An wild tosenden Wassern. Flussuferläufer in der Roten Liste auf Platz 1, denn gerade 160-180 Paare leben in Bayern
von Wolfgang Alexander Bajohr

Der Flussuferläufer ist in Bayern ein extrem seltener Vogel. Gerade 160-180 Paare nennt das Landesamt für Umweltschutz im Brutatlas der Vögel und zeigt ihn darum gleich auf dem Titelbild. Ich habe dieses Bild des Vogels auf dem angetriebenen Holz im Delta der Ammer fotografiert. Er ist Brutvogel in den Alpen und damit auch an den Flüssen die aus dem Gebirge kommen. Er brütet auch an der Isar und als große Rarität  an der Würm. Das Wasser rauscht und der Fluss ist klar wie Kristall. Die silberfunkelnde Flut springt auf dem Grund über hell leuchtende Steine.

In den Gumpen am Ufer und an tief eingegrabenen Stellen ist das Wasser dunkel, wo es wild gurgelnd dahineilt, blaueisgrün. Um die angetriebenen Baumstämme an den Kiesbänken spritzt ein im Sonnenstrahl glitzernder Funkenregen Wassertropfen. Zweige zittern unter dem unwirschen Druck der Fluten. In der wilden Energie von Sturzbächen und Flüssen der Bergwelt ist Wasser die gestaltende Kraft. So hat Wasser das Land vor den Alpen geformt als es bald tosend, bald auslaufend in Millionen glitzernde Mäander Lebensadern in die Kiesbänke gegraben hat. Durchrinnend schichtet es sie bei jedem Hochwasser wieder um, für viele Arten immer neuen Lebensraum schaffend. Denn ohne das würden sie verbuschen und einfach zuwachsen. So ist Wasser Leben, und es gedeiht dieses Leben dort, wo Wasser ist. Darum ist Wasser das allerhöchste Gut der Natur. Die Lebensräume am Wasser aber sind zu schützen, wie das Wasser selbst. Für uns, für kommende Generationen, aber auch für alle Geschöpfe, die von und am Wasser leben. Sie müssen gerade dort leben, weil sie nirgends anders leben können. Weil für diese Mitgeschöpfe zuweilen nur am Wasser die extremen Bedingungen für Wohnung und Nahrung zu finden sind. Mag dieses feuchte Element sich nun als Wasserfall überschlagen, sich zwischen Felstrümmern in Stromschnellen hindurchzwängen oder als munteres Bächlein dahinplätschern, zielstrebig folgt es dem Weg der Schwerkraft hinab zu Tal und immer weiter bis es sich in einem breiten erhabenen Fluss ins Meer ergießt. Donnerndes Hochwasser lässt zuweilen nach der Schneeschmelze den Wildfluss anschwellen und fast 2 Meter steigen. Dann versinken alle Kiesinseln. Verläuft sich die Flut, sehen wir, dass viele der Inseln und Schotterbänke umgeschichtet wurden.

Die Prallhänge sind frisch abgerissen, Baumstümpfe wurden mitgespült und Treibholz verhakt sich am Geröll zu einem bunten Gemisch. Dazwischen oder über einen Stau hinweg gurgelt die Flut des Wildwassers. Das ist aber auch die Zeit, in der sich unter der Wasseroberfläche schon das Leben rührt, nicht nur jenes der Fische, sondern Millionen kleine schwarze Tiere kriechen herauf, Köcherfliegenlarven klammern sich an Steine und Treibholz, um in das nächste Stadium ihres Daseins hinüberzuwechseln, ehe sie wie Nymphen auf zarten Flügeln durch die Lüfte taumeln werden.

Flussuferläufer bringen den Frühling mit
Und auf einmal ist da noch jemand. Ein kleiner kaum starengroßer Vogel pickt, was da eben aus dem Wasser kriecht. Er findet nach seiner großen Reise Nahrung im Überfluss. Von der Statur her ist es ein Schnepfenvogel (Limicole). Das Gefieder ist bräunlich auf der Oberseite und schwarzbraun gefleckt. Es sitzt straff und ist auf der Unterseite rein weiß. Diese Farbe zieht sich an den Schultern hoch, so dass die Brust ein braunes geflecktes Lätzchen ist. Die Handschwingen der Flügel sind braunschwarz, an den Spitzen fein weißgrau gesäumt und mit weißen Flecken geziert, die sich zum Körper hin vergrößern. Die Augen sind braun und hell umrandet. Vom dunklen Schnabel her läuft durch das Auge ein heller Strich und seine langen Füße sind graugrün.

