Im Jahreslauf: Der  Iltis macht sich unsichtbar.
Schonung für den Wühlmausschreck und Rattenfänger vom Maisinger See

von Wolfgang Alexander Bajohr

Iltis.Moos.jpg (31892 Byte)
Iltis

Das ist ein kleines heimliches Moor hinter dem Maisinger See. Weil  es zum See hin tückisches Schwingmoor ist und Naturschutzgebiet obendrein, traut sich niemand hier hinein. Von den alten Rehböcken, die sich in den Moorlatscheninseln in die Urwaldstille der Erlenbruchwälder am Rande zurückziehen, stirbt so mancher unbekannt und unerkannt eines natürlichen Todes. 

Hier ist es ruhig und kühl. Was man im Vorfrühling hört, ist das tiefe Quarren der Spring- und Grasfrösche in den Moorgumpen. Fast nie kommt ein Mensch in diese Wildnis, in der neuerdings auch wieder die Wildschweine hausen, die man wohl fährtet, aber niemals sieht. 

Iltis.Wiese1.jpg (41229 Byte)

Der ganze Bruchwald ist eine einzige Naturverjüngung. So naturnah wie dieser Moorbirken-Erlen-Wald sich selber pflanzt, sinkt er auch eines Tages in das Moos und lässt sich überwuchern. Als man vor Jahren versucht hat, einen geschlagenen Baum mit Pferden herauszuschleppen, sind sie bis an den Bauch versunken, und man hatte Mühe sie zu retten und aus dem abgrundtiefen Moor herauszuziehen. So ist das hier, auch ohne dass man es offiziell so nennt, nicht nur ein Naturschutzgebiet, das sich selber schützt, und zugleich ein Naturwaldreservat, das niemand bewirtschaftet. Es ist die rechte Mischung aus Aspen und Erlen, Eschen und Moorbirken, Moorkiefern und Vogelbeeren, Eichen und Faulbaum. Nur auf den Buckelinseln im Moor, auf festem Untergrund, da gibt es Heidelbeerdickicht, Zwergbirke und auch einzelne uralte Fichten. Uralt, weil sie wachsen und gedeihen dürfen, bis ein Sturm sie niederwirft. In den Wurzelballen finden dann Zaunkönig und Rotkehlchen Unterschlupf für ihre Nester. In damit aufgerissener Gumpe aber sammelt sich das braune Wasser. Laichplatz für Erdkröten und Springfrösche. Die Lichtung aber, die der Sturm geschlagen hat, wird bald überwuchert von Pionierholzarten, dem Moorbirkenanflug, Eschen und jungen Schwarzerlen. Es wäre ein guter Elchwald, und der Elch wäre auch nötig, um die Lichtungen offen zu halten für Vögel, die sich nur kurze Zeit hier ansiedeln können, wie Grau- und Mittelspecht. Auch Triller und Trommler der Schwarzspechte hallen durch den Urwald. Aber sie können nur an seinen Rändern auf den Hängen der Toteislanschaft leben, und sie weichen, sobald die natürlichen Lücken im Wald sich schließen. Auf dem Torfboden lässt sich gut durch den stillen Urwald schleichen. Doch man braucht selber Habichtsaugen und Fuchsohren, um etwas zu entdecken.

Iltis.Totholz.jpg (54692 Byte)

Wo der Bach aus dem Moor fließt, springen Forellen. Seltsam, Forellen in einem Moorbach. Die sauere Wiese neben dem Moor schmückt sich im Frühling mit unendlich vielen pinkfarbenen Mehlprimeln, azurblauem stengellosem Enzian und den goldgelben Sonnenkugeln der Trollblumen. Dort blühen zu Tausende

Orchideen, breitblättrige Knabenkräuter. Am Bachrand stehen dunkelviolette Akelei und die strahlenden lila Dolden der Akeleiblättrigen Wiesenraute, aber auch die echte Wiesenraute. Am Moor-Rand brütet die Wacholderdrossel. Viel kleines Vogelvolk schmettert aus voller Kehle. Tags kreist jauchzend der Bussard. Durch die Wildnis jagt der Sperber, und der Raubwürger sitzt im Moor auf seinen Warten. Nachts heult und juchzt in den Hängen der Waldkauz. Auf den Wiesenhängen gibt es eine Unzahl von Mäusen.

