Gartenteich: Wetter-Fröschen vergeht das Quaken,
Laubfrösche haben allen Grund ihre Lebensräume zu reklamieren
von Wolfgang Alexander Bajohr

Schon Ende März, im Vorfrühling, wenn abends der verliebte Waldkauz heulend durch die Kronen der alten Eichen rast und seine Liebessehnsucht in den dunklen Auwald hinausschreit, liegt Musik in der Luft sobald es dämmert. Zaghaft erst, weil es noch sehr kühl ist, tönt ein neuer Ruf aus den Büschen. Auch im Unterholz ruft jemand erst leise und einzeln, dann voll tönend und endlich im Chor. 


Laubfrosch

Sich vielstimmig steigernd und bald selbstbewusst fordernd mit lautstarker Stimme "äp, äp, äp, äp, äp, äpp, äpp, äpp". Bald aber wird der Balzgesang der Laubfrösche zum Inferno. Schlagartig ist Ruhe. Doch gleich beginnt wieder einzeln der Vorsänger und dröhnend fällt der Männerchor ein. Sie singen von ihrem Liebessehnen in den düsteren Wald hinaus. "Äp, äp, äp, äp" singt der Laubfrösche Vorsänger wieder das Solo und der Männerchor fällt ein. Zuweilen singen zwei Vorsänger ein Duett, das aber gleich wieder überleitet zur Gruppenbalz. Dröhnend und verlangend schreien sie ihre Liebessehnsucht hinaus. Sie singen im Schilfsaum, im Mädesüß am Bach, und sie singen in der mageren Schlehdorn-Hecke. Sie singen bis weit in den Sommer hinein, und selbst noch August-September singen sie, nicht nur noch, sondern aus reinem Vergnügen am Lärm in den Oktober bis zum Eingraben.

So ist es ganz normal, wenn Laubfrösche laue Sommernächte mit ihrem Höllenlärm erfüllen. Wir aber wundern uns, dass sie wasserscheu scheinen, denn nasses Sauwetter gefällt ihnen so wenig wie uns. Doch Lärm und Jubelfeste halten sich neuerdings in Grenzen, denn viele haben den langen und sehr kalten Winter nicht überstanden. Das ist ganz normal bei Laubfröschen, weil es immer etliche gibt, die sich nicht tief genug eingraben und erfrieren, weil kein Pelz sie schützt.

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Noch in den 80er Jahren gingen Fachleute davon aus, dass Wetterfrösche ein wahrhaft biblisches Alter erreichen, weil so mancher als Terrarien-Insasse bei gutem Futter, ohne Vermehrungs-Stress, Parasiten oder Krankheiten und kalte Winter uralt geworden ist. Neue Erkenntnisse zeigen aber: wildlebende Laubfrösche können sich allenfalls 1-2 mal in ihrem Leben an der Hochzeit beteiligen. Statistisch gesehen werden sie dann gefressen, oder sie überstehen den Winter nicht. Dabei sind die Laubfrösche noch recht gut dran, denn mit ihren Haftzehen sind sie richtige Kletterfrösche. Ihre Tarnfarbe garantiert, dass sie auch tagsüber quakend und unsichtbar im Blätterdschungel sitzen bleiben können. Das ist eine ökologische Nische, die ihnen viele Vorteile verschafft. Besonders im Frühling, wenn die Nächte noch empfindlich kalt

sind, können sie als wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur von der Umgebung abhängt, die Zeit der wärmenden Frühlings-Sonnenstrahlen für sich nutzen. Ein großer Vorsprung gegenüber den quakenden Vettern, die nachts unterwegs sein müssen. 
Dennoch ist der Laubfrosch vom Aussterben bedroht, weil man bis heute 50 Jahre lang seine Laichtümpel in der Feldflur einfach zugeschüttet hatte, da man mit den großen Landmaschinen nicht um sie herumfahren wollte. In der Gilchinger Feldflur hat Ernst Zach solche flachen Tümpel neu angelegt. Seine großartigen Erfahrungen hat sich daraufhin die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz zunutze gemacht und eine ganze Reihe weiterer Laichgewässer geschaffen. Auch die Gartenfreunde haben überall flache Gartenteiche angelegt, in denen die Sonne das Wasser schnell erwärmt. Doch stellen sie hohe Ansprüche, dass dieses Wasser frei von Dünger und Pestiziden ist, nur dann geht es mit dem Laubfrosch wieder aufwärts.

Er ist der bekannteste Froschlurch, meist grasgrün in allen Nuancen je nach dem Untergrund, Manchmal auch grau. Er ist stimmgewaltig, singt lieber im Chor als alleine, weil er offensichtlich Lärm liebt. Früher hat man ihn gerne als Wetterpropheten missbraucht, zusammen mit einer kleinen Leiter ins Einmachglas gesperrt und zu lebenslanger Haft verurteilt als: Wetterprophet. Das, obwohl jeder weiß, dass er kein Wetter machen kann. Wenn es um das Verkünden von Regen geht, dann ist der Ansager mit seinem Satellitenfernsehbild und selbst das Barometer viel zuverlässiger als der Laubfrosch. Den läßt man besser in Schilf oder Bambus, im Haselbusch oder Weidengebüsch quaken. Dort draußen sind seine Ansagen besser aufgehoben. Gemeinsam mit ihresgleichen versammeln sich viele im Gebüsch unsichtbar zur Gruppenbalz. Selbst der einzelne quakende Laubfrosch ist durch seine Tarnfarbe kaum zu finden.

