Im Jahreslauf: Ein Leben in Gischt und Wellen, Wasseramseln leben an der Würm
von Wolfgang Alexander Bajohr

Die Würm ist als Wildbach klar wie Kristall. Weiße Kiesel und dicke Geröllbrocken, aber auch viele grüne Algenteppiche sehe ich auf dem Grund der silberfunkelnden Flut, die über die Steine springt und durch die Gefällstrecke der Mühltaler Schlucht eilt. Sie ist eingebettet in einen noch immer naturnah wirkenden Buchenwald mit Hartholzaue. So heil wie es scheint, ist aber die Welt hier gar nicht. Das klar wirkende Wasser im Fluss ist wohl geklärt, aber noch lange nicht rein. Aber vielleicht ist es gerade das überreichliche Nährstoffangebot, das zuweilen auch außerge-wöhnliche Lebensräume schaffen kann. Das aber geht nur, wenn hohe Selbst-reinigungskraft durch das schnell sprudelnde Wasser hinzukommt. Denn nicht nur den Sonntagsausflüglern gefällt es an der Würm, sondern reich an Art und Zahl auch den vielen Vögeln. Von einem besonderen Vogel soll hier die Rede sein, von der Wasseramsel. Sie ist ein Vogel der roten Liste und gilt als bedroht, weil überall die Flüsse und Bäche begradigt wurden, oder weil man sie verdreckt hatte.

Vor hundert Jahren waren auch noch die Fischer neidisch auf die Wasseramsel, denn sie glaubten, dass der Vogel Fischbrut isst. Mittlerweile aber zählt sie für den Angler zum Naturerlebnis Fischwasser. Die Fischer sind besser ausgebildet, und jeder Fischfreund weiß zudem, dass sie gar keine Fische mag, sondern Kerbtiere: Käfer und Köcherfliegenlarven, Libellenlarven, Eintagsfliegen, Wasserwanzen, kleine Mollusken, Kleinkrebsarten, Würmer und Kaulquappen.
Gewissermaßen als Wiedergutmachung für einst zugefügtes Unrecht, haben ihr die Vogelschützer unter jeder Brücke einen Nistkasten gehängt. Denn in den glatten Betonwänden gibt es keine Brutnischen mehr, wie einst bei den Holzbrücken. Diese Kästen sind jetzt alle besetzt, und einige der kleineren Kästen auch noch. Diese Halbhöhlen sind etwas eng für die Wasseramsel, weil sie für die Gebirgsstelze gedacht waren. So gibt es hier im Süden an der Würm ein Phänomen: der einst bedrohte Vogel nimmt zu. Auf dem kurzen Stück zwischen Parkplatz und Leutstettener Brücke brüten zur gleichen Zeit erfolgreich 5 Paare Wasser-amseln auf nicht einmal 2 km Bachstrecke. Ich beobachte sie aber nur in den schnell fließenden Abschnitten, die auch im Winter nicht zufrieren und darum 12 Monate im Jahr Nahrung bieten. Das macht die Wasseramsel so fröhlich, dass sie auch im Winter singt. Sie kann es sich leisten, schon im Februar mit der Brut zu beginnen, wenn noch Schnee liegt. Der stört sie aber nicht, weil sie ihr Futter unter Wasser sucht. Da gibt es in Hülle und Fülle zu schnabulieren, so dass die Jungen schnell heranwachsen und die ersten schon Mitte April ausfliegen. Besser gesagt, sie fliegen gar nicht aus, sondern sie springen einfach in das wild tosende Wasser. Denn fliegen können sie noch gar nicht richtig. Doch schwimmen können sie gleich, obwohl sie Landvögel sind, die keine Schwimmfüsse haben. Alleine im schnell fließenden Wasser können sie sich geborgen fühlen. Da sind sie sicher vor den allgegenwärtigen Katzen, vor Marder, Iltis und Hermelin.

