Aktuelles: Braunbär Bruno im Museum Mensch und Natur

Wie einst Schneewittchen sitzt der Braunbär, der auf Italienisch Orso Bruno heißt, jetzt auf ewige Zeiten in seinem Glassarg im Museum Mensch und Natur. Ob der von Dieter Schön in 1200 Arbeitsstunden so grandios in eine Dermoplastik verwandelte Bär dort allerdings seine ewige Ruhe finden wird, scheint zweifelhaft. Museumsdirektor Dr. Michael Apel hat zusammen mit seinem Team sicher große Mühe aufgewendet das sehr emotionale Thema so vielseitig

und auch so sachlich wie irgend möglich aufzubereiten, und alle Beteiligten haben viel Liebe investiert. So wird die Rechnung, dass Bruno Neugierige in Massen ins Museum treiben wird, sicher aufgehen.
Doch seine Mühe hat schon im Vorfeld Kritiker gefunden, noch ehe die Ausstellung eröffnet wurde. Denn so schnell geben die Bärenfreunde nicht auf. Aus ihrer Sicht ist Bruno der Bär als das Opfer von politischer Unfähigkeit und Arroganz und zudem heimtückisch um sein Leben gebracht worden. Es ist schade, dass die „Initiative zur Abschaffung der Jagd“ hier zwei Dinge zusammenmengt, die nicht zusammengehören. Wer nicht will, dass der Wald aufgefressen wird, der kann auf Jagd nun einmal leider nicht verzichten. Diese Jagd ist aber besser in den Händen von Tierfreunden als in der von Berufsjägern, denn Berufskiller waren es ja auch, die den Bruno hingerichtet haben. Es mag richtig sein, dass auch ein toter Bär Ehrfurcht von uns fordert, und dass man ihn so wenig zur Schau stellen sollte, wie einstmals hingerichtete Menschen. Vielleicht ist es makaber daran zu erinnern, aber mir war durchaus bewusst, dass ohne eine alternative Gegenleistung die Ausstellung des Bruno auch eine unglückliche Entscheidung für den Artenschutz ist, und ich habe wiederholt davor gewarnt.
 

Ministerialdirigent Christoph Himmighofen begründete die damalige Abschussentscheidung mit dem vorliegenden Österreichischen Managementplan von Österreich. Es ist richtig, dass man Bruno möglicherweise auch in Österreich abgeschossen hätte, nur hat er in Tirol eben nicht jene Schäden angerichtet wie in Bayern, und in der Schweiz ebenfalls nicht. Immerhin hatte sich Österreichs Bundespräsident dafür eingesetzt Bruno zu retten. Noch etwas übersieht das Ministerium, dass eben Beamte für diese Entscheidung gar nicht zuständig waren, sondern allenfalls die EU, denn dieser Bär gehörte uns, dem Volk.
 

Der zu frühe Tod des 2-jährigen Bärenkindes war schon darum unbegründet, weil Bruno in keinem einzigen Fall eine Gefahr für Menschen erkennen ließ, sondern stets geflüchtet ist. Die Summe aller Sachschäden war nicht höher als insgesamt 2000 Euro. Der Tod eines jungen Männchens ist für die Gesamtpopulation vielleicht  nicht von besonderer Bedeutung, er sollte aber wenigstens eine Weichenstellung für die Zukunft bedeuten. Bei Beutegreifern, auch beim Fuchs, Wolf, Luchs, Marder usw. ist es die Regel, dass junge Männliche Tiere die Heimat verlassen und auf Fernwanderung gehen. Ganz geklärt ist das noch nicht, aber es mag genetische Gründe haben. Beim Bären hat es keinesfalls Revier-Ursachen, da Bären keine festen Reviere haben.

Wenn das Umweltministerium sich der Verantwortung entziehen würde und alleine auf Zuwanderung aus Trient setzt, werden wir in Bayern nie wieder Bären bekommen. Das sollte man auch klar zugeben oder man sollte, rechtzeitig vor den Neuwahlen auch den Mut haben, sich zu einer Wiedereinbürgerung zu entschließen. Selbst wenn die Alpen, die man insgesamt als einen einzigen großen Lebensraum sehen muss, kein optimaler Lebensraum sind, dann ist es noch immer besser den zu haben, als gar keinen. Wenn wir wieder Bären haben sollen oder haben wollen, aber auch Luchs und Wolf, dann muss man sich dazu auch bekennen und den echten Willen durch das Aussetzen weiblicher Tiere bekunden. Ohne weibliche Tiere ist eine Rückkehr von Bären nicht möglich.

Sehr seltsam ist es auch wenn von der Rückkehr der großen Vier gesprochen wird, der Bruno bereits abgehakt ist, wenn man aber bei besten Willen nur bis Drei zählen kann. Oder hat man den Wisent vergessen, den der Fürst von Sayn-Witgenstein z.B. neuerdings aussetzt? Wer Wölfe will, darf natürlich auch keine Schäferhunde totschießen lassen, Luchse dürfen auch nicht im Rucksack verschwinden, sie das im bayerischen Wald geschah. Auch alte Jäger sollten einsehen, dass mehr Luchse auch mehr Rehe bedeutet. Denn die Rückkehr der großen Drei setzt voraus, dass sie im Wald auch Fallwild nach einem kalten Winter finden, also etwas zum futtern haben. Wo man aber dem Wald zuliebe das Schalenwild reduziert hat, sind Bären wie Bruno auf Haustiere angewiesen, und Schäden sind vorprogrammiert. Der Mensch hat die Natur grundlegend durcheinandergebracht. In Österreich und in der Schweiz scheint jedenfalls Bruno noch genügend Nahrung gefunden zu haben, weil er keine Schafe riss.

Wenn Braunbär Orso Bruno nun einmal totgeschossen wurde, und wenn es dafür eine Begründung geben soll, dann müssen wir lernen mit Wald und Wild wieder anders umzugehen. Denn ein Wald ohne Wild ist ein armer Wald und ein Wald ohne Bären ist das ebenfalls. Wir brauchen Politiker mit dem Mut zur Wildnis. Wenn Bären gefährliche Tiere wären, dann hätten sie mich schon längst gefressen.

Wolfgang Alexander Bajohr

siehe auch: Trauer um Bär Bruno (mehr)