Gartenteich: Froschkonzert am Gartenteich
Molche und Frösche stellen sich von selbst ein, wenn alles gelungen ist

von Wolfgang Alexander Bajohr

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 Kreuzkröte

Froschkonzert
Wer erinnert sich noch an die Kindertage, als wir die Laubfrösche schuhkartonweise aus der Brombeerhecke gesammelt haben. Wer weiß noch, dass am Abend ein Klingen über der Landschaft lag, es läutete wie ferne Glocken aus der Tiefe der Gewässer. Aber es war doch nichts anderes als der abendliche Gesang hunderttausender, ja Millionen von Kröten und Fröschen. Wer hätte sich nicht zuweilen am liebsten die Ohren verstopft, wenn draußen das Geplärre der Laubfrösche anging und wer erinnert sich noch an

den Anblick der Grünfrösche, die ihr Gequake auch noch mit einer Schallblase verstärkten, die wie ein Tischtennisball ausschaut. Wo sind jene lauen Frühlingsabende, an denen in den vielen Wiesenweihern, Gräben und Tümpeln in der ganzen Umgebung die vereinigte Amphibienschar ihren Balzgesang anstimmt. Die Gräben gibt es noch, aber die sind oft trocken. Die Tümpel hat man zugefüllt mit Bauschutt. Leider sind damit so unendlich viele der Lurche so selten geworden, dass auch der Storch abgewandert ist, da er von ihnen einst gelebt hatte.

Wer diese Jugenderinnerung noch hat, der wird auch schnell bereit sein und seinen eigenen Gartenteich schaffen. Ein kleines Stück heile Welt, wenigstens noch im Garten. Und das Erstaunliche ist: man muss gar keine Kaulquappen hineinsammeln. Es ist auch nicht erlaubt. Die Molche und die Frösche kommen von selbst, und eines Tages haben wir das schönste Froschkonzert vor dem Schlafzimmerfenster.

Das Jahr über führen die meisten dieser Luche ein relativ unauffälliges Leben. Viele sind nur nachts aktiv und verbringen die hellen Stunden im Versteck. Das hat praktische Gründe, einmal weil ihre ungeschützte feuchte Haut nicht austrocknen soll, und auch weil sie vielen Tieren als Nahrung dienen, denen sie in der Nacht besser entkommen. Nur einige Arten sind durch ihre Tarnung gut geschützt. Manche nutzen als wechselwarme Tiere aber auch die wärmenden Strahlen der Sonne, wie die Grünfrösche am Ufer, die aber hellwach mit großem Sprung ins Wasser plumpsen, wenn auch nur der Boden zittert. Den Laubfrosch aber schützt seine Tarnung. Doch es ist der Lauf der Natur, wenn von den Kaulquappen die Gelbrandkäfer und Libellenlarven ihren Anteil holen.

Erdkröten machen sich nützlich
Zu den häufigsten Arten gehört die Erdkröte. Blicken wir in ihre goldenen Augen, dann wird uns bewusst, wie diese Tiere den Märchenerzähler angeregt haben. Unter einer Steinplatte im Garten oder in einem anderen Versteck verbringt sie die Nacht. Wenn ich abends auf der Terrasse einen Sommerabend verbringe, dann kommt sie vorbeigekrabbelt und liest von den angewärmten Steinplatten allerlei Getier auf und sie zehntet im Blumenbeet auch die lästigen Nackt-schnecken. Ihr Balzruf läutet leise in der Nacht. Im Frühjahr ziehen die

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Erdkröten-Porträt

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Erkröten-Hochzeit

Erdkröten in Wald und Feld in Richtung ihrer Geburtsgewässer, und Tausende werden totgefahren, wenn sie die Straßen überqueren. Die Kröte im Garten hat diese Wanderung nicht nötig, denn sie hat ja den Gartenteich. Gegen mögliche Fressfeinde wehrt sie sich mit einer giftigen Flüssigkeit, die schon manchen neugierig nach ihr schnappenden verspielten Hund ein für allemal belehrte, dass Kröten nicht fressbar und auch kein Spielzeug sind. Sie ist auch die einzige Amphibie, die einen Fischbesatz im Gartenteich übersteht, weil ihre Kaulquappen offenbar so unschmackhaft sind wie das erwachsene Tier für den Hund. Erdkröten sind noch relativ häufig anzutreffen. Nachts beginnen sie ihre Laichwanderung sobald der Schnee im Frühling gewichen ist. Im Wasser trägt sie ihn huckepack, und er umklammert sie während er den Laich befruchtet, den sie in Schnüren um Wasserpflanzen wickelt.

