Wald: Schonzeit für Füchse? Faszinierende rote Freibeuter
von Wolfgang Alexander Bajohr

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Junger Fuchs

Wie kaum ein anderes Tier hat der Fuchs zu allen Zeiten die Jäger verzaubert. Sein reaktionsschnelles Verhalten, Schlauheit und List haben ihm nicht nur den Weg in die Fabel geebnet. Sie sind auch für viele die Herausforderung sich mit diesem größten heimischen Raubtier zu messen, wobei die jagdliche Auseinandersetzung mit dem anmutigen und zauberhaften Geschöpf keineswegs immer ritterlich gewesen ist. Listig im menschlichen Sinne ist er eigentlich nicht, denn List ist hinterhältig und gemein. Das ist aber wohl die Art, wie ihn viele Menschen behandelt haben.

Was er dagegenzusetzen hat, ist Sinnesschärfe und blitzesschnelle Reaktion, wie sie ein Jäger braucht, der von der Jagd leben muss. Denn seine Beutetiere, die er überrumpeln muss, sind nicht minder scharfsinnig, und auch in der ursprünglichen Wildnis muss er sich vor noch stärkeren Jägern in Acht nehmen. Das kann auch heute noch der stärkere Wolf und der Luchs sein. Und in unseren Bergen schlägt auch heute noch der Adler den Fuchs. Doch nur der Mensch macht ihm das Leben in der Natur streitig, weil er für ihn ein unerwünschter Konkurrent ist oder sich an dessen Haustieren vergreift. Mit einer geradezu traumhaften Anpassungsfähigkeit ist es ihm gelungen, sich allen wechselnden Umweltbedingungen anzupassen.

Ihm gelang selbst dem Leben in der Stadt, in der Industrie- Landschaft und in der industria-lisierten Landwirtschaft oder dem Holzackerbau im Wald. Trotz jagdlicher "Kurzhaltung" rund um die Uhr und nichtjagdlichen Vernichtungsmaßnahmen durch Gift und Gas und die Tollwut, ist der Bestand ungeschmälert. Das hat unsere Computerspezialisten auf den Plan gerufen, und die haben mit ihren Simulationsmodellen, in die Geheck-Umfang, bekannte Strecke und andere Abgänge eingegeben wurden Sie haben herausgefunden, dass auch die

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Fuchs auf Alm

Summe von Jagd und allen Vernichtungsmaßnahmen über das Jahr und rund um die Uhr, allenfalls 25 % des Zuwachses eliminieren konnten. Wäre der natürliche Alterstod und Krankheiten nicht gewesen und wäre nicht die Tollwut der wesentlichste Regulator gewesen, hätte der Jäger sie nicht einregulieren können. Zwar gibt es kaum einen Jäger, der den Fuchs missen möchte, aber fast alle suchen nach einer Rechtfertigung, und sie meinen, dass die Dezimierung des Fuchses eine unbestrittene Notwendigkeit sei. Das bringt man dem Nachwuchs bei, und so hält sich hartnäckig die Meinung, weil kaum jemand Gelegenheit hat in der Wildbiologie dazuzulernen. Das ist der Grund, warum bei vielen die Ethik aufhört, wenn es um den Fuchs geht, den man für Diebstahl bestrafen möchte.

Trotz der vielgepriesenen deutschen Waidgerechtigkeit wurde sogar die Begasung geduldet, weil man sich vor dem Volk für verantwortungsvoll hielt, und außerdem war sie praktisch, weil man keine kalten Füße bei der Fuchsbekämpfung bekam. Dass man landesweit damit weniger den Fuchs traf, als dass man den Dachs vernichtete, hat sich erst später herumgesprochen. Denn während der Fuchs sich anpasste und von Haus aus überall Deckung sucht und relativ selten im Bau zu finden ist, war der Dachs immer zu Hause. In einer Anwandlung von Gewissensbissen hat man dann die Fuchswochen erfunden und die Jäger auf diese Weise zur Fuchsvernichtung aufgefordert. Doch man hat die Füchse dabei weniger mit Waffe und Bauhund als mit dem Schlageisen dezimiert.

