Gartenteich: Ein Gartenteich ist voller Leben
von Wolfgang Alexander Bajohr

Die Listspinne Dolomedes fimbriatus
ist eine der  schönsten Spinnen der Heimat. Es sind ziemlich große Tiere, denn erwachsene Weibchen erreichen eine Körperlänge von 20 mm. Auch ihre Färbung ist auffallend. Wir finden sie an jedem Gewässer, und im Gartenteich wird sie sich von selber einstellen. Die Tiere sonnen sich gerne und meiden dichten Bewuchs. Bewegt sich das Wasser leise, läuft die Spinne ein Stück auf das Wasser hinaus, wobei nur der Bauch und die Fußspitzen das Wasser zu berühren scheinen. Denn genau genommen berühren sie es gar nicht, denn die Wassermoleküle werden nur eingedrückt von ihrem Gewicht, aber sie durchdringt die Oberflächenspannung nicht. Doch der Schatten einer Hand genügt, dann rutscht sie an einem Pflanzenstängel unter das Wasser. Das geht blitzschnell. Durch die an ihrem Körper anhaftende Luft glänzt sie dann wie Silber. Hat sich die Lage beruhigt, schnellt sie mit einer Luftblase nach oben, und die Spinne ist wieder da, putzmunter und trocken. 
An Erschütterungen der Wasseroberfläche lokalisieren sie ihre Beutetiere, ins Wasser gefallene Insekten und sogar kleine Fische vermögen sie zu fangen, also Junge von Moderlieschen und Bitterlingen, den einzigen Arten, die wir im Gartenteich halten können, denn alle anderen Arten gefährden die Amphibien und ihre Larven. Diese kleinen Fischarten sind aber zugleich die bevorzugten Beutetiere der Eisvögel. Wenn unser Teich nahe am Bach liegt, wo es Eisvögel gibt, können wir sie mit einem Stammbestand dieser kleinen Fische todsicher anlocken.

Eisvogel - Acedo atthis
Wenn unser Gartenteich in der Nähe natürlicher Bäche oder in der Nähe von Altwassern großer Flüsse liegt, ist der Besuch des Eisvogels vorprogrammiert. Er ist ja wirklich der Herrlichste von allen. Da die natürlichen Gewässer aber Phasen haben, in denen sie trübe sind, oder wenn Hochwasser gelb dahinschießt, wenn Eisschollen treiben oder Badebetrieb es verhindert, dann können wir todsicher damit rechnen, dass der Eisvogel bei uns vorbeischaut. Wenn wir einen guten Bestand der von ihm bevorzugten Fischarten Moderlieschen oder Bitterlinge im Teich haben, dann wird er  sich nicht zweimal bitten lassen. Noch mehr tun können wir, wenn wir eine Eisvogelwand bauen, eine senkrechte Lehmwand, in die eine Eisvogelhöhle der Firma Schwegler aus Fertigteilen eingepasst wird, dann können wir sogar mit ständiger Anwesenheit und Brut rechnen. Ich kenne einige Leute, die es geschafft haben den Eisvogel anzulocken und fest anzusiedeln. Sie freuen sich das ganze Jahr über an  seiner wundervollen Farbenpracht, denn er ist nicht scheu und setzt sich zuweilen wenige Meter vor uns auf einen Ast oder eine Baumwurzel.

Wasseramsel - Cinclus cinclus
Sie liebt das Leben in Gischt und Wellen, und wenn sie am Gartenteich erscheint, dann muss es zumindest einen künstlichen Bachlauf geben, oder aber der natürliche Bachlauf muss nahe sein. Doch sucht sie ihr Futter durchaus auch an den Gewässern nebenan. Dabei hat sie dem Eisvogel voraus, dass sie keine Fische mag, sondern nur Kerbtiere: Käfer und Köcherfliegenlarven, Libellenlarven, Eintagsfliegen, Wasserwanzen, kleine Mollusken, Kleinkrebsarten, Würmer und Kaulquappen, also lauter Dinge, die auch der Gartenteich parat hat. Um die Beute zu jagen springt sie kopfüber ins Wasser, rudert mit den Flügeln und läuft auf dem Grund.
Ihr Nest ist immer ein Kugelnest, wie das des Zaunkönigs, unter Wurzelwerk oder am Steilufer, aber bei uns hier brütet sie fast ausschließlich in Nistkästen, die der Vogelschutz aufhängt. Schon im April schlüpft nach 2 Wochen Brut die Kinderschar aus 4-6 weißen Eiern. Wenn sie füttert oder auf einen Stein sitzt, sich in das Wasser stürzt, wieder auftaucht und auf dem Felsbrocken knickst, den sie sofort angenommen hat, sich immer wieder in das Wasser stürzt und mit den Flügeln rudert, ist sie stets sehr vertraut gegenüber den Menschen. Sie macht das Erlebnis am Wasser deutlich reicher, da sie so wenig scheu ist und mehrfach im Jahr brütet, ihre Kinderschar spazieren führt, aber auch den Winter über bei uns bleibt.