Auf einmal sitzt der Flussuferläufer (Tringa hypoleucos) auf einem dicken Felsblock und putzt sich. Mal streckt er einen Flügel von sich, mal ein Bein, schüttelt sich und pickt mal links, mal rechts trippelnd die überreich dort sitzenden Köcherfliegenlarven auf. Beständig die Larven pickend klettert er den steilen Felsabhang am Steinbrocken herab, balanciert immer noch pickend über die Stämme der Treibhölzer und klettert über diese Brücke, unter der das Wasser gischtet und tost. Dann saust er ganz flach über den Wellen auf spitzen Schwingen davon, dass die Federn fast die Flut berühren.

Dabei pfeift er "Zieht quietsch, zieht quietsch, zieht quietsch" mit seinem hell pfeifenden Ruf den Lärm des rauschenden Wassers übertönend. Es ist noch früh im Jahr, Anfang bis Mitte April meldet sich der Flussuferläufer von der Reise in seinem Brutrevier zurück. Aber auch die Weiße Bachstelze (Motacilla alba) ist schon lange da, die Wasseramsel (cinclus cinclus) hat schon mit der Brut begonnen, und die gelbe Gebirgsbachstelze (Motacilla cinerea) fängt die Insekten aus der Luft heraus. Einen Augenblick nur ruht sie mit ihrem langen Schwanz wippend auf dem Felsen aus, den eben erst der Flussuferläufer verlassen hat.

Dann sitzt schon wieder ein Flussuferläufer dort und klettert emsig pickend wieder über die Zweige, steigt über das Holz hinüber zum jenseitigen Treibholzwall, fliegt zurück auf den Fels und sucht auch zwischen dem Geröll im Schatten der Wasserwirbel im Flachwasser watend, nach Würmern, Krebschen und Larven. Mittlerweile sind es zwei Vögel geworden, also ein Paar, das vom immer noch aufsteigenden Heer der Köcherfliegenlarven verlockt wird. Zwischendrin zieht der Himmel zu und Regen sprüht herab, aber das stört die Vögel nicht in ihrem Schlaraffenland. Als wieder die Sonne scheint, setzt sich einer auf den Bauch, fließt sichtlich in den wärmenden Strahlen auseinander und fühlt sich selig. Das Paar ist sich wohl gesonnen. Gegenüber einem dritten Vogel, der an diesem nahrhaften Platz in das Revier eindringen will, sind sie streitsüchtig. Sie verteidigen sich vehement gegen den Eindringling, und man hört jetzt oft den schrillen hellen Alarmruf: "Zieht, Zieht, Zieht, Zieht, itsch, schatt, itsch schatt, zischatt".

Kommt der Eroberer, dann werden die Territorialkämpfe zuweilen dramatisch. Die Gegner raufen miteinander Brust an Brust, tragen Flügelkämpfe aus und rasen flach über den Wellen hintereinander her. Jeder Versuch in das Territorium einzudringen wird vom Revierinhaber schneidig verhindert. Das fremde Paar behindert aber dennoch eine Weile die Standvögel, aber die Sache mit der Revierabgrenzung ist bald geklärt. Denn stets herrscht ein Paar über ein Revier von etwa 1 km Flussstrecke.

Gute Reviere aber sind seit dem Ausbau der Flussläufe in ganz Europa rar geworden. Wo es keine Kiesinseln mehr im Fluss gibt, ist auch das Leben des Flussuferläufers vorbei. Hier könnten nur noch Wasserwirtschaftsämter mit Renaturierungsmaßnahmen neue Lebensräume schaffen. So ist der Vogel heute extrem selten geworden. In ganz Deutschland sind es gerade noch 250 Paare, davon gut  die Hälfte in Bayern. Ein Drittel davon lebt am Schwarzen Regen im Bayerischen Wald und am Trinkwasserspeicher Frauenau, etwa ein Drittel verteilt auf alle Voralpenflüsse, an der Isar und in ihrem Einzugsbereich.