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Fuchs mit Schuss

Gewiss ist das noch besser als das Giftgas. Doch wurde niemals bekannt, wie viele Füchse mit zertrümmerten Gliedern dem Gnadentod entgegenschmachteten, weil auch ein Abzugseisen niemals perfekt sein kann und wie viele schützenswerte Tierarten sich fingen bis hin zu den Adlern, die mit zerschlagenen Ständern in Fuchseisen sich zu Tode flatterten. Davon sind eine ganze Reihe Fälle registriert worden. Aber man hat auch die Schonung der säugenden Fähe von Gesetzes wegen außer Kraft gesetzt. Das was einstmals ritterliche Jagd war, ist damit zur Schädlingsbekämpfung degradiert worden,

und manchem Jäger war es so willkommen. Dabei hätte zu jeder Zeit jedermann eine säugende Fähe mit dem Glas am Gesäuge erkennen können. Wie ist es möglich, dass es Jäger gab, die diese Fähe schossen und damit in Kauf genommen haben, dass die hilflosen Welpen dem qualvollen Hungertode ausgeliefert wurden? Wer je einen bis zum Skelett abgemagerten Welpen gesehen hat, für den jede Hilfe zu spät kam, fühlt sich in ergreifender Weise an große Kinderaugen von Kindern aus der dritten Welt erinnert.

Natürlich gibt es auch viele Jäger, die absolut nicht begreifen, wieso die Grundsätze Deutscher Waidgerechtig-keit unter dem Vorwand der "Verantwortung" plötzlich nicht mehr beachtet werden und wieso es Menschen gibt, die wissentlich derartiges Elend erzeugen-. Als notorischer Hasen- und Hühnerdieb überführt und verleumdet, hat man ihn nur zu gerne als Tollwutüberträger erschossen, erschlagen, in Schlageisen gefoltert, vergiftet und vergast. Doch ohne Erfolg.

Die seit der Antike bekannte Tollwut blieb, und der lernfähige Fuchs hat sich selbst der Begasungsaktion angepasst. Die Fähen mieden zunehmend die Baue und brachten ihre Jungen unter Windwürfen, in Kanalröhren oder geschützten Nebenbauen unter Baumwurzeln auf die Welt. Jene Generation die schon den Massentod von Menschen durch Gas schweigend hingenommen hatte, erreichte einen eklatanten Reinfall beim Gasangriff auf den Fuchs. Erst 1973 brachte RA Dr. Sojka dem damaligen Landwirtschaftsminister Ertl, der selbst Jäger war, an der Fuchsfront die entscheidende Niederlage bei, als das Bundesverwaltungsgericht feststellte, dass die globale Vernichtung einer Tierart vom Gesetz nicht gedeckt sei. Jetzt erst stellte man richtiger Weise fest, dass der Fuchs zwar Opfer aber nicht wichtigster Tollwutüberträger sei, sondern kleine Nager, die aber nicht in die Statistik eingegangen sind.

Selbst 1984, dem Höhepunkt der Tollwut wurden 6935 Tiere in handlicher Größe registriert und von denen waren 3/4 oder genau 5176 Füchse was gegen den Fuchs sprach, obwohl das gefährlichste Zwischenglied der Über-tragung auf den Menschen Hund und Katze sind, wenn sie nicht geimpft wurden. Im gleichen Jahr erlegten die Jäger 186.277 Füchse - durchwegs gesunde Tiere. Die entscheidende Wende brachten erst die von Prof. Kraft zusammen mit bekannten Pharmaunternehmen entwickelte Schluckimpfung für Füchse. 1987 waren es nur noch 3720 als befallen registrierte Tiere und davon 2955 Füchse. Dem Großensatz war der regionale klinische Versuch in Freier Wildbahn vorausgegangen und hat sogar zu völlig von Tollwut befreiten Landkreisen geführt.

