Gartenteich: Grasfrösche sind früh aktiv, selbst im Schnee feiern sie Hochzeit
 von Wolfgang Alexander Bajohr

Grasfrosch
Tümpel
, Teiche und Weiher gab es früher überall, oft gleich nebenan. Es ist noch gar nicht so lange her, da galt es als ärgerlich, wenn die großen Landmaschinen im Sumpf wegsackten. So hat man kurzerhand all diese Kleingewässer mit Bauschutt, Aushub und Müll zugefüllt. Schon bald darauf wunderte man sich, wo der Storch geblieben ist. Den hätte man ganz gerne noch behalten. Aber ein 10 cm langer Grasfrosch ist für Störche ein so großer und dicker Happen, dass er einfach nicht darauf verzichten kann. So ist Adebar abgewandert.
Viele unserer Großeltern erinnern sich

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Grasfrosch

auch noch an die Zeit als sie die verschiedenen Froscharten in einen Schuhkarton gesammelt haben. Für eine seltene Kröte hat man dann gerne 10 Grasfrösche eingetauscht. Und Tränen hat es daheim gegeben, weil sie die ganze Beute wieder davon hüpfen lassen mussten. Gleich nebenan halt, denn Tümpel waren überall. Auch ich entsinne mich noch an den Frühlingschor der Grasfrösche. Sie schaffen nur ein tiefes bescheidenes Grunzen und Knurren. Wenn aber Millionen in den Gräben und Tümpeln rundum ihren Chor anstimmten, wurde das selbst bei Grasfröschen eine Frühlingsmusik. Denn erst im Chor wird ein Gesang daraus. Heute ist den Menschen aus der Stadt dieses Naturerlebnis unbekannt. Selbst die auf dem Lande hören es kaum noch.

Wenn die noch flach stehende Wintersonne schon die Kraft hat, das Eis zu tauen, aber das Wasser nur auf 1 bis 4 Grad erwärmt, wenn rundum noch Schnee liegt und der Nachtfrost eine Eishaut auf die Teiche zaubert, setzt in den ersten Frühlingsnächten die Froschwanderung ein. Sie drängt sich auf die kurzen Nächte von 2 Wochen zusammen, so dass die Wanderung schon vorbei ist, noch ehe alle Krötenzäune stehen. Ihnen genügt oft ein Graben und eine Pfütze. Gäbe es noch mehr der Kleingewässer, müsste der Grasfrosch nicht so viele gefährliche Fahrwege passieren. Wo Tümpelecken tagsüber von der Sonne erwärmt werden, konzentriert sich das Laichgeschehen. Männchen umklammern die viel größeren Weibchen in der Taille und ihr Druck beschleunigt wohl das Ablaichen von rund 4000 Eiern. Die quellen rasch auf zu dicken Klumpen und die steigen hoch. Oben hat jedes Ei einen dunklen und nach unten einen hellen Pol, der die Solarwirkung der Sonne zu verbessern scheint. Aber bis die Kaulquappen schlüpfen, dauert es doch 3-4 Wochen. 2-3 weitere Monaten später wird ihnen das Schwänzchen schrumpfen und die Beine strecken sich. Wo es noch reich gesegnete Laichgewässer gibt, verlassen sie das Wasser etwa in einer Größe von 1,5 cm und in so großer Zahl, dass man früher vom Froschregen gesprochen hat. 3 Jahre werden sie brauchen, bis sie geschlechtsreif sind.

Grasfrösche sind prächtige und stämmige Tiere. Meist sind sie hellbraun bis ocker und unterseits hell, obenauf braun oder schwarz gemustert und gefleckt auf unterschiedlichste Manier, ein jeder anders. Hinter den goldenen Augen tragen sie eine dunkle Maske. Mit ihren stämmigen muskulösen Hinterbeinen können sie rund 1 m weit springen, und sehr schnell fliehen, wenn es sein muss. Doch das kostet Kraft und Energie, die sie gerne sparen. Ihre Beute fangen sie darum lieber auf der Pirsch.

Gelegentlich überwintern Grasfrösche in frostsicheren Erdlöchern. Aber meist wandern sie Ende Oktober/Anfang November ein zweites Mal viele km, um ihre Winterquartiere aufzusuchen. Sie brauchen Gewässer mit wenigstens 50 cm Wassertiefe. Gartenteiche sind dafür oft zu flach. Dort werden die Grasfrösche vom Eis eingeschlossen, und sie ersticken häufig zu Hunderten. Werden die wenigen guten Überwinterungsteiche zugeschüttet oder durch giftige Pestizide für Amphibien unbrauchbar gemacht, so kann das große Folgen für den Froschbesatz einer ganzen Landschaft haben. Auch das gutgemeinte Einsetzen von Goldfischen ist für sie tödlich, da sie den Laich fressen. Schon dieser gefährliche Einfluss ist größer, als man bei einem so "kleinen Eingriff" vermuten würde.

Schneller als andere Arten kann sich der Grasfrosch erholen, und er nimmt auch schon sehr kleine Gewässer dankbar an. Heute ist er zunehmend gefährdet und mit ihm alle, die auf ihn als Beutetier angewiesen sind. Von allen unseren Fröschen war der Grasfrosch der häufigste, und somit war er für viele Tiere die wichtigste Beute. Wenn Brachvogel und Storch, Iltis und Ringelnatter und viele andere verschwunden sind, liegt das auch an der immer häufiger fehlenden Beute, dem Grasfrosch.