Maisinger See: Teichhühnchens verborgenes Reich
 von Wolfgang Alexander Bajohr

Teichhuhn.jpg (20962 Byte)
Teichhuhn

Kaum ist der Winter aus dem Land, sind die Stare zurückgekehrt und mit ihnen die Kiebitze. Sie wirbeln schon über den Streu- und Sumpfwiesen durch die laue Luft, in der hoch droben die Lerchen tirilieren. Eigentlich ist es noch zu kalt um im Freien zu schlafen, zumal wir Mitte April noch mit Schneeschauern und launischem Wetter rechnen müssen. Aber wir haben es in der warmen Stube nicht mehr ausgehalten und graben uns am Abend am Rande der Streuwiese in den Schilfhaufen tief ein. Irgendjemand plätschert im Wasser. Dann ist es wieder still. Der Mond blinzelt hinter einer Wolke hervor, verbirgt sich wieder, und aus der Ferne ruft der Waldkauz am Breitholz neben der Amper. Hallendes Hundegebell trägt der Wind aus den Dörfern herüber, das verklingt und leiser wird, wenn die Augen zufallen.

Da beginnt die Unruhe wieder im Wasser "Krex, kreck, kreck, kri, kri, kri, Kikikikikikikikikikiki". Erneut erwachen die Stare und schwatzen. Ein Reh schreckt, und es wird abermals still, bis wieder und später nochmals das Rufen im See uns alle weckt. Es wird eine ekelhafte Nacht, die endlos langsam vorüberschleicht.

Wer uns nicht schlafen lässt, ist die Teichralle, das Grünfüßige Teichhuhn. Im März schon ist es von den großen Seen, die nicht zugefroren sind, oder aus dem Süden, in das Brutgebiet am Maisinger See zurück gekehrt und hat mit seiner Paarungszeit begonnen, noch ehe die Weiden verblühen und sich grün schmücken, ja wenn noch Eisschollen im schwarzen Wasser treiben. Endlich rollt eine blutrote Feuerkugel über die Nebelfelder. Jetzt ist es am kältesten. Darum bleibt die Nase auch noch unter der schützenden Hülle, die uns halbwegs warm hält. Zauberhaft ist trotz aller Kälte das Erwachen des Tages an einem Vorfrühlingsmorgen.

Von Minute zu Minute bekommt die Sonne Kraft und wärmt unser seltsames Bett, in dem wir in wohliger Wärme den versäumten Schlaf nachholen, den uns die Balz der Teichhühnchen geraubt hatte, todmüde und taub für den Morgengesang der vielen Vögel rundum. Bis uns endlich ein nahes "Kürk" der Teichralle weckt.

Von unserer hohen Warte aus, dem Schilfhaufen am Ufer, lässt es sich gut und ungestört beobachten. Das knapp rebhuhngroße Teichhühnchen schwimmt nickend drunten im Altwasser mit keck gestelztem Schwänzchen. Weithin leuchtet das Weiß unter den Schwanzfedern, und das Korallenrot der Blesse über dem Schnabel kontrastiert zum dunklen grünlich und bräunlich schillernden Gefieder. Imponierend richtet er seinen Hals senkrecht hoch, fächert den Stoß und stellt die Schwingen halb auf. So schwimmt er auch einem nahenden Rivalen entgegen, den er in seinem Revier absolut und gar nicht dulden kann, weil er ihm sein Reich missgönnt. Einen Augenblick schwimmen sie parallel nebeneinander her, drehen die Köpfe voneinander weg und scheinen sich mit Verachtung zu strafen. Aber dieses Wegsehen leitet zu einem spontanen Kampf über.

Hochaufgerichtet im Wasser prügeln sich beide mit Füßen und Schwingen. Sie schlagen so wüst aufeinander ein, dass die aufgewühlte schwarze Flut weiß gischtet und spritzt. Einige Male wiederholen sich die gegenseitigen wüsten Angriffe, bis einer kehrt macht und flatternd auf der Wasserfläche davonrennt, verfolgt vom zweiten Vogel, der den fliehenden weit, ja sehr weit vor sich hertreibt, hinaus über die Reviergrenze, bis er ganz richtig vertrieben ist. Inzwischen ist ein dritter Vogel aus dem Schilf herausgerudert. Wird sich der Kampf wiederholen? Aber nein, den greift der zurückgekehrte Sieger nicht an, sondern er schwimmt ihm mit leisem "duck-duck-duck" entgegen, wobei er rhythmisch zum Schein auf das Wasser pickt. Noch ziert sie sich, wendet sich keusch ab, aber da er seine zärtlichen Worte immer wiederholt, neigt sie sich ihm ebenfalls zärtlich zu, und das Scheinpicken auf die Wasseroberfläche zeigen sie jetzt beide.