Obwohl es auch innerhalb der Jägerschaft massive Widerstände gegen den Gaskrieg und kalten Boykott gab, hat es lange gedauert, bis das Bewusstsein gedämmert hat, dass man dabei war das ökologische Gleichge-wicht in der Natur empfindlich durcheinander zu bringen. Denn auch ein Fuchs hat in der Natur wichtige Ausgleichsfunktionen. Denn immerhin sind seine Hauptbeute die verschiedenen Wühlmausarten, die besonders vermehrungsfreudig sind. Prof. Müller-Using hat im Magen eines Fuchses 48 Wühlmäuse gefunden und Jensen sogar 73 Mäuse. Je mehr Mäuse es in einem Jahr gibt, desto mehr Junge hat der Fuchs im Geheck, und die Fuchspopulation weitet sich aus. Ich bin zugegebener Maßen dem Fuchs freundlich gesonnen, aber ich habe dennoch keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Bejagung, wenn sie würdig ist. Ich will den Fuchs auch nicht mit einer Gloriole umgeben und ihn zum Pflanzenfresser umfunktionieren, obwohl er reife Zwetschgen genauso liebt wie weiche Birnen, und mit seiner Liebe für Trauben ist er sogar in die Fabel eingegangen. Jeder Jäger hat am Heckbau schon die Reste von Fasan und Rebhuhn, Hase und Kaninchen, Wildente und Rehkitz aber auch von Haustieren gefunden. Jeder ist aber wohl auch so klug zu wissen, dass Reinecke nach Treib-jagden Nachsuche hält und alles konsumiert was angeschossen war, dass er ausgemähte Kitze und Hasen einsammelt, überfahrene Tiere im Straßenverkehr oder Rehwild, von dem die Mehrzahl ohnehin eines natürlichen Todes in der Dickung stirbt. Auf der Schafweide habe ich ihn schon stundenlang Mistkäfer einsammeln sehen. Von besonderem Reiz ist auch, wenn er Regenwürmer fängt. Die hört er nämlich mit ihren Borstenhaaren kriechen. Er stellt den Kopf schief und lauscht. Und wenn er einen packt, dann macht er es ebenso wie Austernfischer und Brachvogel. Er hält den Wurm, der sich noch mit einem Ende in der Erde festhält auf Spannung, doch nicht zuviel, damit er nicht abreißt. Plopp gibt der Wurm auf, und Reinecke verspeist ihn.

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Fuchs im Winter

Ich will auch nicht leugnen, dass er im Winter mal einen Hasen nur mal eben so anjagt. Ist der Hase gesund, braust er davon und lässt den Fuchs weit hinter sich. Dann gibt der Fuchs auf, aber wenn es sich lohnt, fängt er den Hasen. Auch an Müllplatz und Luder weiß er sich zu bedienen. Was beim Rehwild als verpönt gilt, an der Fütterung zu schießen, beim Fuchs wird es bedenkenlos akzeptiert, nur dass hier die Kirre Luder heißt. Das ist eigentlich ein Widerspruch in der Ethik, obwohl die Jagd

am Luderschacht oder Mäuseturm durchaus fair sein kann und nicht ohne Reiz. Es muss auch nicht gleich jede Schonzeit im Gesetz stehen. Waidgerechte Jäger vertreten ihre eigene Schonzeit für den Fuchs überzeugter und konsequenter als andere eine aufgezwungene.

Wenn man ein bejagtes Tier schon nicht isst, sollte die Jagd doch einen Sinn haben. Anstelle der Trophäe, wenn man von den Fangzähnen einmal absieht, erntet der Jäger beim Fuchs den Balg, und erst wenn der verwertbar ist, sollte er die Jagd moralisch auch verantworten können. Im Oktober steht die Unterwolle bereits so dicht, dass man in vielen Ländern eine Verwertung schon durchführt. Die volle Pracht des Winterbalges mit seinen langen Grannen, hat sich aber erst Mitte Dezember ausgewachsen. Bis Mitte März bleibt er dann so dicht. Schon bei der Ranz, aber auch beim Ein- und Ausfahren, kann es abgeschabte Stellen geben.