Ein Drittel aber rund um den canonartigen Durchbruch im Wildflussbereich der Ammer. Dort bemüht man sich, vorerst vergeblich, der extrem bedrohten Art eine letzte Überlebenschance zu geben. Doch machen das teilweise nicht nur "Schwarze Schafe", sondern auch massive kommerzielle Interessen zunichte. Es beweist, dass wir den Vogel nicht schützen können, wenn wir nur dazu aufrufen Rücksicht zu nehmen.

Flussuferläufer können nicht, wie der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), auf Ersatzbiotope ausweichen. Beide kommen aus dem gleichen Lebensraum. Aber der "Vogel des Jahres 1993" hat es besser, denn er findet seine Chance in Kiesgruben. Flussuferläufer sind ungemein misstrauische anmutige Vögelchen, sehr vorsichtig, empfindsam und vorsichtig, aber doch wieder nicht scheu. Sie tun niemand etwas zuleide und wollen eigentlich nur eines: in Ruhe gelassen werden. Selbst Spaziergänger auf Uferwegen, Wanderer im Flussbett, Lagerfeuer-Romantiker, Angler, Geländefahrer, Holzarbeiter, Weidetiere, Kanuten und diverse andere Paddler fordern für sich auch den Wildfluss Ammer. Er ist aber Lebensraum der Flussuferläufer, die auf Menschen panisch und mit heller Aufregung reagieren.

Sobald die Vögel zurück sind, beginnt ihre Balz. Das Männchen singt mit silberhellem Klang zwitschernd rufend seinen schnell vorgetragenen Gesang: "Ziehtatattah, ziehtattata, ziehtatatta...." so rasch, dass ihr Liebeslied zu einem Triller verschmilzt. Sie tragen ihr Lied leidenschaftlich vor, in einer sehr hoch und hell zwitschernden Tonlage. Man hört diesen Gesang Anfang Mai, wenn die Brut beginnt, Ende Juni, wenn sie die Küken spazieren führen und im Herbst, wenn sie sich für den Zug sammeln.

Im Nistgebiet sehr empfindlich
Das Nest am Boden findet man selten. Es liegt versteckt zwischen Barrieren der trockenen angeschwemmten Treibhölzer oder in der Krautschicht am Rande der Kiesflächen auf teilweise bewachsenen Inseln nahe dem Kies. Beliebter Standort ist die Übergangszone zwischen Rohrglanzgras/Pestwurz-Flur und der Hochstaudenflur mit ihrem Übergang zu kleinen Weiden- und Tamariskenbüschen vor dem eigentlichen Auwald.

Ein Gebiet, das für Menschen nicht attraktiv ist und Tabu-Zone sein könnte. Rund 91 % aller gefundenen Nester liegen in diesem Bereich, nur etwa 9 % entlang der Flussufer. Die Eier (26x36 mm) sind gefleckt, wie bei fast allen verwandten Bodenbrütern. Meist sind es 4, manchmal aber auch nur 3 oder 5. Ich habe nie nach einem solchen Nest gesucht, weil ich diesen Vogel nicht stören wollte, der am Nest so extrem empfindlich ist. Mit dem Beginn der Brut soll er zwar weniger empfindlich sein, aber ein Grillfest auf der Kiesbank bedeutet doch den Totalverlust.