Wichtig ist er dennoch als Zeiger-Art, denn jedes gute Laubfroschgewässer, das schon länger besetzt ist, erweist sich auch als ein gutes Gewässer für Molche und andere Froschlurche. Mit denen sind wiederum Arten verknüpft, die von Lurchen leben. So ist er der Weiser für eine hohe Lebensqualität und das ökologische Gleichgewicht einer Landschaft.
Dabei kommt es nicht nur auf den Tümpel an. Trotz seiner guten Anpassung an das Leben zu Lande und im Wasser, verbunden mit seiner großen Fähigkeit zu wandern, besiedelt er gerne jede Landschaft mit Hecken oder Waldrändern, die vielstufig sind. Stillegungsflächen mit Tümpeln sind sein Paradies. Wo sich Laubfrösche auch nach den Bestandsschwankungen kalter Winter gut vermehren, ist es ein gutes Zeichen, dass die Landschaft noch intakt ist, und nach einer gewissen Sättigung des Bestandes kann er von hier aus Lebensräume wiederbesiedeln.

In einer Kulturlandschaft setzt das immer deren extensive Nutzung voraus. Eine Parklandschaft, die neben Feldholzinseln aus Wiesen und Weiden besteht, auf denen das Vieh Tränken braucht. Einst hatte man darum ein Netz kleiner Weiher geschaffen, die ideale Froschtümpel waren. Das heute übliche Tränkefass auf dem Wagen ist kein Ersatz dafür und eine Infektionsquelle dazu. Flachgewässer auf Weiden erwärmen sich in der Sonne. Für den Wärme liebenden Laubfrosch also ideal. Er hat bei uns immer mit der Kälte zu kämpfen. Erwärmt sich das Wasser in der Sonne nicht auf ein Mindestmaß, sterben seine Kaulquappen ab. In diese Viehtränken wird auch niemand seine überschüssigen Goldfische entsorgen, denn das ist für alle Amphibien tödlich, weil sie alle Eier und Kaulquappen ratzeputz aufessen.

Laubfrösche stammen aus Auwäldern, die sich ständig durch die Kraft des Wassers verändern. Mit Hecken, Wäldern und ihren Säumen, mit Brachflächen und Kleingewässern schuf einst der Bauer Ähnliches und hat damit dem Laubfrosch seinen Lebensraum erweitert. Die bäuerliche Kulturlandschaft und die natürliche Flussaue hatten die Vielfalt der Lebensräume gemeinsam. Die bäuerliche Kulturlandschaft, die unsere Vorfahren seit dem frühen Mittelalter einstmals geschaffen hatten, ist durch die industrialisierte Landwirtschaft oft schlagartig und zusammen mit den darin lebenden Laubfröschen zerstört worden.

Laubfrosch (Hyla arborea), Kurzfassung Biologie
Laubfrösche sind nur 4-5 cm groß und mit 8-9 g Leichtgewichte unter den Froschlurchen. Weibchen wiegen meist 11 g, ausnahmsweise bis 15g. Männchen sind leicht kenntlich an der runzeligen bräunlichen Kehle, die beim Ruf aufgeblasen wird und als Schallblase dient. Außerdem haben sie die Balzschwiele am Daumen. Ihre Farbe ist eine leuchtende Grüntönung verschiedener Intensität. Es gibt aber auch hellgraue Tiere. Wo die Sprungbeine ansetzen, am Rücken, tragen beide Partner eine schwarze Schlinge. Die fehlt den Tieren in den Mittelmeer-Ländern.

Ihre aneinander gereihten Rufe "äpäpäpäpäpäpäpä" tragen sie sehr lautstark bis tief in die Nacht vor. Sie bevorzugen Chorgesang mit Artgenossen. Aktiv werden sie ab Ende März zeitig im Frühjahr und rufen bis weit in den Sommer. Ab April sitzen sie nachts gerne in den Laichgewässern, tagsüber, besonders bei warmem sonnigem Wetter in der Vegetation, Büschen und auf Bäumen. Mit Saugnäpfen an den Fingern erklettern sie selbst spiegelglatte Flächen. Bei der Paarung klammert das Männchen und befruchtet im Wasser die 1000 Eier, die später in walnussgroßen Klumpen treiben. Sind aus den Kaulquappen 16 mm lange Jungfrösche geworden, die dem Wasser ade sagen, beginnen sie ein Leben auf dem Land, um auf ihrer hohen Warte mit der Schleuderzunge Fluginsekten zu fangen.