Eulen: Der Sperlingskauz, ein winziger Wicht, Zwergkäuze im Hochwildrevier
von Wolfgang Alexander Bajohr

Dort, wo in den Höhenlagen der Bergwald nicht zu dicht steht und die Stämme durch den geringen Zuwachs auch im Alter nicht besonders stark werden, sieht man ihnen ihr würdiges Alter an dem dichten Behang mit Bartflechten an. Ob die tief herabhängenden Äste der Tannen und Fichten nun mit den langen Zotteln der Bartflechte oder der krustigen Flechten-Arten überzogen sind, es gibt dem Wald ein uriges Bild. Auf dem Boden schwellen dicke grüne Moospolster und an schattigen Stellen liegt noch der Schnee. Der schmale Steig windet sich dazwischen hin, und es ist atemlos still im Dämmerlicht des zeitigen Morgens. Wir tasten uns durch diesen märchenhaften Wald bergan in Richtung der Almen. Wie feuchte lange Finger streifen zuweilen die vom Vorfrühlingsfrühdunst nassen Flechtenbärte über den Nacken, dass einem gruselt, weil man meint die Finger der Waldgeister zu spüren. Manche der Bäume stehen im Nebel wie Schatten von Gnomen und richtig gruselig wird es erst als jemand in den Bäumen zu rufen beginnt: ,,Kiu,  kiu, kiu, kitschik" pfeift es. Dann pfeift es mit der Tonleiter ansteigend

 
 Sperlingskauz
 schielt


,,Dudü,dudüdüdüdüdü”. Wir stehen und lauschen dem seltsamen Pfeifen. Nach einer Weile findet er wieder zur ersten Melodie zurück „kiuh, kiuh, kiuh, kitschik”. Und dann geht es, als hätte der einsame Rufer die Lust verloren, an einen Gimpelpfiff erinnernd, aber viel lauter „Djühb", Pause, ,,Djühb", Pause, ,,Djühb", Pause, ,,Djühb”, Pause, usw. Monoton  und endlos sich wiederholend, aber immer mit der Pause dazwischen. Ich kenne die Rufe und kenne auch den kleinen Wicht, von dem sie stammen. Er haust gerne im unberührten Schutzwald, den nie des Holzfällers Axt berührt, so dass die sterbenden Bäume irgendwann dahin sinken um in ihrer Lücke der Moderverjüngung Platz zu machen. Es ist ein kleiner Vogel im braunen Kleid, den nur selten eines Menschen Auge erblickt, obwohl der Vogel nicht scheu, ja sogar sehr vertraut ist. Die Rufe und Stimmen sind außerordentlich variabel, und nur der Kundige vermag sie zu deuten und zu erkennen wer da ruft.
Der Zwerg, der so ruft, ist eine Eule, eine winzig kleine Eule, kaum größer als ein Haussperling. Im stillen Hochgebirgswald ist er ein von allen Vögeln sehr gefürchteter Despot, ein Herrscher im Bergwald, der trotz seiner Winzigkeit keine Händel scheut und selbst Vögel schlägt, die weit größer sind als er selbst und wehrhaft dazu. Keine Maus, kein Goldhähnchen, keine Alpen- und Haubenmeise, keine Ringamsel oder Singdrossel und kein Specht ist vor ihm sicher. Rufen hört man ihn oft, aber selbst der Berufsjäger sieht ihn fast nie. Schemenhaft, und mit seinen weichen Schwingen geräuschlos, schwirrt er durch die Luft zwischen den Bäumen. Er rüttelt zuweilen schwirrend wie ein Kolibri auf der Stelle und schießt im Zickzack auch durch dichteres Zweiggewirr. Fast immer aber legt er nur kurze Strecken zurück, oft nur von einem Baum zum Nächsten. Und da sitzt er dann auf einem Ast und schmiegt sich so an den Stamm, dass ihn auch die nahebei herumhuschenden Kleinvögel nicht wahrnehmen, denn wenn sie es tun, ist es mit seiner Ruhe vorbei. Als Tarnung  hilft ihm das unscheinbare an die düstere Umgebung angepasste Federkleid,  das von hellen Flecken in den Randzonen aufgelöst wird. Er jagt meist  aber nicht im finsteren Tann, sondern dort verbirgt er sich nur. Sein Jagdrevier liegt oberhalb am Rande der Alm oder unterhalb, wo Misch-  und Laubwald mehr Beutetieren Lebensraum geben.