Nach 21-23 Tagen schlüpfen die Jungen und verlassen sofort das Nest. Nach 4 weiteren Wochen wäre die Gefahr vorbei, wenn sie selbständig sind. Als Nestflüchter drücken sie sich zwischen die Kiesel und werden oft ohne böse Absicht zertreten. Jetzt versuchen die Eltern sogar durch Entgegenfliegen auf 3-5 Meter die Störer wegzulocken. Es eilen aber auch auf das Alarm-Geschrei der Eltern die Fressfeinde herbei. So wird an der Ammer Jahr für Jahr 1/3 der Gelege vernichtet. Bei 1/3 überlebt nur 1 Junges durch Zufall. Nur 1/3 kommt möglicherweise durch, doch genau weiß man auch das nicht. Es ist sicher nicht der Verdienst von jenen, deren Füße beim vorüberlatschen oft nur um wenige Zentimeter ihre Opfer verfehlt haben. Erst wenn ihre Boote weiterfahren, kann der Altvogel zurückkehren, oftmals ist das zu spät.
Ich bin ganz sicher, dass ich in der guten Stube am Wildbach nicht gestört habe, denn sonst wäre der Vogel nicht 3 lange Tage so unheimlich vertraut gewesen, dass er wiederholt bis auf 1 m herangekommen ist. Nur war das eben nicht am Nest, sondern nach seiner Rückkehr am Bach und vor der Brutzeit. Die Kamerageräusche übertönte der Bach, und ich habe Dutzende  aufnehmen können. Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, weil das Schlüpfen der Köcherfliegen zu Ende ging. Kerbtierlarven, Gewürm, Kerbtiere im Fliegenzustand, Netz- und Zweiflügler werden von nun an auf 1 km Revierstrecke entlang dem Flusslauf aufgesammelt oder von den Blättern gepickt. Manchmal beschleicht der Vogel Fliegen, Mücken, Schnaken, Hafte und Wasserspinnen mit eingezogenem Kopf leise und vorsichtig pirschend. Plötzlich schießt der Kopf vor, und der Schnabel verfehlt selten sein Ziel.

Paddler kontra Flussuferläufer
In unserem Land hat diese liebenswerte Vogelart 99,8 % seiner Lebensräume durch den Gewässerausbau eingebüßt. Der Vogel hat besonderes Pech, dass ihm auch das letzte verbliebene Wildwasser von Menschen missgönnt wird, die sich für besonders naturverbunden halten. Dabei wären Kanusport und Schutz dieses gefährdeten Vogels durchaus miteinander vereinbar, wenn die Sportler sich der Natur anpassen, von der sie so schwärmen. Sich bestimmten Regeln zu unterwerfen, setzt natürlich mehr Einsicht als kommerzielle Interessen voraus.

Der faszinierenden Wucht der reißenden Wasserläufe und der Macht des Wassers sind immer schon Menschen erlegen. Sie sehen es als eine der letzten Herausforderungen an, sich mit kleinen Booten tollkühn in die Stromschnellen und über Katarakte hinabzustürzen. Ebenso gerne gleiten sie durch verträumte stille Wasser und enge faszinierende Schluchten.

Bei solchen Fahrten ist die Begegnung mit dem Eisvogel genauso unvergesslich wie die mit Wasseramsel, Flussregenpfeifer und Flussuferläufer. Ein Fuchs am Ufer, schöpfende Hirsche oder gar die Begegnung mit Otter und Biber oder Bären sind unvergessliche Momente, die viele nicht missen wollen. Ganze Erdteile sind auf diese Weise und mit solchen kleinen Booten auf den Flüssen entdeckt und erobert worden. Der einsame Forscher ist sicher besonders naturverbunden, und ihn ärgert jetzt die Reglementierung vom Schreibtisch aus. So lange es die wenigen Entdecker und stillen Lauscher waren, haben sie wahrscheinlich wirklich nicht gestört, wenn sie mal im Allerheiligsten der Natur durchs Schlüsselloch geschaut haben. Sie haben ihr kleines Einerzelt schon aus Hochwasserfurcht nicht auf der Kiesbank aufgestellt, haben dort nicht gegrillt und haben auch ihren Müll wieder mitgenommen. Sie haben auch nicht die Schuld an der Not der Flussuferläufer, Flussseeschwalben, Eisvögel und von all den anderen Tieren, die am Wasser leben.

Der Flussuferläufer ist auf Gedeih und Verderb auf seinen Lebensraum, am Wildwasser angewiesen. Jeder Kompromiss ist gleichbedeutend mit dem Todesurteil für seine Brut. Gerechter Weise sollte man aber eingestehen, dass es nicht die paar Träumer waren, die ihre Boote durch die Vegetation der Inseln schleifen, denn in der Regel gleiten sie stumm und staunend vorüber. Sie sind es nicht, die im Rudel mit ihren Booten und viel Hallo auftreten.

