Im Jahreslauf: Schlohwittchen - Das Tierchen zwischen Thron und Krone
von Wolfgang Alexander Bajohr

Schlohwittchen wird seit alters her von den Menschen als ein unerhört vornehmes Tier angesehen. Ein fataler Vorzug, den es durch sein weiches schmeichelndes Fell hat, das im Winter blendend weiß ist, bis auf die schwarze Rutenspitze. Unter allen kostbaren Pelztieren ist es einzigartig und unverwechselbar. Die schwarze Rutenspitze auf dem weißen Fell dient den Menschen schon seit Jahrhunderten nicht nur als ein besonderes Kennzeichen für das Hermelin: Schlohwittchen ist auch mit Zepter und Krone, mit Gold und Purpur, blitzenden Edelsteinen und Perlen ein Emblem der höchsten irdischen Macht und Würde, als das Zeichen und die Zierde von Kaisern und Königen. Da mögen die Throne auch wanken und die Träger des Hermelin-Pelzes wechseln. Das Hermelin alleine ist so hoch angesiedelt, um

zwischen Thron und Krone zu ruhen. Hermeline sind Luxusgeschöpfe, nicht erst, wenn man sie als Stola über Perlen und Brillanten trägt. Wenn auch erst im Tode, wird dem Hermelin Schlohwittchen, die höchste irdische Ehre zuteil, die je einem Tier gegönnt wurde. So wissen also auch wir heute über seinen einstigen protokollarischen Rang sehr gut Bescheid. 

Hermelin und Mauswiesel ähneln sich
Im Sommer ist das Hermelin braun, mit weißer Unterseite. Da könnte man es mit dem Mauswiesel verwechseln, das ganzjährig sein Einheitskleid trägt. Aber das Hermelin hat jene schwarze Schwanzspitze, die dem Wiesel fehlt. Auch ist es um die Hälfte größer als jenes. Farbe und Haar sehen sich bei beiden sehr ähnlich, denn beide haben jenen braunen bis rötlich braunen Pelz nur auf der Oberseite. Die weiße Unterseite ist beim Hermelin scharf abgesetzt, beim Wiesel ausgefranst.
Erst zu Beginn des Winters verwandelt sich das Hermelin. Es zieht sein rein weißes bis elfenbein-weißes Winterkleid an, doch die Schwanzspitze bleibt weiterhin schwarz. Bis Ende November verfärbt es sich in die weiße Winterfarbe. Der Kleiderwechsel verläuft ziemlich schnell. Südlich der Alpen bleiben viele, bei uns nur einzelne jüngere Tiere, auch im Winter braun. Der Haarwechsel im Frühjahr beginnt im März und er zieht sich lange, oft bis weit gegen Ende April hin. So sind die Tierchen lange gescheckt, genauso, wie zu dieser Zeit auch ihr Lebensraum. Ihr weißes Winterkleid ist in mehreren Schichten aufgebaut mit feiner weicher und luftiger Unterwolle, aber einem straffen geraden Oberhaar, das Schnee und Nässe abhält.


Zur Biologie der beiden Wieselarten

Das Hermelin ist rund um den Norden dieser Welt verbreitet, also über Europa, Asien und Nordamerika. Die Überlebenschance der Jungen hängt vom Mäuseangebot ab. Aber auch bei reichlicher Beute und ohne den Einfluss von Menschen liegt die Lebensdauer selten über 2-3 Jahre. Das Hermelin ist ein Tier meines Gartens, wo es viele Mäuse gibt, doch fürchtet es die beiden Terrier und verkriecht sich daher unter dem Gerätehäuschen.
Mit 24-31 cm Körperlänge und einem Schwanz von 9-14 cm ist das Tier um die Hälfte länger als das Wiesel und der Schwanz ist gar doppelt so lang. Der Hermelin-Rüde wiegt 440 g. Das ist mehr als doppelt soviel wie ein Mauswiesel-Rüde, der etwa genauso viel wiegt wie die Hermelin-Fähe.
Das Hermelin oder Großwiesel (Mustela erminea) ist der nächste Verwandte des Mauswiesels (Mustela nivalis) und gehört zu den Marder-Arten. Beide sind besonders gut an die Jagd in den unterirdischen Mäusegängen angepasst. Bei Schlohwittchen, dem Hermelin, beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 24-31 cm, die Schwanzlänge 9,5-14 cm. Beim Hermelin ist die Schwanzspitze immer schwarz, beim Mauswiesel nie. Fähen sind deutlich kleiner als Rüden.