Beim ersten Mal habe ich ihn an der Alm entdeckt. Wie sind dort im zeitigen Frühjahr zur Schnepfenzeit auf einen Hochsitz geklettert, weil dort gerne ein starkes Gamsrudel steht. Drei Stunden lang haben wir auch den vielen Geißen mit Kitzen zugeschaut. Besonders beeindruckend waren zwei  sehr alte Geißen mit 13 Jahren und je zwei starken Kitzen. So waren wir lange abgelenkt, und die Anwesenheit des winzigen Sperlingskauzes, zärtlich „Spauz” genannt, haben wir lange ganz übersehen. Entdeckt haben ihn schließlich die Goldhähnchen, Tannen- und Haubenmeisen ihren Erzfeind, den Sperlingskauz. Obwohl es auch bei Tage für sie gefährlich ist, haben sie ihn zeternd beschimpft. Denn er packt sie ja auch bei Sonnenlicht, seine Beute.


Nur einen Meter sitzt er vor mir in Augenhöhe auf einem Ast und eng an den Stamm geschmiegt. Obwohl wir drei Stunden da sind, getuschelt und uns bewegt haben, hat ihn das nicht gestört. Solange sitzt er schon vor uns. Nicht größer als ein starker Hausspatz ist die kleine Eule. Nach Messung der Ornithologen sind sie 16-17 cm lang, wovon 1/3 auf den Schwanz entfällt. Das Weibchen ist eine Kleinigkeit voluminöser. Der Kopf ist  in der Proportion etwas kleiner als bei den anderen Eulen, und das Gefieder wirkt straffer, nicht so flaumig. Es ist auf der Oberseite mäusegrau  und weiß gefleckt, auf der Unterseite weiß und mit braunen Flecken längs getuscht. Der Scharf gebogene Schnabel ist horngelb, und die Augeniris mit der kohlschwarzen Pupille in der Mitte, hell und brillant leuchtend bernsteingelb.

Da sie mehr als bei anderen Eulen zur Mitte hin stehen, und das Gesicht auch keinen Federschleier hat, wirkt es, als ob der Sperlingskauz über den Schnabel hinweg zur Mitte hin schielt wenn er mich ansieht. Aber er kann ja nicht schielen, denn die Augen sind genauso starr wie bei den übrigen Eulenarten. So blickt er mich mit messerscharfem Blick an, als wolle er mich durchbohren. Doch die Kleinvögel lassen ihm absolut keine Ruhe, so bleibt mir nicht mehr allzu viel Zeit mich an dem seltenen Anblick zu erfreuen. Dabei ist er uns gegenüber geradezu sagenhaft vertraut. Weil er sich so gar nicht fürchtet, fotografiere ich ihn auf nur 1 m Entfernung. Schließlich aber entflieht er aber doch um die lästigen Kleinvögel loszuwerden. Sein Flugbild, mit dem er nach unten wegschwirrt, ähnelt mit dem gespreiztem Schwanz und den kurzen dreieckigen Flügeln sehr dem eines Staren, aber er ist deutlich kleiner als ein Star. Viel  zu schnell ist das großartige Erlebnis zu Ende gegangen, ein Erlebnis, wie es nur der Bergjäger bei der Hochgebirgsjagd haben kann, man muss  die kleine Eule nur entdecken.


Zu hören ist er gar nicht einmal so selten in den Bergen der Steiermark, in den Bayerischen Alpen und im Bayerischen Wald, wenn man die sehr variablen Rufe zu deuten weiß. Weit häufiger ist er in der russischen Taiga und in den weiten skandinavischen Wäldern. Kummer hatten mit ihm nur die Vogelfreunde im Schwarzwald und im Pfälzer Wald, denn dort ist er im Gefolge der Kahlschlagwirtschaft und durch Forststraßenbau, der dem Waldkauz Waldlagen geöffnet hat, die er normal nicht besiedelt  hätte, ihm zum Opfer gefallen.