Wechselkröten wirken als wären sie aus Porzellan 
Sie sehen alle aus wie von Künstlerhand gemacht. Ihre Grundfarbe ist helles Porzellanweiß, auf das wie mit spitzem Pinsel die Dekoration aufgetuscht wurde. Der Rücken zeigt eine zart rosa bräunliche Musterung mit kräftiger grüner Zeichnung, die von dunkel gesäumten Flächen unterbrochen ist. Gelegentlich hat sie einen gelblichen Rückenstreif, der mit rosaroten Warzen dekoriert ist. 

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Wechselkröten, Männchen oben

Anders als andere Amphibien sind sie trocken, ja wie poliert und gepflegt. Waagerecht steht die Pupille in goldgrünen Augen, mit denen sie nachts offenbar besser als tagsüber sehen. Als Spätlaicher suchen sie vor allem flache Gewässer mit Kiesuntergrund auf also Pfützen, die leicht austrocknen. Ihre Hochzeit liegt im Juni. Dann klingt der Balzruf wie das Trillern von Maulwurfsgrillen. Das beginnt erst leise und steigert sich dann zu kollektivem Gesang. Ihre Eier legt sie in Zweier- und Viererreihen um die Wasserpflanzen in 15-30 cm Tiefe. Das können 200 bis 15.000 aber auch 6.000 bis 10.0000 Eier sein. Bis zur Geschlechtsreife brauchen die nach 2-3 Monate ausschwärmenden Hüpferlinge dann 2-4 Jahre.

Grasfrösche sind früh aktiv
Wenn rundum noch Schnee liegt und der Nachtfrost eine Eishaut auf den Gartenteich zaubert, setzt in den allerersten Frühlingsnächten ihre Wanderung ein. Sie krabbeln selbst über den Schnee und steigen in das Wasser, wenn es erst  auf 1 bis 4 Grad erwärmt ist. Da sie auch mit Gräben und Pfützen vorlieb nehmen, kommen sie mit unserem Teich gut zurecht. Ihre Wanderung drängt sich auf 1-2 Wochen zusammen, so dass sie uns oft entgeht. Wo das flache

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 Grasfrosch

Wasser sich schnell in der Sonne erwärmt, umklammert das kleinere Männchen sein Weibchen in der Taille. Ihr Druck beschleunigt wohl das Ablaichen von rund 4000 Eiern, die rasch quellen und in dicken Klumpen aufsteigen. Oben hat jedes Ei einen dunklen nach unten einen hellen Pol, der die Solarwirkung zu verbessern scheint. 3 bis 4 Wochen dauert es, bis die Kaulquappen schlüpfen, und 2 bis 3 Monate später wird  das Schwänzchen schrumpfen und die Beine strecken sich. 3 Jahre werden sie brauchen, bis sie geschlechtsreif sind. Grasfrösche sind prächtige und stämmige Tiere, meist sind sie hellbraun bis ocker und unterseits hell, obenauf braun oder schwarz gemustert und gefleckt auf unterschiedlichste Weise. Hinter den Goldenen Augen tragen sie eine dunkle Maske. Mit ihren dicken und stämmigen muskulösen Hinterbeinen springen Grasfrösche einen Meter weit und fliehen schnell wenn es sein muss. Schneller als bei anderen Arten erholt sich der Bestand an Grasfröschen durch ein Laichgewässer wie den Gartenteich. Doch für ihn ist das noch so gut gemeinte Einsetzen von Goldfischen und anderen Fischen tödlich. Sie brauchen zum Überwintern wenigstens 50 cm Wassertiefe, denn sonst werden sie vom Eis eingeschlossen und ersticken.

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Springfrosch

Sehr ähnlich dem Grasfrosch ist der Springfrosch. Er ist nur spitzschnäuziger und langbeiniger, leichter und zierlicher und er springt auch viel weiter. Als ausgesprochner Waldfrosch kommt er nur in geeigneter Umgebung vor und er ist auch da seltener. In meinem Garten, der nahe dem Wald liegt ist er regelmäßiger Bewohner.