Weiße Bachstelze -  Motacilla alba
„Kiek, der Wippsteert ist wieder da” sagen sie im Norden, aber auch im Süden freuen sich alle, wenn die Weiße Bachstelze zurückkehrt, denn sie ist der sicherste Frühlingsbote, der schon Anfang März zurückkehrt. Lustig zwitschernd sitzt sie auf dem Dach des Geräteschuppens, in dessen Gebälk sie auch ihr Nest baute. Allgemein liebt sie die Nähe der Menschen. Sie lebt längst nicht mehr am Bach, sondern auch in naturnahen Gärten, weit lieber aber dort, wo sie am Rande eines Gewässers ihre Beute jagen kann. Oder sie sitzt auf einem Stein mitten im Wasser, auf einem Stängel oder Ast und startet von hier aus geschickt zum Jagdflug nach fliegenden Insekten. Am Gartenteich geht es ihr gut, und da bringt sie es leicht auf zwei Bruten im Jahr. Bis zur Zugzeit im Oktober hält die Familie treu  zusammen, und einzelne bleiben auch hier, denn sie kann sich an offenen Gewässern immer Genießbares beschaffen.

Muscheln
Sammelt man sie nicht im Sommerurlaub am Strand? Doch nein, auch unser Bäche und Flüsse bergen Muscheln, sogar Perlmuscheln und die Seen und Teiche erst recht. Die Teichmuschel kann eine recht ansehnliche Größe erreichen, und sie bekommen wir auch am einfachsten. Einige große Muscheln ausgesetzt, und der Rest passiert von alleine, denn dass Enten an ihrem Gefieder Muschelbrut einschleppen, oder Fische an Kiemen, ist im Gartenteich etwas langwierig. Die männliche Muschel vertraut ihre Samen dem Wasser an und der  vom Weibchen hervorgerufene Wasserstrom erfasst ihn und führt ihn in die Geschlechtsöffnung im Inneren der Schale. Da nun jede einzelne Teichmuschel 400.000 Eier hervorbringt, ist mit Nachwuchs zu rechnen. Doch sind die Larven auf die Ammendienste der Fische angewiesen und auf sauberes reines Wasser. Für diese Ammendienste revanchieren sich die Fische, denn der Bitterling, eben jener kleine Fisch, der wieder dem Eisvogel so gut schmeckt, senkt seinerseits seine Legeröhre in die Schale der Muschel und legt die etwa 3 mm großen länglichen Eier in ihre Kiemen. Dort wachsen  sie gut geschützt heran, sind aber keine Schmarotzer, sondern leben von ihrem Dottersack. So greifen auch im kleinen Gartenteich die ökologischen Verknüpfungen harmonisch ineinander, und es beglückt ein Stück heile Welt zu schaffen.

Schnecke und Krebs
Sollen die Algen nicht überhand nehmen, braucht ein Gewässer Schnecken, die sie vertilgen. Dabei kann es sein, dass der Krebs mit der Schere nach ihnen greift und dass sie sich gar nicht schneckenhaft flugs in ihr hartes Haus zurückziehen, das auch die Schere nicht knacken kann. Beide, Schnecke und Krebs hat die Natur in eine starre Hülle gesteckt, aber dem Krebs wird es irgendwann darin eng, er sprengt sein Kleid ab, schlüpft heraus und wird eine Weile warten müssen, bis aus dem weichen Butterkrebs wieder ein gut geschützter im starren Krebspanzer wird. Derweilen muss er sich verstecken. Die verschiedenen Arten der Schnecken, Schlammschnecke, Posthornschnecke und Sumpfdeckelschnecke hingegen bauen ihr Häuschen immer vorne ein Stück an, so dass sie immer größer werden. Manche, wie die Schlammschnecke steigen zum Atemholen nachts an die Oberfläche, wobei durch den Unterschied des Luftdrucks ein Knall entstehen kann.