 


Bei den Eulen aber gilt das Gesetz Groß frisst Klein, und da ist der Waldkauz ein ganz brutaler Gegner für den Spauz. Den relativ seltenen Baummarder kann er wohl eher verkraften, weil der in seine Höhlen nicht hineinkriechen kann. Ist die Höhle aber zu flach, langt er mit der Brante hinein und holt die Jungen des Spauz heraus. Ist die Höhle aber tief, hat er das Nachsehen. Seit der Eiszeit haben Marder und Spauz im gleichen Lebensraum miteinander gelebt und überlebt. Man muss den seltenen Baummarder nicht vernichten um dem Spauz zu helfen. Der bevorzugt als Wohnung die Höhlen von Dreizehenspechten und vom Großen  Buntspecht. Ist sie verlassen, hat er es einfach. Sind aber Höhlen knapp, wie beim Holzackerbau, muss er eine Höhle finden und dann das Weibchen durch Rufe anlocken. So beobachtet er den Specht aufmerksam bei der Arbeit und merkt sich die Baustelle vor, wenn der Buntspecht Span für Span vor die Haustüre wirft. Wenn sich die Kauzin als werdende Mutter fühlt, muß der Spauz handeln. Dann sitzt er eines Tages nahe der ausgekundschafteten Höhle und weil niemand daheim zu sein scheint, streicht er schemenhaft schwirrend herbei und schlüpft ins Finstere. Aber damit weiß er als Eule ja umzugehen. Die Wohnung gefällt ihm. Ein wenig kahl ist sie noch, aber um die Polsterung wird er sich kümmern. Doch als er den Kopf aus dem Loch hinaus steckt, sitzt da der Herr der  Wohnung und  schaut ihn mit schief gestelltem Kopf an. Buntspechte sind meist recht aggressiv zu Vögeln der eigenen Art und auch gegenüber anderen Vögeln. So hackt er gleich auf den Eindringling los, dass eine Federwolke zum Waldboden hinabwirbelt. Aber auch der winzige Sperlingskauz ist einer der rabiatesten Räuber, die es im Tierreich gibt.


Er packt den Specht mit den Fängen gleich im Nacken und beißt, nunmehr unbehelligt vom Axtschnabel des Spechtes, mit seinem Hakenschnabel zu. Erschreckt und vom Schmerz gepeinigt, fliegt der Specht mit seinem tobenden Reiter auf dem Rücken ein Stück durch den Wald und prallt in seiner Panik überall gegen Bäume und Äste. Der Spauz, der nicht lockerlässt, reißt dem Specht mit dem scharfen Hakenschnabel tiefe blutende Wunden wohin er auch beißt und reißt. Im Todeskampf versucht der Specht noch einmal zu entkommen, aber dann breitet er Schwanz und Schwingen aus und haucht sein Leben unter dem kleinen Beutegreifer aus.


Damit hat der kleine verwegene Sperlingskauz ganz brutal neben der Beute auch die Höhle erobert. Die Beute wird ihm mehrere Tage reichen, ihm und auch dem Weibchen. Es ist nicht alltäglich, dass er eine so wehrhafte Beute schlägt, aber wenn das Mäuseangebot knapp ist, wie im Winter, muss er Vögel greifen, und viele davon sind gleich groß wie er oder größer. Wegtragen kann er eine so große Beute nicht, aber er kann immer wieder zum Riss an diesen Platz  zurückkehren.
So fliegt er auch jetzt nach dem Kröpfen in einen nahen Baum, putzt das beim Kampf in Unordnung geratene Gefieder, ruft einmal kurz, schüttelt sich und schließt ein Auge. Mit dem zweiten bleibt er wachsam und nimmt auch beim Dösen die Umgebung noch wahr. Nie lässt die Wachsamkeit des Sperlingskauzes nach. Dann klappt er beide Augen zu und zieht ein Gesicht als wolle er Grimassen schneiden, doch er würgt einen Gewölleballen heraus. Grau und schleimig plumpst der vom Baum auf den Erdboden und eine Sammlung dieser Ballen verrät dem Kundigen seinen Lieblingsschlafplatz.