Hauptnahrung sind für beide alle Wühlmausarten, die sie bis in die Gänge verfolgen, gelegentlich Vögel und Insekten. Örtlich sind Wildkaninchen eine Ersatzbeute, doch lässt sich sonst die behauptete Jagdschädlichkeit im behaupteten Umfang durch Magenuntersuchungen nicht beweisen. Entgegen der Darstellung in vielen Büchern, erfolgt die Ranz beim Hermelin im Hochsommer. Die Entwicklung der Jungen erfolgt erst nach einer Keimruhe im Spätwinter. Die 6-7 Jungen werden meist im Mai geboren und sind weiß. Mit 5-6 Wochen öffnen sie die Augen, und mit 3-4 Monaten werden sie selbständig.


Voller Anmut, aber ein gnadenloser Jäger

Neben dem nahen Verwandten, dem Wiesel, ist kaum ein anderes Tier als das Hermelin dazu ausersehen, den Menschen in allerhöchstes Erstaunen und Entzücken zu versetzen. Schlohwittchen hat die Gabe der Allgegenwart, aber es scheint Tarnkappen zu tragen. Es ist in einer intakten Natur allgegenwärtig, aber man sieht es selten. Es kann überraschend erscheinen und spurlos verschwinden.

Es lebt oft mit uns im Einklang und im gleichen Haus, in Schuppen und Scheunen. Falls man es überhaupt sieht, ist es blitzesschnell wieder fort. Mehr noch als das Wiesel turnt und klettert es nach Marderart auch in Büschen und Bäumen, in Felsen und Steinhaufen, altem Gemäuer, Heuhaufen und Holzstapeln. Es richtet sich auf Mäusejahre ein, folgt den Spuren von Ratten und Mäusen zu Land und im Wasser. Es ist ein Jäger mit ganz feinen Sinnen, wie sie ein Jäger braucht, der von der Jagd leben muss. Rasch entschlossen und verwegen, voller Passion und Jagdbegierde.
Schon Konrad Geßner weiß in seinem 1551-1558 veröffentlichten zoologischen Monumentalwerk Historia animalium von Angriffen des Hermelins auf Hasen zu berichten: "Den Hasen soll er listiglich nachstellen, dann es spilt und schimpft ein weyl mit jm, un so er müd, sich der feyndschafft nit versiht, so springt es jm an seinen halß und gurgel, hangt, truckt und erwürgt jn, ob er gleich in dem lauff ist."
Dass es gelegentlich Junghasen reißt, will ich gelten lassen. Althasen, die an Parasiten oder vielerlei Krankheiten leiden und darum nicht flüchten, weiß es sicher auch von gesunden Hasen zu unterscheiden. Es wäre denkbar, dass es diese ohnehin todgeweihten Hasen reißen könnte. Ob es den Todesritt auf dem flüchtenden Hasen mit einem in den Hals verbissenem Wiesel wirklich gibt, ist zweifelhaft. Ich fürchte daher, dass die Legende von Geßner immer wieder abgeschrieben wurde.

Doch existieren noch mehr solche Schauergeschichten, so die vom Bussard, der ein Hermelin schlagen wollte und selber auf der Strecke blieb. Da wird vom Teichhuhn geschrieben, das selbst nicht viel schwerer ist als ein Hermelin und mit ihm durch die Lüfte gesegelt sein soll. Da ist die Geschichte vom Adler, der verdammt ist bis an das Ende seiner Tage einen in Hals oder Brust verbissenen gebleichten Hermelin-Schädel mit zu tragen. Tollkühne Jäger sind sie ja, und einen Löwenmut haben sie auch, so dass sie vor wenigem zurückschrecken. Ganz sicher schlüpfen sie auch in die Baue von Wildkaninchen,

um die Jungen aus dem Nest zu holen. Doch kann ihnen eine aggressive Kaninchenmutter schon ganz schönen Ärger bereiten, wenn sie um ihre Kinder kämpft. Dennoch gibt es Gegenden, in denen das Hermelin überwiegend von Wildkaninchen lebt, weil es dort wenig andere Beute gibt. Die normale Nahrung sind aber alle Wühlmausarten bis zur großen Wühlmaus, die auch Wasserratte heißt und der sie bis in den Bau am Wassersaum folgt. Auch die Wanderratte hat gegen ihren blitzschnellen Biss ins Genick keine Chance. Wer ein Hermelin in Haus und Garten hat, der darf sich glücklich schätzen, weil sie die allernützlichsten Tiere sind, die den Garten frei von Wühlmäusen halten und den Kompost von Ratten säubern. Man sollte sich an die Zeiten der Völkerwanderung erinnern, als es noch keine Hauskatzen gab. Damals waren alleine Mauswiesel und Hermelin die Freunde des Menschen, weil sie seine Vorräte geschützt haben.