Ihr Nest ist immer ein Kugelnest. Es ähnelt dem des Zaunkönigs, aber im Wurzel-werk unter Schwarzerlen am Steilufer, wie einst, bauen sie es kaum noch, denn unsere Wasseramseln sind Wohlstandsvögel geworden, und sie wissen die sicheren Brutkästen zu schätzen. Beide Eltern bauen das Nest gemeinsam. Oft bessern sie aber auch nur das alte Nest aus, weil sie es ja aus dem Kasten nicht entfernen können. Bauen sie es neu, verwenden sie äußerlich feine Reiser, Grashalme, Wurzeln, dürre Blätter und Moos.

 

Innen aber polstern sie weich mit Haaren und Federn. Nach gut 2 Wochen schlüpfen dann die Jungen aus den 4-6 weißen Eiern. Wasseramselweibchen brüten bombenfest und lassen sich fast nie aufstören. Auch sonst sind sie gegenüber den Menschen sehr vertrauensselig. Wenn sonntags Hunderte vom Parkplatz zur Wanderung starten, bemerkt kaum jemand das schmucke vertraute Vögelchen zu seinen Füssen. Ganz bewusst aber erlebt ihn nur der Fischer, wenn der kleine Kollege gleich nebenan auf dem Felsbrocken knickst und sich immer wieder kopfüber in die Flut stürzt. Für einen überzeugten Fischer ist sie ein Teil des heilen Ökosystems Bachlauf. Ohne das bezaubernde Vögelchen wären doch viele seiner Erlebnisse am Fischwasser nur unvollkommen und leer.

Ihr Reich ist dort, wo der Bach, munter geworden, über die Gefällstrecke rauscht und über den Kies sprudelt, einem Findling ausweicht und sich in vielen Armen um kleine Inseln schlingt, auf denen einsame Eichen, Buchen und Schwarzerlen ihm mit ihrem Wurzelwerk trotzen. Mal stehen sie einzeln, aber zuweilen drängen sie sich auf den kleinen Inseln im Naturbach. Manchmal schafft es der Bach dennoch, sie zu fällen. Die Flut unterspült den Wurzelballen und wirft den alten Baum in das Flachwasser. Der Bach gräbt sich auch einmal einen neuen Arm und schafft so wiederum kleine Inseln. Er lagert auch aus Ästen Barrieren an und schüttet dann einen Arm wieder zu. Angespültes Laub wird zum Schlick, Sand und Kies lagern sich an. In flachen Gumpen neben dem Bach laichen Springfrösche, und am flachen Ufer unter dürrem Laub finden auch Waldvögel und die weißen und gelben Bachstelzen so mancherlei Futter. Weiße und gelbe Anemonen blühen, blaue Leberblümchen und violetter Lerchensporn, blaues Lungenkraut und Haselwurz schmücken den Wald gerade zu der Zeit, in der ich die Wasseramsel an ihrer Jagdwarte belauschen möchte. Diese Warte kann zuweilen ein Felsbrocken im Wasser sein, ein angetriebener Ast oder auch ein vermodernder Baumstumpf.

Wo das Wasser am wildesten gurgelt, sprudelt und spritzt, sitzt auf dem zitternden Zweig am Ende eines dicken Astes mitten im Bach ein starengroßer "Zaunkönig", der eine weiße Kehle dort hat, wo sie beim Rotkehlchen rot ist. So beschreibe ich die Wasseramsel am allerbesten. Sie knickst so beständig und rasch wie das Rotkehlchen. Doch ihr Lied aus Flöten- und Pfeiftönen, Knarr- und Schnalzlauten übertönt das Wasserrauschen vom Bach. Es ist ein Lied, das dahinrauscht und perlt wie dieser wilde Bach selbst, in dem es gesungen wird. Dann stürzt sich der

Vogel, mitten aus dem Gesang heraus, in das wild tosende Wasser, treibt dahin wie ein Kork, taucht gegen die Strömung ab und läuft wohl jetzt, mit den Flügeln abwärts steuernd und im Wasser rudernd, auf dem Grund gegen die Strömung dahin und räumt die Kiessteinchen an die Seite, um einen Schnabel voller Beute während der Tauchzeit von 10-30 Sekunden am Bachgrund aufzulesen. Dann schießt der Vogel, plopp wie ein Kork an die Oberfläche, und sein Auftauchen geht nahtlos in pfeilschnellen sehr zielgerichteten Flug über, ganz knapp über dem Wasserspiegel. Er eilt zu einem der Brutkästen, von denen ich weiß, dass sie alle besetzt sind.