Auf einmal wird er munter, denn von irgendwo war ein Pfiff zu hören. ,,Hi, Ho, Hi, Ho". Er dreht den runden Kopf und sträubt das Gefieder, dass es fast scheint, als habe er Ohrbüschel. Er knappt knackend mit dem Schnabel und wippt mit dem Schwänzchen wie ein Zaunkönig und antwortet: „Djühb,  Djühb". Ebenso geheimnisvoll wie er dahinhuscht, ist auf dem Zweig nebenan auf dem Baum der Ehepartner gelandet. Sie fliegen einander entgegen. Sie begrüßen sich mit vielerlei schaukelnden und wippenden Bewegungen und Verbeugungen. Man ruft sich zärtlich ,,Tiwüt, Tiwüt, wie der Wirbelwind davon, erst einmal von der Beute, interessiert sich aber wohl mehr für deren Federn und rupft ein dickes Büschel.


 


Aber sie wirft die Federn beim putzen nicht fort, wie es sonst ihre Art beim Rupfen ist, sondern sammelt sie zum Strauß. Auch er rupft einige, und dann fliegen beide mit ihrem Federstrauß zur Spechthöhle, schlüpfen hinein und kommen ohne Federn wieder heraus. Kein Zweifel, sie bauen darin ein Nest aus Federn. Derlei setzen sie auch in den nächsten Tagen fort, immer wenn sie von einer Beute Federn rupfen können. Aber sie tragen auch Moos und trockene Buchenblätter ein.

So entsteht in der vorher kahlen Spechthöhle eine weiche geordnete. Dadurch unterscheiden sie sich von den kahlen Nestern der anderen Eulenarten. Dazwischen aber sieht man beide immer wieder nebeneinander auf einem Ast sitzen und voreinander jene possenhaften Bücklinge ausführen, die ich schon beschrieben habe , und mit dem Schwänzchen wippen, bald nach Rotschwanzart, bald schlagen sie die Schwänze hin und her, wie es sonst immer die Würger tun. Wenn sie sich so voreinander verbeugen und ihr ganzes Gehabe zeigen, dann gleicht das eher einer Papageienposse als der Balz einer kleinen Eule. Sie trippeln und rasen dabei auf einem dicken Ast in possierlicher Weise und ganz ohne erkennbaren Grund hin und her.



Dann schwingen sie sich hinauf auf einen höheren vom Blitz getroffenen dürren Ast. Dort richten sie sich voreinander hoch auf, und dann braust er plötzlich davon in schaukelndem Tiefflug wie eine Weihe. So streicht er dicht über dem Waldboden dahin, stößt herab und packt wohl eine der arglosen Mäuse. Mit der in den Fängen und dem Triumphgeschrei „Dahitt, Dahitt, hit, hit,  hit", streicht er wieder zurück zu seiner Partnerin. Dort tötet er die geschockte Maus mit dem Schnäbelchen, mantelt einen Augenblick mit den Schwingen, als wolle er die