Wetterfrösche reklamieren ihren Lebensraum
Beliebtester Froschlurch ist der Laubfrosch. Er gilt als Zeigerart und Beweis für eine hohe Qualität des Lebensraumes. Schon Ende März beginnt er erst leise, dann vielstimmig sich steigernd und endlich im Chor selbstbewusst und laut fordernd „äp,äp,äp, äp, äpp, äpp, äpp” den Balzgesang, der zum Inferno anschwillt. Schlagartig ist Ruhe. Doch gleich beginnt der Vorsänger wieder, und dröhnend fällt der Männerchor ein. Sie singen ihr Liebessehnen aus den Büschen, aus dem Schilf oder Bambus in den stillen Garten hinaus. Meist beginnt einer Solo und alle fallen ein. Es ist auch nach der Balz ganz normal, wenn sie laue Sommernächte mit einem Höllenlärm erfüllen. Doch scheinen sie wasserscheu zu sein, denn nasses „Sauwetter” animiert sie weniger zum Froschkonzert als warme Nächte.  Weil sie auch tagaktiv sind, können Sie sich als wechselwarme Tiere in der Sonne wärmen. Ein Vorteil, denn die nur nachts quakende Verwandtschaft kann das nicht.

Doch stellen Laubfrösche einen hohen Anspruch an den Lebensraum im Gartenteich. Sie akzeptieren nur Wasser, das absolut frei ist von Düngerresten und Pestiziden. Wo sie leben ist auch der Teich ein gutes Gewässer für Molche und andere Froschlurche. So sind sie Weiser für  das ökologische Gleichgewicht eines Gartenteiches. Mit Saugnäpfen an den Fingern erklettern sie selbst Glasflächen. Bei der Hochzeit legt die Fröschin 1000 Eier, deren Entwicklungszeit ähnlich ist wie bei anderen Fröschen.

Teichfrosch + Seefrosch = Grünfrosch
Mit anderen Worten, es gibt den Grünen Wasserfrosch gar nicht, obwohl jeder ihn kennt, denn im Frühsommer sorgt er im Teich in oft großer Zahl für lautstarke Konzerte. Dabei stülpen sie ihre Schallblase weit aus und wenn sich die Männchen gegenseitig anbalzen ist es ein großartiges Schauspiel. Grünfrösche sind eine Kreuzung zwischen dem kleinen Teichfrosch und dem riesigen dicken Seefrosch. Da in den meisten Teichen nur der Bastard vorkommt, konnte ich artenreine Teichfrösche nur dort fotografieren, wo der

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Teichfrösche

Seefrosch von Haus aus nicht vorkommt, und umgekehrt war es ebenso. Der bis zu 17 cm lange und ein halbes Pfund schwere Seefrosch ist  unverkennbar und unübersehbar, doch ist ihr Anteil an den Fröschen hier bei uns gering. Es überwiegt die mittlere Größenklasse, also die Hybriden beider Arten. Der Seefrosch ist  farbloser und mit dunklen Flecken geringelt, seine Schallblase ist grau. Genaue Unterscheidung ist nur nach serologischen Untersuchungen möglich. Der Teichfrosch ist mit nur 4-5 cm deutlich kleiner und auffällig in der sehr grünen Färbung mit schwarzen , Flecken und evtl. Aalstrich auf dem Rücken. Insbesondere er ist es, der gerne die kleineren Gewässer besiedelt, an denen sich der dicke Seefrosch kaum halten lässt. Meist aber sind es die Mischlinge, die sich am Teich einfinden.

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Kreuzkröte

Etliche andere Arten, wie Knoblauchkröte, oder die besonders laut plärrende Kreuzkröte, brauchen andere Biotope und werden sich kaum am Gartenteich einfinden.

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Seefrosch

Die Gelbbauch-Unke
Die Tierchen sehen alle aus, als habe sie ein Bühnenbildner ersonnen für einen Gruselfilm. Wären sie riesengroß, könnten wir uns fürchten, aber die „Scheibenzüngler” werden nur 4-5 cm groß. Ihr urtümliches Aussehen, mit den weit vorstehenden Augen, erinnert daran, dass für sie die Urgeschichte noch nicht zu Ende ist. Ihre Oberseite ist voller Warzen und unscheinbar grau. Auffallend und nicht zu übersehen ist die Unterseite: leuchtend Signal-Orange bei der Bergunke und leuchtend rot bei der Tieflandunke.