Die Wasseramsel ist an die Würm zurückgekehrt, aber nicht etwa vom Vogelzug aus dem Süden, denn sie war den ganzen Winter über hier. Sie hat den Landkreis wiederbesiedelt, sobald das Wasser halbwegs geklärt war und sie auch wieder Nistplätze in den Brutkästen der Vogelschützer gefunden hat. An Fischer und Wanderer, ja sogar an die vielen Menschen an den Wochenenden, hat sich sie gewöhnt. So bin ich zuweilen ganz gut ohne Tarnung mit der Kamera herangekommen, wenn sie mal auf einem Stein oder Baumstamm, mal auf einem Zweig oder Stein im Wasser rastet. Schläfrig klappert sie dann mit den weißen Augendeckeln und knickst. Unter den Singvögeln ist die Wasseramsel der einzige Vogel, der optimal an das Leben im Wasser angepasst ist. Er hat nicht Luft in den Knochen wie die übrigen Vögel, sondern Mark, damit der Auftrieb geringer ist. Dennoch, bei einem spezifischen Gewicht von 0,6 bis 0,8 ist der Vogel immer noch leichter als Wasser und kann daher nicht ertrinken. Wie ich sehr oft beobachtet habe, schnellt er beim Auftauchen wie ein Kork an die Oberfläche, lässt sich ein Stück weit dahin treiben, um dann ganz zielbewusst auf seine Warte oder senkrecht zum Nest hochzufliegen. Manchmal liest er auch im Tiefflug, wie ein Grauschnäpper, im Wasser treibende Schmetterlinge heraus oder fängt sie im Zickzackflug aus der Luft. Meist aber schwimmt er unter Wasser. Wenn er vor mir auf einem Stein sitzt, trippelt er einige Schrittchen hinein und hält erst den Kopf unter Wasser, um wie ein Strandläufer den Kies zu durchwühlen und zu untersuchen. Dann aber strebt er, zunächst laufend, in die Tiefe zum Grund des Baches. Zuweilen habe ich den Eindruck, dass er es gar nicht so leicht hat, überhaupt unter Wasser und auf den Grund zu kommen. Er rennt geradezu gegen die Strömung vom Ufer her auf den Grund hinunter, stellt die Flügel schräg ab und lässt sich vom vorbei streichenden Wasser gegen den Grund hin drücken.

Oft springt er auch von dem Steinbrocken aus oder von einem Ast mit einem Kopfsprung in die Fluten. Weil an dieser Stelle das Wasser zwischen einem halben und einem Meter tief ist, kommt er nur hinunter, wenn er die Strömung ausnutzt und unter Wasser mit schräg gestellten Flügeln "hinunterfliegt". Dort läuft er wieder gegen die Strömung am Grund und lässt sich vom vorbei streichenden Wasser nach unten drücken. Unter Wasser bleibt die Wasseramsel hier wiederum zwischen 10 und 30 Sekunden. Wenn man bedenkt, dass sie bis zu 1600 mal am Tage taucht,

 

bringt sie jeden Tag 2 Stunden ihres Lebens unter Wasser zu und legt dabei eine Strecke von 2 km im Schwimmlaufen zurück. Das setzt eine optimale Anpassung voraus. Ihr sehr dichtes Gefieder hat sie gut eingefettet, es wird nicht nass. Zu dem Zweck hat sie eine Bürzeldrüse. Ihre Nasenöffnung kann sie verschließen, ihre Füße und Zehen sind als Schutz vor Geröll mit Hornplatten armiert. Immer, wenn ich meine, dass die sehr starke Strömung sie abgetrieben hat, taucht sie plopp, vor der Brücke wieder auf und fliegt zum Nest steil hoch. Nach dem Füttern ihrer Jungen schwirrt sie in schnellem zielgerichtetem Flug flach über dem Wasser stromaufwärts oder bachabwärts wieder davon. Wenn ich Glück habe, benutzt sie zwischendrin ihre Ansitzwarte neben meinem Versteckzelt, das mitten im Wasser in einem Seitenarm steht. Weder das Zelt, noch mein Blitzen stört sie im Geringsten. Manchmal ruht sie einen Augenblick, doch niemals lange. Sie knickst einige Male, schmettert einen Triller des schon erwähnten Plätscherliedchens und stürzt sich schon wieder in die gurgelnden Fluten. Als sie herauskommt, schwirrt sie auf mein Teleobjektiv. Sie sitzt tatsächlich auf dem Objektiv,  kaum 10 cm von meinem Gesicht entfernt. Dort ruht sie eine Weile aus.