Aber noch ein nächtlicher Gast ist mir am Bach, der sich tief in die Hänge geschnitten hat, wiederholt hier begegnet. Zuerst habe ich nur seine Spur im weichen Moorboden auf dem Steig gefunden. Sie ist gut ein Drittel kleiner als die Spuren von Baum- und Steinmarder, und man sieht in den einzelnen Trittsiegeln im Moorschlamm, dass die Fußsohle nicht behaart ist. Mal sind es Zweiersprünge

Iltis.gras.jpg (54607 Byte)

wie bei einem Steinmarder, dann aber schlängelt sich die Spur dahin, als sei das Tier gehoppelt, dann wieder gesprungen. Der Wechsel zwischen wenigen Sprüngen und Krabbelspur sieht so aus, als sei hier ein besoffener Marder den Steig entlanggetorkelt.
Das muss ein Iltis sein, den man auch nach seiner wichtigsten Beute den "Ratz" nennt. Weil ich oft hier umeinander pirsche, bekomme ich den Erdmarder dann endlich zu sehen. Alle seine Bewegungen sind gewandt, rasch und sicher. Er klettert offensichtlich selten auf Bäume und bewegt sich hauptsächlich bucklig in kurzen Sprüngen dahin und krabbelt mit seinen kurzen Beinen oft mehr als er hüpft. Er versteht meisterhaft zu schleichen wie eine Katze und unfehlbar nach der Beute zu springen. Er schwimmt und taucht im Moorbach und macht von allen Mitteln Gebrauch, die ihm nützlich sind. So fängt er auch einmal ein Fischlein oder taucht mit einem Springfrosch wieder auf, den er an Land hin- und herrollt, ehe er ihn schmatzend verzehrt. Wahrscheinlich streift er damit den Schleim ab. Der Iltis bewegt sich vergleichsweise langsam mit nach Marderart hochgebogenem Rücken mehr gehend als springend, und er ist auch gar nicht besonders scheu, wenn ich still stehe oder auf dem Ansitz hocke. Dann erkennt er mich nicht, doch scheint er behutsam und listig, vorsichtig und misstrauisch zu sein, denn seine Nase ist vorzüglich, und er weiß sie auch zu gebrauchen. Noch besser ist sein Gehör, er reagiert auf den leisesten Laut. Die Anwesenheit im Waldesdickicht verrät er durch anhaltendes Geraschel und er springt auch im Dürrgras getarnt nach für ihn ebenfalls unsichtbarer Beute zielsicher und erfolgreich.

Iltis.Baum.jpg (31299 Byte)

Kaum jemand kennt den Waldiltis (Mustela putoris L.). Das aber liegt an der Art seines meist verborgenen Lebens, tief in der undurchdringlichen Vegetation in Wassernähe und auch daran, dass er nächtlich häufiger pirscht als am Tage. Selbst Jäger kennen ihn meist nur tot, wenn er nebenbei und eher versehentlich in den nicht selektiven Totschlagfallen verunglückt. Doch hier hat der Jäger seinen Spaß am Iltis und er kennt auch dessen Bau. Der Iltis ist etwa so groß wie eine

kleine Steinmarderfähe, etwas größer als der Rüde eines Hermelins, mit dem er auch nahe verwandt ist. Charakteristisch ist seine typische Mardergestalt mit langem Rumpf und kurzen Beinen. Der Schwanz ist buschig, aber kürzer als bei den anderen Marderarten. Um Kinn und Schnauzenspitze ist ihre schwarzbraune Knopfnase gelblichweiß eingerahmt, hinter den Augen und vor beiden Ohren sind große, ebenfalls gelblichweiße Flecken im sonst dunklen Pelz, aus dem die kleinen runden Öhrchen ebenfalls hell gerandet herausragen. Sie lassen das Gesicht lustig aussehen, wie bei einem Pandabären. Sonst wirkt sein Fell dunkelbraun, aber das ist nur das Grannenhaar, und es steht locker, so dass überall die helle Unterwolle durchscheint. Nur am Bauch ist er ganz dunkel. Mit frechen Knopfaugen schaut er verwegen in die Welt.

