Gartenteich: Wechselkröte überlebt im ehemaligen Kraillinger Pioniergelände 
 von W.A. Bajohr

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 Wechselkröte

Wechselkröte
Heute sind alte Truppenübungsplätze Überlebensinseln. Einst waren Teiche und Weiher in unserer Nachbarschaft ganz selbstverständlich. Fast alle Schulbuben haben Froschlurche im Schuhkarton gesammelt, oft untereinander eingetauscht. Auch damals waren schon einzelne Arten häufig, andere selten. Für Stadtmenschen der jüngeren Generation ist das heute unvorstellbar. Denn viele Lurche stehen vor dem Aussterben oder sind selten. Zusammen
 mit ihnen sind auch alle die Arten gefährdet, die von Frosch-

lurchen leben. Froschlurche sind alle Frösche, Kröten und Unken. Amphibienwanderungen beschreibt die Presse. TV und Rundfunk warnen. Manche Straßen werden gesperrt, aber trotz Krötenzaun sterben viele Tiere unter Reifen im Straßenverkehr. Es sind meist Erdkröten, die zerquetscht werden, doch die seltenen Arten erfasst keiner: Auch Wechselkröten wandern durch die Frühlingsnacht.

Bald wimmelt es im Wasser von Kaulquappen. Sie atmen wie die Fische über Kiemen. Erst schrumpft der Schwanz, dann wachsen die Beine, und sobald die Lungen atmen, gehen sie zum Landleben über. Doch alle Krötenarten buddeln sich tagsüber in die Erde ein. Mein Terrier hat einmal verbissen im Sand gegraben und dann eine Wechselkröte aus 2 m Tiefe an das Sonnenlicht geholt. Rätische Römer und Kelten haben überliefert, dass zu ihrer Zeit Amphibien alle Flußauen bevölkert haben. Das geht heute nur noch selten, denn wo einst Auwald war, sind Äcker bis auf den letzten Meter an das Ufer herangerückt. Als Ersatz ist aber ein Landschaftsmosaik entstanden. Hecken in der Feldflur leiten in Wälder über, und oft folgen sie Bach und Graben. Es wuchs über Jahrhunderte hinweg eine bäuerliche Kulturlandschaft mit Artenvielfalt auf kleinsten Flächen. Lange Zeit war es so, bis die Tiere erneut heimatlos wurden, der Flurbereinigung geopfert, oder mit der Landtechnik einfach wegrationalisiert.

Welcher Segen, dass in der Wifo noch die Heidelerche singt, der Neuntöter brütet, die Ödlandschrecke schnarrt und aus Bunkern Feuchtbiotope wurden. Jene wüsten Flächen sind tief von Panzern zerfurcht, ohne Humus, und in den Fahrspuren staut sich das Wasser. So wird ein Feuchtbiotop daraus, ein Biotop für unsere schönste Kröte, denn die Wechselkröte hat sich die Wifo erobert. Sie ist schlanker als eine Erdkröte. Das Männchen hat nur 8 cm, das Weibchen 10 cm Länge. Wechselkröten sehen immer aus, als seien sie von Künstlerhand erdacht und aus Porzellan gestaltet. Grundfarbe ist ein helles grauweiß. Ihre Rückenfarbe ist zart rosa/bräunlich, mit kräftigem Grün gemustert und von dunkel gesäumten Flächen unterbrochen. Gelegentlich hat sie einen gelblichen Rückenstreifen, an den Seiten aber sind oft rosarote Warzen. Sonst ist sie glatt und wie poliert. Ihre Pupille steht waagerecht im goldgrünen Auge, das nachts besser sieht als tags. Weil sie im Dunklen wandert, kennen die meisten Menschen diese schöne Kröte gar nicht, obwohl sie in der Wifo zu finden ist.

Gefährlich werden ihr bei uns oft jene, die nicht nachdenken und Goldfische aussetzen. Da diese die Eier der Wechselkröte fressen, ist das für sie und alle Froschlurche tödlich. Sie laicht als letzte, meist erst im Juni. Dann ist ihr Balzgesang nicht zu überhören. Ihr Ruf ist ein feines helles Trillern. Das beginnt erst leise und steigert sich dann zu einem kollektiven Balzorchester. Es unterscheidet sich vom Trillern der Maulwurfsgrille nur darin, dass der Triller leiser beginnt und dann immer lauter wird.

Bei der Hochzeit klammern Wechselkrötenmännchen auf dem Weibchen wie alle Froschlurche. Gleich dabei legt sie die Eier in schier endlosen zweier- oder Viererschnüren und wickelt sie um die Wasserpflanzen in 15-30 cm Tiefe. Das können 2000 bis 15000 oder auch 6000 bis 11000 Eier sein, schwarze Eier, aufgereiht in Schnüren. Die Quappen schlüpfen schon nach 3-5 Tagen. Danach brauchen sie 2-3 Monate, ehe ihnen das Schwänzchen schrumpft und die Beine wachsen. Als kleine Hüpferlinge schwärmen sie bald aus. In 2-4 Jahren werden sie geschlechtsreif sein, sofern sie überleben. 

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Hochzeit bei Wechselkröten

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Kreuzkröten Hochzeit

Die Aussicht dafür ist schlecht, weil junge Leute mit Geländemotorrädern durch die Pfützen brausen und bei jedem Durchgang viele der seltenen Tiere töten. Die Forstverwaltung wurde darum gebeten, die Wege zu sperren. Gleich nach der Ei-Ablage haben die Weibchen das Wasser verlassen. Die Männchen folgen später nach. Wechselkröten sind lebhafter als die träge Erdkröte, und die langen Hinterbeine geben ihnen die Kraft in großen Sprüngen davonzueilen. Wechselkröten stammen aus Asiens Steppen und haben die ganze alte Welt erobert, nach Süden bis zum Mittelmeer. Hier bei uns meiden sie das Gebirge, obwohl sie in Asien bis auf 4200 m Höhe siedeln.

Seit Menschen die Kulturlandschaft ihren Maschinen angepasst haben, anstatt umgekehrt, ist die Wechselkröte auf dem Rückzug. Sie ist heute gefährdet, weil Ödlandgewässer und tiefe Überwinterungsteiche fehlen. Denn Flachgewässer frieren durch und dann ersticken sie.
Ihre wirkliche Chance liegt im Auwald entlang der Flüsse, wie man ihn heute wieder neu anpflanzt. Wechselkröten kehren zurück, denn in wenigen Inseln, wie in der Wifo, haben sie überlebt. Vogelschützer sind Artenschützer. Sie kümmern sich hier um die Wechselkröte, damit es sie auch morgen noch gibt.