Das Weibchen brütet ganz alleine 16 lange Tage und wird vom Männchen mit Futter versorgt. Sind die Jungen erst einmal geschlüpft, füttern beide Eltern drei Wochen lang. Zwischen dem Morgen und dem Mittag machen sie eine Stunde Pause, und am Nachmittag noch zwei Pausen. In diesen Fütterungspausen sitzen sie dicht nebeneinander irgendwo am Ufer. Er singt, und sie pflegt ihr Gefieder. Zuweilen baden auch beide plätschernd nebeneinander irgendwo nahe dem Ufer im Flachwasser. Futter finden sie in Hülle und Fülle, und ich verbringe viele Stunden damit, der Wasseramsel am Bach zuzuschauen. Das ist allemal ein kurzweiliges Erlebnis. Auch dann, wenn ich nicht fotografieren kann, weil die Vögel entweder zu weit weg oder zu nahe bei mir sind. In nicht einem einzigen Fall habe ich sie ein Fischchen erbeuten sehen. Wenn sie zuweilen nur 1 m vor mir knickst wie ein Rotkehlchen, erkenne ich klar, dass sie gar nicht so schwarz ist, wie sie sonst zu sein scheint. Das Köpfchen ist mehr kaffeebraun, vor allem beim Weibchen noch brauner. Brust und Kehle sind rein weiß. Flügel und Rückengefieder schimmern je nach Einfall des Lichtes zwischen grau und braun, aber auch bläulich und grünlich. Jede Federkante der Flügel ist braun gesäumt. Mal treibt sie vorbei, hilflos wirkend wie ein ins Wasser gefallenes Küken, und schon huscht sie auf die Warte. Dann wieder zischt sie zielstrebig wie ein Eisvogel im raschen Schwirrflug zum Nest.

Schließlich wird mir bewusst, dass ich es nicht mit zwei, sondern mit vier Vögeln zu tun habe. Wenn alle zur gleichen Zeit da sind, halten sich die beiden Fütterer am jenseitigen Ufer bis zur Bachmitte auf. Zur gleichen Zeit sitzt aber auch noch eine auf der Warte bei mir und eine sitzt am Stein. Oft laufen sie viel zu nahe für den Nahbereich meiner Kamera im Uferschlick umher. Es ist nicht anzuzweifeln, während zwei im Wasser treiben und laufend füttern, trippeln zwei weitere am Ufer. Wenn sie nebeneinander stehen, ist auch klar, dass sie unterschiedlich groß sind.

Denn das Weibchen ist kleiner und brauner, aber das erkenne ich nur, wenn sie nebeneinander sind. Sie trägt ein braunes Buchenblatt und das Männchen umwirbt sie. Sie hält ihr Blatt fest, und es kommt zur Kopulation. Auch das passiert natürlich wieder viel zu nahe am Versteck, zu nahe für die Kamera. Dann schnappt sich auch das Männchen ein Blatt, das es aus dem Wasser zieht, und beide brausen unter die Brücke. Dort ist beiderseits des mittleren Betonbalkens ein Nistkasten angebracht, von denen wohl einer für die Bachstelzen gedacht war. In einem der beiden Kästen füttert ein Wasseramselpaar seine Jungen, und im zweiten Kasten, nur einen halben Meter entfernt, baut das zweite Wasseramselpaar ein Nest. Hätte ich nicht gleichzeitig die vier Vögel gesehen, hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, das nachzuprüfen. Fotografieren lässt sich unter dem niedrigen Brückendurchlass nicht. Ich bin froh, dass ich einige Bilder mit dem Blatt aufnehmen kann.
Seit Jahrzehnten schreiben alle, die über Wasseramseln berichten, voneinander ab. Stets heißt es dort, dass ein Wasseramsel-Paar eine Bachstrecke von 1 - 2 km beansprucht und dass erst anschließend ein neues Revier beginnt. Das stimmt also nicht, und mit der Reviergröße kann es auch nicht stimmen, denn wir haben an der Würm auf 2 km Bachstrecke ganz zweifelsfrei 5 Wasseramselpaare mit Jungen.