Krieg gegen Schlohwittchen
Das scheint heute vergessen zu sein. Denn der allergrößte Feind von Wiesel und Hermelin, Fuchs und Luchs, Wildkatze und Marder, Greifvogel und Eule, sind ausgerechnet jene Menschen, die als besonders naturverbunden gelten: Waldbesitzer und Forstleute. Anstatt auf ihre natürlichen Helfer zu vertrauen, haben sie sich in der Forstschule von irgendwelchen Theoretikern beibringen lassen, dass man Mäuse in den Neupflanzungen im Wald massiv mit Gift bekämpfen müsse, um den geplanten naturnahen Wald hochzubringen. Offenbar haben sie über ihrem Naturwald die Tiere, die darin leben, total vergessen. So sterben ihre besten Helfer im Wald kläglich an dem Gift, das sie zusammen mit den geschädigten Mäusen aufnehmen. Nicht nur durch Schrot und Falle, sondern durch Gift stirbt vor allem auch Schlohwittchen ganz leise und kläglich, ohne das auch nur ein einziger Schuss gefallen ist, am Mäusegift mit den Beutetieren.

Hier werden sie aus Gedankenlosigkeit gefährdet. Doch auch unter den Jägern gibt es eine Gruppe, welche die Unebenheiten der Natur ganz bewusst wie ein grüner Gott regulieren will und auch stolz darauf ist. Sie übertragen das Prinzip der industrialisierten Landwirtschaft mit ihrer Schädlingsbekämpfung in Monokulturen auch auf die Natur, um neben die Monokultur in Wald und Flur auch noch die jagdliche Monokultur zu stellen. Schlohwittchen wird oft entgegen dem Gesetz sogar unter Missachtung von Schonzeiten bekämpft. Eine kleine Anzahl von Niederwildjägern will die Tiere mit allen sich bietenden Mitteln vernichten. Ihr Ziel sind höhere Abschusszahlen: mehr Rebhühner, mehr Fasane und noch mehr Hasen.

Jagdversender bieten das Werkzeug dafür an: Fangeisen und Wippbrettfallen. Die Wippbrettfalle gibt es im Dutzend billiger. Zusammen mit der Betriebsanleitung wird verkündet, wie viele davon man auf welcher Fläche verteilen soll, um die höheren Niederwildstrecken zu erreichen. All das geschieht, obwohl man aus Blases Lehrbuch für die Jägerprüfung eigentlich doch gelernt haben müsste, dass diese Fallenart nach dem Bundesjagdgesetz verboten ist, da sie weder unversehrt fängt, noch sofort tötet. Dort wird auch erläutert, dass in der Falle das Hermelin im engen Fangraum binnen einer halben Stunde einen mehr oder weniger qualvollen Tod am Adrenalinschock stirbt oder verdurstet. Obwohl das den Jagdherren bekannt ist, erhalten manche Berufsjäger in ihren Anstellungsverträgen die Zahl der zu vernichtenden Hermeline vorgeschrieben. Wenn sie zu ihrem spärlichen Gehalt einigermaßen dazuverdienen wollen, sind sie auf die zusätzlichen Fangprämien ihrer Jagdherren angewiesen, und wer nicht spurt, fliegt ohnehin raus. Neuerdings müssen Fallensteller in Bayern einen gesetzlich vorgeschriebenen Kurs besuchen und eine Prüfung ablegen. Das ökologische Grundproblem wird damit freilich nicht gelöst, dass man das Lebensrecht einer so nützlichen Tierart infragestellt. Dieser bezaubernde Charme von Schlohwittchen sollte eigentlich genügen zu zeigen, daß die ehrliche Jagd die Liebe zu allem Lebendigen ist. Beim Hochwildjäger wird durchwegs der Krieg gegen Schlohwittchen abgelehnt.

Kritik an der Wippbrettfalle bedeutet auch keinen Vorwurf gegen den, der einmal im Jahr mit der Waffe ein Hermelin überlistet und erlegt, denn es wird den Bestand dieser Tiere nicht gefährden. Der grüne Jäger muss sich nur bewusst sein, dass es um das Naturerlebnis der Jagd auf den weißen Kollegen Jäger geht, den er überlistet. Dass diese Jagd biologisch nicht notwendig ist, sollte er wissen, dass er also in der Natur mit seinen Wünschen nur geduldet ist. Einige Länder der EU haben die Konsequenz schon gezogen. Die Mäuse- und Rattenfänger Wiesel und Hermelin haben dort ganzjährige Schonzeit. Auch wer ein Niederwildrevier hat und sich nicht fügen will, sollte bedenken, dass es nichts hilft in einem Gebiet ein biologisches Vakuum zu schaffen, das sich aus der Zuwanderung in die frei gewordenen Reviere immer wieder auffüllen wird.