Bauernfreund Iltis lebt von der Jagd
Ähnlich wie ein Steinmarder, lebt der Iltis gerne auch in Menschennähe, wenn es dort Ratten und Wühlmäuse gibt. Es ist nicht zu vertreten, ihn überhaupt zu bejagen. Bei den Landwirten steht er gewöhnlich als Rattenfänger hoch in der Achtung, und sie erklären ihn auch dann noch für unschuldig, wenn er sich mal an

Iltis.Schnee.jpg (38030 Byte)

einem Haustier vergreift. Denn vom Standpunkt des Bauern ist der Waldiltis das nützlichste Tier, das er sich wünschen kann. Nützlich vom Menschenstandpunkt darum, weil er ein Spezialist ist, der wehrhaft auch große Wanderratten überwältigen kann, handlich und schlank genug ist, um ihnen auch in die entlegenen Baue zu folgen. Daneben hat er sich auf die "Wasser-Ratte" spezialisiert, die identisch ist mit der großen Schermaus, die Bauern und Gärtner zur Verzweiflung bringen kann. Der Iltis ist kein wilder Jäger, sondern ein systematischer Stöberer, der gründlich absucht und jagt. Je nach Gegend können die Schermäuse bis zu 89 % seiner Beute ausmachen. Die übrigen Mäuse, einschließlich der Ratten und Bisam können bis zu 51 % an der Beute erreichen. Wo es Wildkaninchen gibt, jagt er auch sie im Bau, ebenso Hamster, Ziesel und ganz nebenbei auch einmal einen für ihn günstig brütenden Vogel. Doch das ist eher Zufall. Regenwürmer, Fische oder Aas vom Komposthaufen nimmt er gelegentlich, aber Frösche sind seine Leibspeise. Wo er auf dem Bauernhof lebt und jagt, unterscheidet er nicht zwischen einer Ratte und einem Küken. Aber es liegt ja an uns, dass wir dafür sorgen, dass er nur das fängt, was wir zulassen wollen. Den Iltis laufen zu lassen, macht weniger Mühe, als ihn zu fangen. Wo man sehr von Mäusen und Ratten geplagt ist, tun die verpachtenden Jagdgenossen sogar gut daran, wenn sie in den Pachtvertrag eine Klausel aufnehmen, die für alle Mäusefresser eine ganzjährige Schonung sichert.

Iltis.see.jpg (33125 Byte)

Eines Tages mache ich im Moor einen seltsamen Fund. Unter einer Baumwurzel in einer kleinen natürlichen Höhle sind einige Dutzend Frösche und Kröten zusammengesammelt. Allen ist das Rückrat durchgebissen. Die Amphibien sind bewegungslos, viele von ihnen leben noch. 

Bei einigen ist die Oberschenkelmuskulatur angefressen. Grausig, und doch unterscheidet es sich von den halb verzehrten, zerfetzten Fröschen, die Vögel oft hinterlassen. Der Iltis arbeitet sauberer, denn er ist es, der hier seine Vorratskammer angelegt hat. Unklar ist der Wissenschaft, warum das geschieht, denn eindeutig hat er alle gesäubert, hat sie gerollt und durchgewalkt, um den Schleim nicht essen zu müssen. Fachleute neigen dazu, es für ein Vorratslager zu halten. Andere meinen es sei ein Zufall, und dass hier der Iltis nur gearbeitet habe, um seine Beute zu säubern, aber nicht aufhören konnte. Wer damit Recht hat, werden wir nie erfahren. Man findet solche Beutelager selten, und auch ich habe sie in Jahrzehnten Tierbeobachtung nur zweimal entdeckt. Die Regel scheint es also nicht zu sein. Entweder legt er diese Lager im Frühling anlässlich der Laichversammlung von Amphibien an, dann liegt auch Laichklumpen auf den Wiesen, die man "Sternschnuppengallerte" nennt. Oder er frisst sich im Herbst rund und voll am Überfluss, aber er hört danach nicht auf, weiter zu jagen.

