es geschafft, nimmt sie Mäuse sofort mit, wenn sie auf ihre Warte zurückfliegt, wo sie diese Beute meist ungeteilt verschlingt. Oder aber, wenn sie keinen Hunger hat, dann kommt sie in das Depot. Da sie ja auch Vögel fängt, war es eine Idee ihr Eintagsküken anzubieten, aber die haben ihr offensichtlich nicht gefallen. Sie will immer das Bessere, und das Bessere sind allemal Mäuse. Sehen wir das mit dem Blickwinkel der Forstleute, dann ist der Habichtskauz, wie alle Eulen, für den Menschen ein äußerst nützliches Tier. So gesehen, bleibt es ein Irrtum oder Rätsel menschlichen Verhaltens, warum er Eulen überhaupt verfolgt und viele von denen beinnahe ausgerottet hatte. Ihr  beinahe grenzenloses Vertrauen gegenüber den Menschen wäre auch dem Habichtskauz  beinahe zum Verhängnis geworden.


Da nur das Weibchen brütet, wie bei allen Eulen-Arten, muss der Terzel sie in dieser Zeit mit Beute versorgen. Um sie zu überzeugen, dass er das kann, beweist er das in der Balz schon vor der Brut mit Geschenkmäusen. Vom Nahrungsangebot hängt es auch ab, wie viele Eier sie im Abstand von 2-3 Tagen legen wird. Es können 2, 3 oder auch 6 werden, meist sind es 3-4. Die sind rundlich, hühnereiergroß, wiegen um die 50 Gramm und werden vom ersten Ei an bebrütet. Ein jedes 28 Tage lang, so dass zwischen dem Schlüpfen des ersten und letzten Jungen fast 3 Wochen Abstand sein können. Schon einen Tag vor dem Schlüpfen melden sich die Jungen lautstark aus dem Ei. Bis zum 10. Lebenstag werden sie von der Mutter gehudert. Sie füttert die Jungen zunächst mit zerrissenen Beutestücken, die erst ganz winzig sind und später größer sein dürfen. Erst die Ästlinge verschlingen ganze Mäuse. Ihr Dunenkleid ist weiß, und es folgt ihm ein graubraunes Zwischenkleid mit dichter weißer Querbänderung. Mit 3 Wochen zeigen sie ein ausgeprägtes Kletterverhalten, bei dem sie nicht nur die Krallen, sondern auch den Schnabel und flatternd am Boden auch die Flügel mit einsetzen. Mit 31-36 Tagen fliegen sie schon ungeschickt von Ast zu Ast und mit 90 Tagen beherrschen sie einen schwebenden Ruderflug, der täglich besser und kraftvoller wird.


Da Habichtskäuze so sehr wehrhaft sind, können sie es sich leisten wenige Junge aufzuziehen, denn sie werden auch über 20 Jahre alt. Das durch Beringen nachgewiesene Höchstalter lag bei 22 Jahren. Wo auch immer Junge als Ästlinge herumsitzen, hockt meist ein Altvogel gut gedeckt in der Nähe und verteidigt seine Jungen unter hohem Einsatz. Besonders typisch für diese Art sind die rigorosen Angriffe gegen vermeintliche Feinde. Der Vogel stürzt sich sofort und ohne Vorwarnung auf den Störer, greift ihn sofort an und hinterlässt mit den Krallen an Kopf und Schultern tiefe Wunden.


 

Er verkrallt sich zuweilen und lässt nicht mehr los. Auch Rehe und andere harmlose Wildtiere werden angegriffen. Nach wiederholten Attacken sind die Angreifer dann ganz erschöpft und hocken hechelnd auf dem Boden. Sie wissen wohl sich und ihre Brut auch gegen den Menschen zu verteidigen, nur an die Gefahr durch Menschen und deren Umweltverhalten und  seine Waffen konnten sich diese Eulen nicht anpassen. So wären sie durch Ausrottung fast ausgestorben.
Mit 100 Tagen sind die Jungen schon absolut selbständig und zeigen gegeneinander und sogar gegenüber den Eltern sehr bald schon ein aggressives Abwehrverhalten. Nach finnischen Beringungen verstreichen sie. Ihr eigenes Revier suchen sie mindestens 50 bis 100 km weit entfernt. Haben sie sich erst einmal irgendwo angesiedelt, bleiben sie sehr standorttreu. Doch sind bei ihren Wanderungen auch schon Habichtskäuze aus Sibirien bis in die Lüneburger Heide, in den Harz, ja bis ins Rheinland geflogen, und in der Steiermark oder Kärnten, ja bis nach Bayern im Fünfseenland sind vereinzelt Vögel aus dem Osten erschienen.


Auf den Kahlschlägen profitiert er vom größeren Mäuseangebot und wir können die Frage stellen, ob er damit wirklich ein Kulturfolger sei. Durch den Eisenbahn- und Straßenverkehr aber und im Wald durch die heute so häufigen Forstzäune, gibt es ein hohes Risiko für die Habichtskäuze in unserer Kulturlandschaft, da sie jagend oft dicht über dem Boden fliegen und durch ihre rasanten Attacken, besonders aber in dunkler Nacht die Gefahren, und besonders die Zäune nicht sehen können. Die Kahlschlagwirtschaft kommt zwar ihren Wünschen entgegen, aber die Erhöhung der Stammzahl pro ha in unseren Wäldern, und wenn man alles Totholz herauspflegt, dann schätzt sie das absolut nicht. Sollte jemand in seinem Revier Habichtskäuze entdecken, kann er sich über eine große Kostbarkeit freuen.


 


Nur der Forstmann aber kann beurteilen ob er als Biotophege für Mäuse günstige Bedingungen schafft und abgebrochen Baumruinen stehen lässt. Man kann auch aus Stammstücken rotfauler Bäume riesige Nistkästen schaffen, wie sie sich auch bei der Hege von Gänsesägern und Schellenten bewährt haben. In Skandinavien sind solche Bruthilfen fast die Regel. Vielleicht gelingt es auch in Süd- und Mitteleuropa, diese schönen Eulen wieder heimisch zu machen. Überlebt hat sie nur in einsamen und großen zusammenhängenden Mittel- und Hochgebirgswäldern. Vor allem aber ist im Wald der Forstmann gefordert, die Alt- und Starkholzbestände zu verschonen und zu sichern. Es droht aber Gefahr dort, wo man dieses Altholz, vor allem in Buchenwäldern herunter klopft, um Geld aus dem Wald zu erwirtschaften. Der Trend zur Profit orientierten Wirtschaftsweise, vor allem neuerdings im Staatsforst, ist für diese Eule tödlich. Will man im Wald Kosten sparen, dann muss man ihn von der Notwendigkeit befreien, wirtschaftlich sein zu müssen. Wenn man ihn aus der Nutzung nimmt, ist das Rentabilitäts-Ziel am Billigsten zu erreichen. Davon profitiert der Habichtskauz ebenso wie Schwarzspecht, Raufußkauz, Waldkauz, Sperlingskauz, Hohltaube, Haselhuhn und auch der Auerhahn.