Anfang April, das ist dann ohnehin die Zeit, wenn das Geheck gewölft wird, ist die Pracht dann dahin, und die Fähe rupft zudem die Wolle rund um das Gesäuge fort und kleidet damit ihr Nest aus. In die Zeit des besten Balges fällt während der Ranz im Januar bis Ende Februar auch die Zeit der höchsten Aktivität, und das ist auch die Zeit der besten Chance für den Jäger, der kalte Füße und eine Triefnase nicht scheut. Wie unvergesslich eine klare Winternacht bei klirrendem Frost sein kann, wenn das weit hallende Bellen der suchenden Fuchsrüden der einzige Laut ist, haben nur wenige erlebt.

In Polen ist man offenbar vielfach waidgerechter als hier und demonstriert uns die Schonzeit beim Raubwild nicht nur beim Fuchs, sondern auch beim Wolf. Hier hingegen gibt es gleich Großeinsätze, wenn einmal ein paar junge Wölfe über den Zaun geklettert sind. Die bessere Einsicht in ökologische Zusammenhänge und das Bewusstsein die Tollwut mit der Impfung im Griff zu haben, sind gute Ratgeber, wenn es darum geht, über eine Schonzeit für Füchse nachzudenken. Bei unseren klimatischen Verhältnissen sollte sie von Anfang März bis Mitte Oktober reichen. Auch eine Verfolgung rund um die Uhr hat 3/4 der vorhandenen Füchse niemals erreicht. Dieser Misserfolg zeigt, dass der Fuchs nicht einzuregulieren ist und dass eine Manipulation der Natur um Hasen und Rebhühnern zu helfen, sinnlos war. Auch mit der schärfsten Bejagung lässt sich der Fuchsbestand nicht soweit absenken, dass es Einfluss auf die Niederwildbesätze haben kann. Aber selbst wenn dieser Einfluss möglich wäre, ist es moralisch heute nicht mehr vertretbar die Natur durch überholte "Hege"-Maßnahmen zu manipulieren. Für einen Hochwildjäger ist das ganz selbstverständlich, und auch unsere Großväter haben den Fuchs noch fairer und ritterlicher bejagt als wir heute mit unserem liebenswertesten Wild umgehen.

Forstleute sind seit langem der Meinung, dass der Fuchs im Wald mehr Nutzen als Schaden stiftet. Denn die oft erheblichen Schälschäden an jungen Bäumen durch die Rötelmaus treten immer dann auf, wenn er stark reduziert ist. Keiner will deshalb die Jagd abschaffen oder Reinecke aus den zu bejagenden Tieren herausnehmen, wenn ermahnt wird, dass doch nur der waidgerecht erlegte Winterfuchs für viele von uns einen höheren Stellenwert hat als ein guter Bock. So schreibt auch Kobell schon 1859. Welch schales Gefühl hinterlässt hingegen der zerstörte Bau, die erschlagenen Jungfüchse oder das zwischen Stahlbügeln

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Fuchs im Schnee

widerlich zerquetschte Mitgeschöpf, das einst ein schmuckes Tier war. Selbst für die Jagd auf den Fuchsrüden gibt es im Hochsommer selten einen wirklichen Grund, nicht zuletzt deshalb, weil der Balg nichts taugt. Erinnert sei auch daran, dass Ernst Löns schon 1911 schreibt: Nicht allzu selten wird man den Fuchsrüden im Bau beim Geheck antreffen, denn der männliche Fuchs ist durchaus nicht der schlechte Vater, für den man ihn vielerorts zu halten glaubt. Zeigten doch auch die beiden Tierfilmer Sielmann und Schimanski im Film "Lied der Wildbahn" die Beuteübergabe des Rüden an die Fähe. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe neuerer Untersuchungen über das Sozialverhalten von Füchsen, so von Harris 1979, MacDonald 1979, Niewold 1980, Stubbe 1980 und Ziemen.