Noch schlimmer als jene aber sind die 10.000 Gummiboote und Badeinseln, die zuweilen mit Musik und Tschingderassa daherkommen, die Kiesinseln überfluten und ihre Feuerstellen hinterlassen. Auf der Ammer haben Vogelschützer nach und trotz der offiziellen Sperre bis zu 300 Kanus und Kajaks an einem einzigen Tag im Schutzgebiet gezählt, und das ist für die Vögel eine Katastrophe. Neben jeder Grillparty stehen verzweifelte Vogeleltern, die um ihre absterbenden Eier oder um ihre Kinder bangen und sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verlieren. Die fröhlich johlende Menge pocht auf vermeintliche Rechte, dass erst der Herr und Mensch und danach die Natur kommt, obwohl doch der Mensch ein Teil eben dieser Natur ist. Ein Drittel der Paare in der Ammerschlucht bleibt nur darum Jahr für Jahr ohne Nachwuchs! Segensreich ist nur ein kaltes, nasses, verregnetes Frühjahr, denn dann bleiben die Menschen aus.

Die Ammerschlucht und unverbaute Ammerschleifen bei Altenau sind als ein Teilbereich an der Ammer für Kanufahrer besonders attraktiv, weil es sich in dem canonartigen Wildwasserdurchbruch um einen der letzten unverbauten Wildflüsse in Bayern handelt. Nur 0,2 % der bayerischen Flüsse sind Wildwasser geblieben, danach lechzen auch die Kanuten. Es gilt aber hier dringend die anwachsende Freizeitnutzung einzudämmen. Denn ausgerechnet dieses Gelände ist auch der wichtigste aller Lebensräume für den Flussuferläufer, der nicht die geringste Chance hat, auf Ersatzlebensräume auszuweichen. Sicher waren es nicht die Paddler, die jene 99,8 % der Lebensräume zerstört haben. Gerade sie beklagen ja auch den Rückgang der Wildwasser und kennen die Ursachen für das Aussterben dieser Vogelart besser als jeder andere. Darum sollte der Flussuferläufer gerade die Symbolfigur der Kanuten sein und ein Beweis für die Ehrlichkeit ihres so oft beteuerten Naturschutzanliegens.

Die Situation verlangt keine faulen Kompromisse mehr, wie im Jahr 1994. Jedes Zugeständnis an das Sport- und Freizeitbegehren von Uneinsichtigen ist heute fehl am Platze. Es steht auch das Ansehen der Angler und Kanuten auf dem Spiel. Wenn diese Vogelart überleben soll, muss die Fahrt der Boote durch die Brutgebiete zwischen dem 15.4. und 15.7. unterbleiben! Man muss anerkennen, dass manche Kanuten, verunsichert durch die Diskussion in der Presse, freiwillig auf die Durchfahrt verzichteten, andere aber leider nicht.

Ein Kompromiss ist daher denkbar: Jene Handvoll alter erfahrener und naturverbundener Kanuten stellt selbst die Naturschutzwacht in diesem Gebiet und setzt den Schutz gegen undisziplinierte Sportfanatiker unnachgiebig durch. Ihre still durchtreibenden einzelnen Boote würden in der kritischen Zeit kaum stören, weil sie es im Schutzgebiet nicht verlassen, Denn sie wissen sich zu verhalten. Nicht nur an der Ammer, doch beschränkt auf jene Schutzzonen, in denen es nötig ist, muss die Flussfahrt und das Angelvergnügen in der Zeit vom 15.4. - 15.7. unterbleiben. Das ist beschränkt auf nur ein Viertel des Jahres und wenige Gebiete. Die aber sind mit Schildern zu kennzeichnen, denn Einsicht ist allemal besser als jedes Verbot. Wer will schon schuldig sein am Aussterben der Rote Liste Art, dem so extrem selten gewordenen Flussuferläufer. Nur wenn sich die Freizeitsportler der Natur anpassen und sich freiwillig ihren Regeln unterwerfen, lässt sich ihr Anliegen und der Naturschutz für den Flussuferläufer miteinander vereinbaren.