Iltis.Baumsstumpf.jpg (31509 Byte)

Den kleinen Nagern jagt er immer dann nach, wenn sie aktiv sind, und das ist oft in der Dämmerungszeit. Er kann sie mit dem Gehör auch bei Dunkelheit genau orten und springt sie gezielt an. So kann er zuweilen nicht gleich den tödlichen Biss setzen, sondern drückt sie erst mit den Vorderbranten nieder und beißt in den

Rücken, greift aber rasch nach, um den tödlichen Nackenbiss anzubringen. Es ist die gleiche Art, eine Beute blitzschnell zu töten, wie bei den nahen Verwandten Mauswiesel und Hermelin. Nur wenn er hungrig ist, schneidet er seine Ratte sofort an, sonst trägt er sie in die Deckung. 
Auch für die nur 650 g leichte Iltisfähe und den 1-2 kg schweren Rüden, die zwischen 30 und 40 cm lang sind, ist eine große Wanderratte oder das Wildkaninchen eine Beute, die ihn fordert. Sie umklammert er nach dem Angriff gerne mit den Vorderbranten, setzt seinen tödlichen Nacken-Biss an und lässt sich dann mit der zappelnden Beute auf die Seite fallen. Dabei strampelt er mit den Hinterbranten gegen den Rücken der Beute, damit sie den Halt auf dem Boden verliert und das Genick brechen kann. Solange er sie rücklings umklammert, schafft die Beute nicht mit messerscharfen Zähnen zurückzubeißen oder mit dem tödlichen Reiter zu flüchten. Ob diese Tötungstechnik schon angeboren ist, wissen wir nicht. Es scheint zweifelhaft, denn junge Iltisse beherrschen sie noch nicht und müssen sie erst lernen. Auch Umgang mit Giftschlangen ist Übungssache. Doch scheinen sie gegen den Biss der Kreuzotter immun zu sein, oder die Otter schafft es nicht, die Zähne durch das Fell zu schlagen. Ich habe mir erzählen lassen, dass sie oft böse und wiederholt zugestoßen und gebissen hat, ohne dass der Iltis Folgen zeigte. Er hat den Kopf der Otter zermalmt und hat sie dann vom Schwanz her aufgegessen.

Wenn der Iltis Hochzeit hält
Unser Waldiltis ist ein Stinktier. Die Analdrüse ist aber auch praktisch, weil er damit sein Revier und insbesondere die Schlupfwinkel gegen die Konkurrenz markiert. Wenn ab März die Ranzzeit naht, haben sie das besonders nötig. Sie rutschen

Iltis.Wiese.jpg (30591 Byte)

dabei mit dem Hinterteil am Boden herum, markieren aber auch mit Urin. Sie können schon im Februar mit der Ranz beginnen und die kann dann bis Ende Juni dauern. Eine Keimruhe, wie die anderen Marder, haben sie nicht. Da sie ihr Revier markieren, sind sie also territorial, und man hat herausgefunden, dass sie ein Streifgebiet zwischen 50 und 1000 ha für sich alleine beanspruchen. Was passiert, wenn sich zwei Iltisse in einem Revier zur Ranzzeit begegnen, habe ich einmal beobachtet. Sie bewinden mit der Nase die Analregion und muckern dabei im Staccato. Nach 9 Monaten sind Jung-Iltisse geschlechtsreif geworden, und so stellt sich zuweilen die Frage nach dem eigenen Revier. Auf einen Ernstkampf haben es aber auch Rüden kaum abgesehen, denn einen Beschädigungskampf kann sich ein Tier, das von der Jagd lebt, kaum leisten.