Danach ist die Fähe keinesfalls der Einzelgänger, für den man sie vielfach gehalten hatte. Es scheint mit der Selbstregulation der Fuchsdichte im Zusammenhang zu stehen, dass die vierjährigen Rüden zwar auf eigenen Pfoten wandeln, die vorjährigen Jungfähen aber noch im Mutterbau verbleiben und neben der Alfa-Fähe und dem Alfa-Rüden an der Nahrungsbeschaffung beteiligt sind. Während der Ranz sind sie für den Alfa Rüden entweder nicht attraktiv oder sie werden von der Alfa-Fähe nachdrücklich ermahnt Sitte und Anstand zu wahren und Sexspielen fernzubleiben. Die Autoren haben das zwar nicht so scherzhaft formuliert, aber doch, je nach der Methodik, einen Anteil nicht tragender Fähen von 2-52 % ermittelt.

 Eine solche Soziale Gruppe vermag natürlich den Jungen optimale wirtschaftliche Bedingungen zu bieten. Damit können sie sich in Konstitution und Zuwachs optimal entwickeln. Bringt nun ein Jäger die Sozialstruktur durch den Abschuss der Alfa-Fähe ungewollt oder leichtfertig durcheinander, zerstreuen sich die Jungfähen in alle Winde, nehmen an der Ranz teil, hecken unter irgendwelchen Baumwurzeln, aber bieten niemals die optimale Ernährung. Der Jäger der glaubt, dass er die Füchse seiner "Hege" zuliebe dezimiert hätte, hat in Wirklichkeit die Füchse vervielfacht. Zugleich hat er auch noch zu den schlechteren sozialen Bedingungen für die Jungen beigetragen, die auf Grund ihrer schlechteren Konstitution im Gefolge auch eine schlechtere Kondition haben werden und anfälliger für alle Infektionen sind und damit eine Gefahr als Überträger für die ganze Fuchspopulation werden. Damit hat der Mensch in seinem Bestreben die Unebenheiten der Natur zu korrigieren in Wirklichkeit die Natur gründlich durcheinandergebracht.

Kommt eine führende Fähe zufällig erst zu Tode, wenn die Jungen nicht mehr trinken, haben sie in der Großfamilie allerdings eine realere Überlebenschance als bei einer Einzelfähe. Füchse grenzen ihr Revier mit Gestank ab. Der stammt aus einer Drüse. Die das Revier abgrenzenden Duftmarkierungen werden in der Regel von Fremdfüchsen die vorüberwandern, akzeptiert. Sie markieren dann ihrerseits nicht, sondern wandern weiter, bis sie ein freies Revier finden und nun durch Markierungen in Besitz nehmen. So sichert schon ein starker Einzelfuchs, mehr aber noch eine sozial starke Gruppe das Revier und verhindert eine Übervölkerung auf natürliche Weise, also auch ohne das Regulieren des "hegenden" Jägers. Im Ernstfall werden Eindringlinge wütend aus dem Revier gewiesen. Füchse können in einem Revier keineswegs immer mehr werden, wie viele Jäger annehmen. Erst wenn das Revier eines dominanten Fuchses durch den Jäger frei wird, teilen es möglicherweise mehrere rangniedrigere Füchse unter sich auf. Der Eingriff des hegenden Jägers hat damit die Füchse in seinem Jagdrevier vermehrt.