In einem verdreckten und trübe dahin schleichenden Bach wäre das sicher nicht möglich. Eine Voraussetzung ist sicher das Wildwasser. Aber das Wasser enthält trotz der Klärung ganz sicher mehr Nährstoffe als ein Naturbach. Darauf hatte mich ein Sportfischer hingewiesen, und beim Wasserwirtschaftsamt hat man es mir bestätigt. Der Stoffumsatz der kleinen Wassertierchen ist damit groß, und diese sind die Beute der Wasseramseln. Sie profitieren davon, aber auch andere haben Vorteile davon, vor allem die Fische. So ist dieser so naturnahe aussehende

 

Wildbach im Auwald eigentlich ein vom Menschen veränderter Vorfluter in der Kulturlandschaft und doch ein Vogelparadies aus Menschenhand. Es erklärt auch das Verhalten der Vögel untereinander. Solange es Nahrung im Überfluss gibt, müssen die Vögel nicht aggressiv sein und ihr Revier verteidigen. Aber auch ohne diese Umstände habe ich sie im Hochgebirge niemals so hartnäckig um ein Revier kämpfen sehen, wie man es bei Rotkehlchen kennt. Unruhe ins Revier bringt nur der 1. Mai, wenn alle Mitglieder des Fischereivereins in ihren Wathosen gleichzeitig überall im Wasser stehen. Ihre Vielzahl stört die Vögel schon, weil sie nirgends mehr ausweichen können. Wenn die Fischer gelegentlich hier oder dort auftauchen und es dazwischen Freiflächen gibt, stört das die Vögel gar nicht. Am Anfischtag sind auch der Vogel Wippsteert, die gelbe Gebirgsstelze und auch die Weiße Bachstelze beunruhigt, obwohl die den Menschen sonst auch nicht fürchten. Jetzt müssen sie ihren Lieblingsplatz widerwillig vor der kräftigeren Wasseramsel räumen. Die Gischt umschlungenen Steine sind bei hohem Wasserstand rar und daher von allen begehrt.

Jetzt knickst dort wieder eine Wasseramsel, stochert zwischen dem Wassermoos und liest ein Kerbtier ab. Sie hält es im Schnabel und trillert dazu. Sie knickst wieder, und die tiefer sinkende Sonne zaubert einen goldenen Hauch auf das muntere Kerlchen. Einzelne wenige Wasserperlen im Gefieder blitzen im Streiflicht wie Diamanten. Dann plumpst die Wasseramsel zum nächsten Tauchgang wieder in die Flut, dass es aufspritzt. Fort ist das anmutige Vögelchen. Bald werden aus den ersten Nestern die Jungen ausfliegen. Weil sie aber eben das noch nicht so richtig können, plumpsen sie gleich in die Flut. Denn das Schwimmen und Tauchen beherrschen sie vom ersten Augenblick an ganz perfekt, viel besser als das Fliegen.

So ist aus mancher Landschaft die Wasseramsel verschwunden, als aus dem Bach ein Graben und aus dem klaren Wasser eine Kloake wurde. An der Würm bei uns ist es mit der Wasseramsel, diesem Vogel von der roten Liste, ständig aufwärts gegangen, denn nirgends in Europa habe ich irgendwo eine so hohe Brutdichte gefunden wie hier an der Würm.