Wo es kein Hermelin mehr gibt, ist auch die Jagd des Jägers zu Ende

Wo das Hermelin jagt, haben die Wühlmäuse keine Chance mehr. Wenn der Lebensraum in Ordnung ist, es noch oder wieder Hecken gibt und Steinhaufen, da spielt das Großwiesel eine untergeordnete Rolle, denn es ist genug Beute für alle da. Dort in dem Dickicht lebt es gerne, unter Brombeeren, Weißdorn und Heckenkirschen, Schlehen und Hasel, denn da finden sie neben Mäusen und nochmals Mäusen auch Vogelbrut im Überfluss, Eidechsen, Käfer, Grillen und andere Insekten. Sie leiden dort auch im Winter nicht Hunger und essen doch dem Jäger nichts weg.

Da mag der in der Wildkirsche sitzende Turmfalk vielleicht ärgerlich werden, wenn das Hermelin vor seinem Schnabel schneller ist und zufasst, noch ehe der Rüttler sich entschließt. Eben noch hat das schlanke Hermelin wie ein Pfahl sichernd Männchen gemacht, schon ist es mit einem Satz des sich wie ein Flitzebogen krümmenden Rückens vor die Maus geschnellt und fasst mit nadelspitzen Zähnen zu. Kaum ist das weiße Tier im Schnee zu sehen, denn nur die blanken Kulleraugen blitzen verwegen, das Näschen ist braun und schwarz das Schwänzchen, aber sonst ist Tarnfarbe angesagt. Mit der Maus im Fang hüpft das Großwiesel im Schnee weiter. Bei jedem Hüpfer setzt es die Pfötchen paarweise in den Schnee, und es springt auch mit den Hinterpfötchen exakt in die Paarspur der Vorderpfötchen. So eine Hermelin-Spur im Schnee ist unverwechselbar. Dort wo die Schneeschicht ein wenig fester ist und eben, lässt Schlohwittchen die Maus noch einmal rennen, rein aus sportlichen Gründen, denn die hat keine Chance zu entkommen. Ein, zwei, drei Sprünge, und schon hat das Hermelin sie wieder erhascht. Das ganze Spiel wiederholt es mehrfach, ein grausames Spiel für die Maus, doch ein Fangtraining für den Jäger.

Er hat wohl auch keinen Hunger und verschwindet mit der Beute in seiner Vorratskammer im Steinhaufen. Da lagert Beute für kühle, nasse und windige Tage in einem alten Drainagerohr. Wenn die Beute nicht sichtbar ist und das Wiesel nicht jagen kann, lebt es aus seinem Kühlschrank und muss nicht hungern. Dann hopst es weiter, richtet sich immer wieder sichernd wie ein weißes Schlänglein auf und mustert die Umgebung aus den dunklen funkelnden blanken Knopfaugen. Es hüpft wieder weiter, sichert abermals hoch aufgerichtet, und wiederholt das ständig, buckelig hopsen und dazwischen immer wieder sichern.

Wo die Brücke über den Bach geht, haben im Herbst die Mähdrescher Körner verloren, und der Platz ist schneefrei. Dort versammeln sich gerne einige ziehende Feldlerchen, die früh von der Reise zurück sind. Schlohwittchen macht einen blitzschnellen Sprung. Mit Angstschrei toben die Lerchen davon, aber eine davon endet todsicher zwischen den spitzen Zähnen des Großwiesels, das die Beute wieder im Steinhaufen verstaut für die erwähnte unfreundliche Witterung an kalten Tagen. Weiter geht der Jagdausflug. In der Randfurche am Acker hopst es in der Deckung lang. Da, ein schwarzer Schatten, aber es erschrickt nur vor einer Saatkrähe, die dort herumstochert. So sucht es jetzt Deckung unter einer großen Scholle, aber die Krähe interessiert sich nicht. Da verschwindet das Wiesel noch einmal, doch jetzt unter dem Schnee in einem Mäusegang, kommt heraus und sichert wieder, um abermals unter den Schnee abzutauchen. Das wiederholt sich. Für die Jagd in den Gängen ist das Hermelin perfekt gebaut. Ihre kurzen Beine und der schmale Körper werden durch die Länge mehr als ausgeglichen. Sie können wie eine Würgeschlange auch eine Beute mit ihrem Körper umschlingen und besser festhalten, wenn es sein muss. Der überschlanke Körper ist behände und von einer unfassbaren Geschmeidigkeit. Alles an diesem eleganten Räuber ist Muskel, ist Sehne, Biegsamkeit und Kraft. Der Hals hebt sich kaum ab. Wenn es rennt, biegt und streckt sich der Rücken wie ein Bogen, der das Tier in weiten Sprüngen blitzschnell dahin schießen lässt, dass es dem Auge schwer fällt ihm zu folgen. So fängt es die schwerfällige Wanderratte immer und tötet sie mit raschem und sicherem Biss ins Genick.