Toleranter zeigen sich Füchse am Bau. Ich habe vor sogenannten Jahrhundertbauen mit 50 oder mehr Röhren schon die Spuren von Fuchs und Dachs, Marder, Iltis und Kaninchen gefunden. Die leben natürlich nicht alle in einem Kessel, sondern oftmals in ganz verschiedenen Stockwerken und Bauabschnitten. In solchen Bauen erfordert die Baujagd mit Teckel oder Terrier einen Dachsreinen Hund beim Sprengen. Denn der Jäger kann lange vergeblich auf den springenden Fuchs lauern, wenn der Hund statt dessen ausdauernd den Dachs verkläfft. Zu bedenken ist außerdem, dass der Dachs Schonzeit hat, wenn man Füchse sprengen will. In der Zeit der Jungenaufzucht sollte ein Heckbau unantastbar sein und ab Februar gleichfalls, weil dann der Dachs bereits Junge hat und das dem Hund übel bekommt. Der Fuchs wölft meist Anfang April, aber auch schon im März.

Während der ersten 3-4 Wochen des Säugens bleiben die Welpen unsichtbar. Sobald sie sich zeigen werden sie meist schon mit hochgewürgter halb verdauter Nahrung gefüttert. Später wird dann erst die Beute als Ganzes zugetragen und schließlich sogar lebend. Damit, aber auch mit ihrem spielerischen Toben können sie sich trefflich auf ihr späteres Leben als Jäger vorbereiten. Für die Meisten wird es nur kurz sein. Von den gewölften 4-6 Jungen, in guten Jahren auch bis zu 12, werden oft nur 10-15 % die ersten 4 Wochen überleben. In guten Mäusejahren sind es mehr, wenn der Jäger sie in Ruhe lässt. Was sind das wohl für Jäger, die sich an diesen Jungen vergreifen? Auch ohne Jäger wird die Lebenserwartung in freier Natur nur 6-7 Jahre sein. Je älter Fähen werden, desto mehr sinkt die Milchproduktion. Das ist bei allen Säugern gleich, dass sie mit wachsendem Alter sinkt, und Babynahrung aus der Dose kennen sie für Notfälle halt nicht.

Eine Übervermehrung der Füchse würde auch ohne den Jäger nicht stattfinden. Umgekehrt gleicht hingegen der Fuchs Verluste durch starken Jagddruck erstaunlich gut aus, weil die verbleibende Nahrung durch Abgänge vermehrt angeboten ist. Das zeigt die große Anpassungsfähigkeit der Tiere. Im Gegensatz zu allen gegenteiligen Behauptungen, die eine Regulierung für wichtig halten, haben Wissenschaftler festgestellt, dass es für die Bejagung des Fuchses und anderer Beutegreifer keine ökologische Notwendigkeit gibt und dass es nicht die Aufgabe des Jägers ist das natürliche Beziehungsgefüge zwischen Raubwild und Beute nachhaltig zu stören. Der Jäger soll sich nicht als Produzent möglichst zahlreichen Wildbrets verstehen, sondern als integrierten Bestandteil der Natur. Als solcher ist es seine ethische Entscheidung, ob und wieweit er in die Fuchspopulation eingreift und sich vom Überfluss der Natur seinen Anteil abschöpft. Das kann er sich nach allen Erfahrungen beim Fuchs sogar weit eher leisten als beispielsweise bei den Mardern. Der Fuchs hat weit unvernünftigere Eingriffe als Art überstanden als es der Beutewunsch eines Jägers ist, der ihn überlisten möchte.

Dieses Wissen soll uns aber nicht davor bewahren, behutsamer und waidgerechter mit einem Lebewesen umzugehen. Man könnte ja beispielsweise dem Vorbild unserer polnischen Nachbarn folgen und ebenfalls eine Schonzeit für Füchse einführen. Man könnte auch die Fallenjagd dahingehend kultivieren, dass man sich für Lebendfallen in tierschutzgerechter Ausführung entscheidet, und dass man keine Vernichtungsfeldzüge gegen Füchse mehr führt. Der Fuchs ist ein so anmutiges und zauberhaftes Geschöpf, dass wir ihn auch kommenden Generationen erhalten wollen.

siehe auch Junge FüchseFüchse im WinterFuchs-FabelnRotfuchs-Tagung, Ein Wildtier mitten unter uns