Schnecken
Wie die Schnecken eigentlich in den Gartenteich gekommen sind, bleibt immer ein Rätsel. Möglicherweise haben wir sie mit Pflanzenarten eingeschleppt. Gibt es in der Umgebung eigene Lebensräume, wandern die Schnecken zu. Mancher von uns glaubt das nicht, aber auch er hat Recht. Anhaftend  an Federn der Wasservögel oder unsichtbar im Plankton sind sie als Larven eingezogen. Fast alle diese Schnecken sind Zwischenwirte für irgendwelche Parasiten, die höherstehenden Arten das Leben schwer machen.

Ein großer Bluffer ist der Saugwurm Leucochloridium, der erst in den im Schilf lebenden Bernsteinschnecken, später in Singvögeln schmarotzt. In der Schnecke wächst er sich in einen unregelmäßigen Keimschlauch aus, der sich bis in einen Fühler erstreckt und mit pumpenden Bewegungen auf dem  Kopf der Schnecke sich pulsierend bewegt. Das drollige Ding auf dem Kopf wollen nun die Vögel fressen. Wenn sie das nun machen, haben sie mit einem Schlag 300-400 Saugwurmlarven im Magen. Umgekehrt findet die Schnecke den Vogelkot hinreißend und infiziert sich ihrerseits.
Die Posthornschnecke wiederum, fungiert auch als Zwischenwirt für den Leberegel bei Schafen und Rindern. Darum streut die Landwirtschaft Brandkalk auf die Wiesen um diese schönen Schnecken auszurotten. Im Gartenteich hat sie noch eine Heimstatt. Wir brauchen uns vor ihr nicht zu fürchten, denn wir werden in keiner Weise von den Parasiten tangiert.

Wasssertiger-Gelbrandkäfer - Ditiscus marginalis
Unter den Kaulquappen können die Wassertiger ganz schön aufräumen, aber das ist der Lauf der Natur. Nicht nur die Libellenlarven sind da am Werk. Es lauert auch die Larve des riesigen Gelbrandkäfers. Wie ein langgezogenes Fragezeichen hängt sie Kopf abwärts am Wasserspiegel. Das ist ihre Atemstellung, denn die Atemlöcher sind am Hinterleib. Das ist zugleich ihre Lauerstellung, denn sie hat immer Bereitschaftsdienst und geht sofort in Angriffsstellung über, aber sie lässt ihr Opfer nahe herankommen, krallt sich dann in das überfallene Tier und lähmt es mit ihrem Gift, das zugleich ein Verdauungssekret ist, mit dem sie das Fleisch auflöst und einsaugt. Gelbrandkäferlarven scheinen von einer  wahren Lust am Töten beseelt, denn sie sind auch Kannibalen untereinander. So gefräßig sie auch sind, können sie auch im Notfall wochenlang, bei niedriger Temperatur monatelang hungern. So ist ihre Entwicklungszeit verschieden. Finden können wir sie zwischen April und September. Gelbrandkäfer sind ein interessantes Studienobjekt, das in jedem Falle von selber kommt und brummend aus dem Himmel im Gartenteich landet um Eier zu legen.

Europäische Sumpfschildkröte  - Emys orbicularis
Die verschiedenen Arten der im Handel angebotenen Schildkröten ha
ben im Gartenteich nichts zu suchen. Es sind Exoten aus verschiedenen Ländern, die das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören und aus jedem Teich sofort entfernt werden müssen, weil sie der Tod allen Lebens sind.
Die Europäische Sumpfschildkröte hingegen darf nicht gehandelt werden, und wir dürfen sie auch nicht der Natur entnehmen. Dennoch kommt sie, besonders in den neuen Bundesländern noch da oder dort  in Auwaldtümpeln und  Waldweihern vor, und da sie recht aktiv ist, kann sie sich in günstigen Fällen von  selber ansiedeln. Frisch geschlüpft sind sie 2 cm groß und wachsen bis auf 20 cm heran.
Stehende Gewässer mit schlammigem Grund liebt sie, besonders, wenn sie Gelegenheit findet, sich auf einem schwimmenden Baumstamm zu sonnen. Bei Gefahr taucht sie schnell und nahezu geräuschlos blitzschnell im Wasser unter, wo sie lange abgetaucht verharrt. Sie lebt im wesentlichen von tierischer  Nahrung, kleinen Fischen, Fröschen, Würmern und Krebsen. Sie ist vor allem früh morgens oder gegen Abend aktiv.