Maus behalten und vor dem Partner schützen. Aber er wertet sie wohl damit nur auf, denn jetzt reicht er die Maus der Spauzin artig mit dem Schnabel als Brautgeschenk. Sie weiß jetzt, dass er sie wohl während der Brut keine Not leiden wird und dass auch die Ernährung der Jungen gesichert sein wird. Sie nimmt die Maus mit artigem Knicks an und streicht davon, geradeswegs zur Spechthöhle. Sie wird ja bald die meiste Zeit darin verbringen müssen. Denn nur das Weibchen bebrütet die 5-6, manchmal auch bis zu 8 rundlichen weißen Eier. Während dieser Zeit jagt nur das Männchen und übergibt die Beute in der Nähe der Höhle dem Weibchen, wie wir es beobachtet haben. Auch die Jungen füttert das Weibchen alleine. Das Männchen trägt während dieser Zeit die Beute zu und übergibt sie dem Weibchen vor der Höhle. Sie hat nach der Balz im März/April bis Ende April mit dem Legen begonnen, und mit dem Brüten beginnt sie schon bevor das Gelege komplett ist, wie viele andere Eulen auch. Fast einen Monat dauert es, bis das erste Ei schlüpft. Während sie schon die ersten Jungen hudert, brütet sie noch. Allmählich nimmt die Zahl der Jungen immer mehr zu. Damit steigt auch die Nachfrage nach mehr Nahrung, die ja das Männchen alleine erjagen muss. Je mehr Junge es werden, desto mehr muss der Terzel leisten. Einen ganzen Monat bleiben die Jungen in der Höhle, und wenn sie diese verlassen, werden sie noch als Ästlinge weitergefüttert. Es sind winzige plüschige Kobolde, haben sie doch auch winzige Eltern, die wie Wichtelmännchen im Tann leben. Wahrscheinlich ist der Sperlingskauz in den Alpen und im Bayerischen Wald häufiger als es den Anschein hat. Seine heimliche Lebensweise lässt ihn als selten erscheinen. Auf die einfachste Weise ist er nach seinen Rufen vom Kundigen zu finden, besonders im zeitigen Frühling, wenn auch die Schnepfe zieht und streicht. Seine vielfältigen Rufmodulationen lassen sich auch nachahmen, und es heißt, dass man ihn auf diese Weise gut anlocken kann, weil er auf eindringende Konkurrenz in seinem Revier sehr eifersüchtig reagiert. Eine solche Nachahmung versetzt aber auch die Kleinvögel in blinden Zorn, aber nur dort, wo sie den Spauz kennen. Bleiben sie uninteressiert, gibt es ihn dort nicht. Auf diese Weise haben Ornithologen die Situation im Schwarzwald geklärt und dann in den Sechziger Jahren mit der Wiedereinbürgerung begonnen, die sehr gut geglückt ist. Man hatte ihn in Gefangenschaft nachgezüchtet. Dass er auch ein Vogel des 5-seenlandes ist, wissen wenige. Im Seeholz hinter dem Ammersee und in den großen Wäldern rund um den Eibenwald bei Wessobrunn, am Peißenberg, ja selbst im Forstenrieder Park ist er anzutreffen.

In den Bergen begegnet ihm am ehesten der Hochwildjäger, und für den ist er ein ganz besonderes Erlebnis mit höherem Stellenwert als Hirsch oder ein Gams. Treffen kann man ihn am einfachsten am zeitigen noch nächtlichen Morgen. Da er aber auch tagaktiv ist und tagsüber jagt, ist eine Begegnung im hellen Sonnenlicht selten, aber nichts Ungewöhnliches. Im Winter bleibt der Sperlingskauz im Bergwald und sorgt für die ganz kalten Tage vor, denn er legt Vorratslager mit Mäusen an. Weil er aber auch Vögel fängt, weiß er sich immer zu helfen. Notfalls wandert er in die Täler hinab und stellt sich gerne im Wintergatter oder an Fütterungen ein, wo es Mäuse gibt. Da versteckt er sich auch gerne im Gebälk.
Auch hier muss man ein Auge für ihn haben. In seinem typischen Lebensraum, in den Naturwaldreservaten und in Schutzwäldern ist er von Eingriffen unbehelligt und darum wahrscheinlich noch häufiger als es den Anschein hat. Je natürlicher der Wald ist, desto besser geht es ihm dort. Aber wie auch die Mäuse und die anderen Mäusefresser ist er auf Waldlücken angewiesen, wie sie durch Borkenkäfer, Schneebruch und Windwurf entstehen, und die dann die großen Pflanzenfresser vor dem Zuwachsen mit Bäumen schützen. Als Waldlückenbewohner sind auf diese Weise alle Tiere des Waldes miteinander ökologisch verbunden. So profitiert der Sperlingskauz vom Verbiss der Rehe, Gams und Hirsche im Wald, auch dann, wenn es der Forstmann nicht gerne sieht. Ob der Sperlingskauz noch da ist, oder ob er wieder da ist, oder ob ihn schon der Waldkauz aufgefressen hat, bleibt den meisten Menschen ohnehin verborgen, weil sie ihn nicht zu finden wissen. Eine Begegnung mit ihm gehört  jedenfalls zu den zauberhaftesten Erlebnissen in der Natur.