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Knoblauchkröte

Unken tauchen relativ spät im Jahr auf, und selbst die Wissenschaft weiß nicht genau wohin sie sich verkriechen, um die Frostperiode zu verschlafen. Zur Laichzeit bevorzugen sie schlammige Pfützen. Unken genügen als Biotop oft Reifen-Fahrspuren im Schlamm. Da liegen sie nun tief im Wasser und nur die Augen schauen heraus. Unaufhörlich hören wir sie rufen. Erst einzeln, dann im Chor „ung, ung, ung” mit hellen Stimmchen. Liegen sie im Flachwasser ist ihre Tarnung perfekt. Im Flachland  erscheinen sie um den ersten Mai herum, vielleicht schon im April, im Hochgebirge ab Juli, wenn das Wasser sich erwärmt. Dann legen sie ihre rund 100 Eier in Klumpen ab, verweilen noch einige Zeit im Teich, um im Chor zu singen. Aber wenn das Wasser nicht warm wird, verschwinden sie. Doch selbst im Hochgebirge bis über 2000 m laichen sie regelmäßig in den Hirsch-Suhlen. Oft trocknet ihr Laichgewässer aus, aber auch dafür ist vorgesorgt, wenn ihre Kaulquappen sich auch oft nicht retten können. Unken legen ihre Eier mehrmals im Jahr, damit es wenigstens einmal klappt. Ihre Nahrung wie Wasserläufer und hineingefallene Krabbeltiere lesen sie von der Teichoberfläche ab.

Molche werden häufig übersehen
Sie stellen sich irgendwann von selber ein, und wenn wir den Teich eines Tages säubern, wundern wir uns über die vielen kleinen Molche oder ihre Larven in dem Algendickicht. Da kann man gar nicht sorgfältig genug arbeiten, damit diese kleinen Lebewesen in den Teich zurückkommen.

Kammmolche sind die anspruchsvollste Art und mit 18 cm Länge auch die größte- Sie steht auf der roten Liste, denn sie braucht große, krautige und gut erwärmte Gewässer. Der Kammmolch ist recht selten und auch selten im Gartenteich zu finden. 
Häufig ist der Teichmolch, der auf dem Rücken gleichfalls einen Kamm trägt, wenn auch nicht so auffällig wie der Kammmolch. Da sie weder laut quaken noch sich  tagsüber auf dem Land zeigen, sind sie oft unbekannt und außerhalb des Teiches nur nachts aktiv. Bei Dunkelheit steigen sie heraus, und wir können sie mit der Taschenlampe leicht im Flachwasser beobachten, solange es vom Tag her noch erwärmt ist. 
Etwas irreführend ist der Name der Art: Bergmolch, der als dritte heimische Art relativ häufig ist. In der Ebene und in den höher gelegenen Landesteilen ist er weit verbreitet. Er liebt Gewässer in Waldnähe und ist unter den drei Arten der Anpassungsfähigste. Seine Balz ist reizvoll zu beobachten, denn das Hochzeitskleid des Männchens ist bunt: oberseits grau, hellgrau bis hellblau mit oder ohne Zeichnungsmuster. In Rückenmitte zwischen den Augen beginnt eine 2 mm hohe gelb und schwarz gepunktete Rückenleiste, die sich am Schwanz als dunkle Fleckenreihe fortsetzt. Kopfseiten und Flanken sind silberweiß mit lackschwarzen Flecken. Darunter folgt ein himmelblauer Längsstreifen, der an den hellorangen bis leuchtend feuerroten Bauch angrenzt. Weibchen sehen wie eine andere Art aus mit rotem Bauch, verwaschenem Längsstreifen blau und schwarz gepunktet an der Seite und obenauf dunkelgrau bis grünlich oder bräunlich. Männchen sind 80 mm, Weibchen 110 mm lang. Gleich nach dem Auftauen der Gewässer entfalten sie für 2 Wochen ihre volle Aktivität.

Molche ernähren sich während ihres nächtlichen Landlebens von allerlei Insekten, Larven, Würmer und Asseln, im Wasser von Kleinkrebsen und Würmern, aber auch von Kaulquappen anderer Amphibien. Halten werden sich auch mit dem allerschönsten Gartenteich Molche nur dann, wenn unser Garten naturnahe ist, und wenn wir keine Spritzmittel einsetzen. Sie zu beobachten ist immer etwas für den Kenner. Im Herbst verlassen die ausgewachsenen Molche den Teich und verkriechen sich im naturnahen Garten unter Steinen oder Laub, das wir unter Büschen liegen lassen sollten.