Gartenteich: Laufkäfer räumen den Garten auf! Auf Raubzug im Gartenbeet
von Wolfgang Alexander Bajohr

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Goldlaufkäfer

Unter den Gartenfreunden sind Laufkäfer wenig bekannt, dafür unter den Sammlern umso mehr. In der ganzen Welt gibt es rund 30.000 Arten, von denen leben rund 500 in Mitteleuropa. Manche sind so robust, dass sie im Hochgebirge bis zu 5.300 m Höhe vorkommen. Ich begegne einigen von ihnen meist in unserem Garten, und hier entweder unter der Beleuchtung, weil sie geblendet waren und mit dem Köpfchen davorgedonnert sind und dann herabfielen. Oder aber, sie wandern über die Steinplatten der Terrasse. 

Oder  ich rette die Käfer, wenn sie in den Lichtschacht der Kellerfenster gefallen sind. Unter den heimischen Arten sind recht hübsche Kerlchen, wie z.B. der grüngolden glänzende „Goldlaufkäfer”, der schwarze „Gartenlaufkäfer”, der an den gekörnten Flügeldecken gleichfalls unverkennbare „Gekörnte Laufkäfer” und der riesige ”Lederlaufkäfer” mit dem sehr weichen Chitinpanzer.
Allen gemeinsam ist, dass sie bestialisch stinken und dass sie es meist sehr eilig haben, in der Regel noch eiliger als wir. Der gekörnte Laufkäfer ist im Garten bei weitem der häufigste, doch jagt er meist nachts, während der Goldlaufkäfer seine Raubzüge bei Tage antritt. Alle hier genannten Arten sind recht große und sehr ansehnliche Tiere, unter denen nur die schwarzen in der Nacht auf Raubzug gehen.
Aus den im Frühling abgelegten Eiern entwickeln sich räuberische schwarze Larven, die sich zweimal häuten und im Herbst verpuppen. Unter günstigen Klimabedingungen schlüpfen daraus im gleichen Jahr noch Käfer, die sich an unserer Gartenarbeit beteiligen. Sie sind schon sehr flink, diese 2-3 cm großen Krabbeltiere. Für etwa 1 m Wegstrecke brauchen sie nur 10-15 Sekunden. Also sind sie 2,7 - 4,0 km/h schnell.

Wenn sie einmal  unterwegs sind, machen sie sich schnell beim Gartenfreund beliebt, denn sie essen am Tage leicht ihre 10 Raupen oder die Puppen von Schmetterlingsarten, die Gärtner nicht sehr schätzen. Wenn sie manchmal auch einen Regenwurm vertilgen, müssen wir ihnen das nachsehen, denn das ändert ja sonst nichts an ihrer Nützlichkeit. Die ist darum so bemerkenswert, weil sie im Jahr auch mehrere 100 der so unbeliebten Nacktschnecken fressen.

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Körniger Laufkäfer

Im sonst schier aussichtslosen Kampf gegen die eingeschleppte spanische rote Wegschnecke sind sie unsere größten Verbündeten. Sie fressen außerdem Drahtwürmer, Engerlinge aller Arten und vor allem Raupen über Raupen.
Wo die Verhältnisse günstig sind, überwintern die Käfer und beginnen gleich im Frühling mit zwei wichtigen Dingen: 1. wie geschildert mit der Liebe und Fortpflanzung und dann 2. mit fressen, fressen, fressen. Sie sind deshalb einer der wichtigsten Faktoren der biologischen Schädlingsbekämpfung ohne Chemie. 
Die meisten der Arten führen uns noch ein anderes Phänomen vor. Sie können und wollen wohl auch gar nicht mehr richtig fliegen, denn ihre Flügeldecken sind an der Nahtstelle wie fest miteinander verleimt.
Besonders interessant ist auch die Art ihrer Verdauung, die extraintestinal ist. Sie halten ihr Opfer mit den kräftigen Mandibeln gepackt und erbrechen dann eine dunkle Flüssigkeit auf das Beutetier. Darin sind sehr aggressive Verdauungsfermente enthalten, die das Opfer schon vor dem Fressen zu verdauen beginnen. 

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Lederlaufkäfer

Sie saugen dann auf diese Weise die vorher aufgelöste Beute aus deren Haut oder Chitinpanzer heraus. In Jahren mit einem großen Beuteangebot vermehren sich die Laufkäfer geradezu explosionsartig, und in Jahren mit geringerem Beuteangebot bricht die günstige Gradation wieder zusammen. Es gibt Jahre, in denen jeder einzelne Käfer weit über 1000 Raupen vertilgt. Es fällt schwer sich vorzustellen, wie unsere Gärten aussehen würden, wenn es dort keine Laufkäfer gäbe.

Vor allem sollte man sich die chemische Keule dreimal überlegen, denn mit jedem Gifteinsatz vertilgt man nicht nur Raupen. Sondern unsere besten Helfer, die Laufkäfer werden ebenfalls mit geschädigt. Laufkäfer leben im Garten gerne unter ausgelegten Steinplatten, die man zweckmäßig durch untergelegte Kiesel einige mm aufständert, damit die Käfer darunter Platz finden und sich verstecken können. Dann brauchen wir eigentlich nichts weiter zu tun, als die Käfer in Ruhe zu lassen. Die Käfer wissen selbst wann sie sich wohlfühlen, und wenn sie sich wohlfühlen, werden sie auch in unserem Sinne im Garten arbeiten.