Bei Magenuntersuchungen hat sich gezeigt, dass sie Mäuse, Mäuse und nochmals Mäuse darin hatten, doch auch Reste von Käfern, Heuhüpfern, Fliegen und deren Maden, aber auch die dicken Eulen-Schmetterlinge. Die Frage nach der Jagdschädlichkeit hat sich nur in ganz wenigen Fällen bestätigen lassen, und auch da ist nicht sicher, wie krank die erjagten Tiere waren. Großwiesel jagen bei Tage und Nacht, doch überwiegend tagsüber.

In der weißen Pracht, die alles Leben im Winter verbirgt, ist es gar nicht so einfach, den weißen Tieren mit den Blicken zu folgen. Einen Tag später, nachdem der Föhn Tauwetter bringt und den Schnee fortgewischt hat, ändert sich das. Dann hat die weiße Tarnung ihren Sinn verloren, denn das Wiesel ist auf braunen oder grünen Wiesen kilometerweit zu sehen. Jetzt muss das Hermelin schon sehr aufpassen, dass es nicht zu weit hinausgeht, denn sonst fängt es der Habicht. Der kann ihm schon gefährlich werden, und da hilft Selbstbewusstsein und Tollkühnheit ihm nichts mehr.

Es hat Feinde, aber keinen Feind, der ihm wirklich Furcht einflößt, und die Kampfbereitschaft ist auch in der Not ungebrochen. Doch ist es wohl ein Schock, der die sonst nur für die Reviermarkierung gebrauchte Stinkdrüse veranlasst, sich schlagartig zu entleeren. Ein penetranter Mardergestank, der Jagdhunde mit Ekel erfüllt. Mein Jagdterrier Clown hat ein Hermelin vor Jahren wenigstens 10 x um einen Baum gejagt und es damit wirklich in panische Schrecken versetzt, denn es bellte, stank infernalisch und schrie keckernd, dass es sich anhörte wie das Scheckern einer Elster. Da hat das Wiesel sich schließlich hinter einen Zaun retten können und erst einmal hechelnd gerastet. Als ich drüberschaute und es trösten wollte, hat es mich angefaucht und gezischt wie eine Schlange.

Den Menschen gegenüber ist das wild lebende Hermelin oft von einer faszinierenden Vertrautheit. Wir haben in den Südalpen eine Zeitlang eine Hütte auf 2000 m Höhe bewohnt. Diese Hirtenhütte haben wir mit Schlohwittchen geteilt. Es hauste im Holzkeller, unter der Holzterrasse im Gerümpel aber auch im Holzstapel davor. Morgens ist es herausgeschlüpft und auf die Jagd gegangen. Nachmittags, wenn wir auf der Terrasse saßen und Kaffee tranken, kam es zurück, um ohne Scheu vor uns in sein Nachtlager zu schlüpfen. Es kam immer am Zaun entlang und über den Holzstapel, zögerte kurz, richtete sich sichernd auf und verschwand direkt unter unseren Füßen. 

Zuweilen habe auch ich Großwiesel heran gemäuselt. Dazu muss ich die Lippen spitzen, mit der Hand abschirmen und die Luft zwitschernd zwischen Lippen und Zähnen durchziehen. Das klingt dann wie das Zwitschern der Mäuse. Da eilt Schlohwittchen zuweilen ganz nahe heran und verhofft auf  drei Schritte vor dem Menschen, um auf den nächsten Mäusepfiff zu warten und zuzustoßen. Natürlich kommt der Pfiff nicht mehr, und es merkt auch, dass es unheimlich stark nach Menschen riecht.

Der Drang von uns Menschen, uns mit den schönsten und liebenswertesten Tieren zu verbinden, ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Ohne Scheu und Furcht nebeneinander zu leben, ist etwas wundervolles, je bezaubernder so ein Tier ist. Schlohwittchen, das Hermelin, kann diese große Sehnsucht nach der harmonischen Zwiesprache zwischen Mensch und Tier erfüllen.

Fotos A. Limbrunner und W. A. Bajohr