So machen sie dann einen Katzenbuckel, zischen sich gegenseitig mit geöffnetem Fang an und versuchen, Hals und Kopf aus der Angriffsposition zu drehen, so als ob sie sich angewidert abwenden. Wird es wirklich ernst, greifen sie sich fast gleichzeitig und blitzschnell an und versuchen sich gegenseitig am Hals zu packen. So eine Balgerei ist stumm, dauert etwa 15 Minuten und endet so plötzlich wie sie begonnen hat. Der Unterlegene legt sich flach auf den Boden und droht bei weiterer Annäherung durch Zischen.
Es ist kaum zu erkennen, ob es ein Kampf zwischen Rüden oder ein Kennenlernspiel zwischen Fähe und Rüden war. Die Ranz erfolgt nach Marderart mit Getöse und ist nach menschlichem Ermessen recht wild. Der Rüde packt die Fähe mit Nackenbiss, zerrt sie einige Meter mit sich fort und löst mit dieser rüden Behandlung möglicherweise erst den Eisprung aus, denn sie äußert sich freudig erregt. Wenn es dann soweit ist, dass der Iltisrüde zum Handkuss zugelassen wird, zeigt er sich als Genießer, denn die beiden kuscheln und klammern sich wenigstens 2 Stunden lang, auf der Seite liegend, aneinander.

Nach 42 Tagen werden zwischen 2 und 7 Welpen geboren, hilflos und blind, 7 cm lang und 7-10 g leicht. Erst nach 4 Wochen öffnen sie die Augen, und schon vorher bekommen sie zusätzlich zur Milchspeise auch feste Beutenahrung, also Fleisch. Für die ersten 3 Wochen haben sie einen dünnen silbrigweißen Babypelz, den sie ab der 3. Woche wechseln und somit umfärben. Gesäugt werden sie 6 Wochen lang, und sie wachsen schnell. Denn mit 4 Monaten sind sie schon so groß wie die Eltern. Dann werden sie selbständig, aber die Familie bleibt gerne noch den Rest des Jahres beisammen. Geschlechtsreif werden sie mit 9 Monaten, und damit ist es Zeit, in ein eigenes Revier umzuziehen.

Iltis.hoh.Baumstumpf.jpg (49368 Byte)

Feindberührung
Leider überleben trotz Familiensinn zwischen 70 und 90 % der Welpen nicht das erste Jahr, denn vielfältig sind die Gefahren und die Kinderkrankheiten. In Feuchtbiotopen gibt es immer eine Menge Parasiten, die ihnen zu schaffen machen. Offenbar werden auch mehr Rüden als Fähen geboren. Sind sie aber

erst einmal über die Runden, haben sie die Chance älter als 7 Jahre, ja 12-13 Jahre alt zu werden. Denn Wolf und Luchs als natürliche Feinde spielen keine Rolle. Als Stinktier wehrt er sich gegen überlegene Gegner, wie Jagdhunde oder Wölfe mit einem bestialisch stinkenden Parfüm aus seiner Stinkdrüse. Hilft das alles nichts, wissen sie kräftig zuzupacken und auch den überlegenen Gegner feste in die Nase zu beißen. Ein Fressfeind ist auch der Steinadler, aber er kommt heute nur im Hochgebirge vor, so dass er den Iltis genauso wenig regulieren kann. Nur der Uhu kann ihnen bei ihrer oft nächtlichen Lebensweise gefährlich werden, aber auch er ist selten und nicht überall anzutreffen. Ob der Fuchs ihn als Konkurrenten angreift, ist zweifelhaft, denn für seine feine Nase stinkt der "Ratz" viel zu sehr, und so gehen sie sich lieber aus dem Wege.

Mancher Iltis wird auf der Straße totgefahren, einige werden auch geschossen. Wer gelegentlich mal im Hochwinter einen Iltis überlistet und mit der Waffe erlegt, gefährdet sicher die Art nicht. So ist diese gelegentliche Jagd mit der Waffe nicht das Problem für den "Ratz". Wirklich gefährlich für sie ist nur der Vernichtungsfeldzug mit der Schlagfalle, der anderen gilt und den Rattenfänger Iltis nebenbei mit dezimiert, da sie nicht zwischen einem Steinmarder, Fuchs oder Iltis unterscheiden kann. Weil der Iltis nicht häufig ist, hat ihn der Tod in den Fallen auf die Rote Liste gebracht. Rein theoretisch wäre der Iltis groß genug auch Hasen oder Fasane zu greifen, aber die kommen in dem von ihm bevorzugten Feuchtgebiet kaum vor. Da der Iltis, und daran gibt es keine Zweifel, nicht jagdschädlich ist, gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn zu verfolgen, es sei denn, der Jäger möchte einmal im Leben auch einen Iltis überlistet haben. Doch ihr Fell gilt nicht als besonders wertvoll. Warum dann die Jagd?

Einst weit verbreitet
Der Iltis bewohnt die ganze gemäßigte Zone von Europa und Asien bis hin nach Kamtschatka. Den sehr dichten Urwald meidet der Waldiltis, denn dort im Klimax-wald, so natürlich er auch scheinen mag, gibt es keine Beute für ihn. 

Iltis.Seeufer.jpg (31375 Byte)

Er ist ein Waldlückenbewohner, der an den Rändern jagt und darauf angewiesen ist, dass ihm die großen Pflanzenfresser Lücken in den Urwald beißen. So hat er auch bald entdeckt, dass es im Siedlungsraum reichlich Ratten und Mäuse gibt. überall dort streifen sie durchs Gebüsch, durch Brachland, Moore und besonders gerne durch die Auwaldstreifen an Gewässern. Die offene Feldlandschaft meiden sie, und einen eigenen Bau buddeln sie nur gelegentlich. Gerne bewohnen sie die Baue ihrer Beute, den Kaninchenbau, oder aber sie siedeln in der Scheune, weil ihr Winterfell kein Luxuspelz ist und ein warmer gut geschützter Unterschlupf von ihnen über alles geliebt wird. Manchmal bauen sie sich kugelige Schlafnester aus Moos, Gras und Laub. Sie wechseln diese Sommerverstecke oft, aber beziehen es immer wieder. Denn ihr Ortsgedächtnis ist hervorragend, so dass sie ein solches Versteck noch nach Monaten wiederfinden.
Anders als Dachs und Marder, die auch gerne Obst essen, ist der Iltis ein reiner Fleischesser. So kann man ihre Losung mit einer klebrigen Mischung halb aufgelöster Knochenreste recht gut von der anderer Marder unterscheiden, da diese meist Obstreste, Insekten und andere Nebenbestandteile enthält.

Der zahme Bruder Frettchen
Frettchen sind rein weiß mit roten Augen oder cremefarben mit dunklen Augen. Sie lassen sich mit dem Iltis kreuzen. Eine domestizierte Züchtung, die sich im Dunkel der Geschichte verliert. Keiner weiß, ob Frettchen aus dem Waldiltis hervorgingen. Das Haustier Frettchen ist uralt, denn schon Aristoteles erwähnt sie unter dem Namen Ictis und Plinius unter dem Namen Viverra, bei den Arabern hieß das Frett Furo, und Albertus Magnus schildert, dass es in Spanien zahm gehalten wird, um damit Kaninchen zu jagen. Als sich auf den Balearen Kaninchen bis zur Plage vermehrten, rief man Kaiser Augustus um Hilfe an. Er sandte Jäger mit Frettchen, um die Kaninchen zu reduzieren. Auf Sardinien und Sizilien jagen verwilderte Frettchen auf eigene Faust. Auch bei uns wird das Frettchen noch zur Kaninchenjagd verwendet und manches entkommt. Tierfreunde halten sie auch fingerzahm in der Wohnung. Es gibt Biologen, die eine Meinung haben, welche sich schwer beweisen lässt: dass entwichene Frettchen sich mit Iltissen in freier Wildbahn gekreuzt und so weitgehend vermischt hätten, dass es bei uns keinen artenreinen Waldiltis mehr gibt. Doch wie er im Wald lebt, bleibt er allemal ein unsichtbarer Geselle.