Dabei schwimmen sie mal nebeneinander, mal aufeinander zu. Dann bekraulen sie sich und beknabbern mit den Schnäbeln das Halsgefieder, wobei sie auf seltsame Weise das weiße Schwanz-Untergefieder aufplustern. Dann treibt er sie ein wenig vor sich her, pickt ein wenig auf das Rückengefieder, und als sie nicht weiterschwimmt, sondern verharrt, klettert er mit abwärts gerichtetem Hals mit den Flügeln schlagend mühsam das Gleichgewicht haltend, auf sie und kopuliert. Schon nach zwei, drei Sekunden rutscht er nach vorne hinab. Bald verschwinden sie aus der Sicht im Schilfsaum, wo es raschelt und geheimnisvoll knistert. In der Seggenbülte scheinen sie etwas zu richten. Die alten dürren und die gerade grün sprießenden Halme bewegen sich geheimnisvoll, weil sie sich in wunderlicher Weise darin wälzen, um die Basis für das Nest auszudrehen. Das werden sie weit kunstvoller bauen als die anderen Rallenarten, indem sie die Halme sorgsam verflechten und es mit grünen und dürren Schilfblättern auskleiden.

Manchmal steht es auch frei am Ufersaum oder in der Basis eines Weidenbusches, und selbst auf einer Kopfweide habe ich schon eines gefunden. Die Nestmulde hat etwa 15-25 cm Durchmesser, ist tief, und die umliegenden Halme sind, soweit vorhanden, wie ein Baldachin darüber gezogen, so dass es gut verborgen nur vom Kundigen zu finden ist. Meist baut das Männchen, und das Weibchen trägt ihm das Baumaterial zu. In kurzer Folge legt sie dann die Eier für die erste Brut, meist 5-12 ovale auf gelb- bis rötlichbraunem Untergrund gleichmäßig braun bis schwärzlich gepunktete Eier. Liegt das Nest offen am Ufer, und man kommt vorüber, duckt sich der Vogel still auf seinem Gelege und glaubt, dass man ihn nicht sieht. Ein anderes Mal wiederum ist er kaum oder gar nicht zu finden, selbst wenn man das Schilf gründlich durchsucht, und dann stiehlt er sich bei einer Störung still und heimlich davon. Mal ist sein Revier, wie hier, ein See oder ein Altwasserarm der Flüsse, dann ist es wieder nur ein Gartenteich, der nicht größer als ein Bombentrichter ist.

Mal liegt das Nest offen am Uferrand oder zwischen den aufgerollten Blättern der Teich- oder Seerosen auf einer schwimmenden Bülte, dann wieder im ausgespülten Wurzelgeflecht am Ufer. Vom Damm aus haben wir auch oft in seine Kinderstube hineingeschaut

Stets brütet das Teichhuhn vom ersten Ei an, und so schlüpfen die pechschwarzen Dunenküken mit den blauroten Köpfchen auch nacheinander an ganz verschiedenen Tagen. Dann führt sie der Vater, während die Mutter noch brütet. Und schlüpfen die Jungen der zweiten oder dritten Brut, dann werden sie auch von den Jungen der ersten Brut betreut und gefüttert. Nachts kehrt aber die ganze Gesellschaft wieder auf das Nest zurück. Obwohl Nestflüchter, werden die Jungen anfangs gefüttert. Als Allesfresser nimmt das Grünfüßige Teichhuhn vorwiegend pflanzliche Nahrung wie Sprossteile und Blätter, aber auch Früchte von Wasser-, Sumpf- und Uferpflanzen, Gräser, Algen, Moose und Flechten. Im Winter nehmen sie vom Menschen gereichtes Vogelfutter aller Art und auch Getreidekörner.

Die Sommer-Nahrung sind alle im Wasser vorkommenden Würmer und Larven, Schnecken, Muscheln, Spinnen- und Krebstiere, Insekten und Kaulquappen, Fischchen, ja selbst Vogeleier und die Jungen, wenn sie sich bieten. Tierische Nahrung hat vor allem bei den Jungtieren mit über 50 % einen hohen Anteil, wie bei vielen anderen Arten, bis hin zum Spatzen, auch. Ihr verstecktes Leben unterbrechen sie meist am Morgen, wenn sie auch auf das freie Wasser hinauskommen, denn dann ist es noch ruhig dort. In den Parks haben sie sich meist an die Menschen gewöhnt, aber an freien Gewässern flattern sie oft in Deckung. Dabei laufen sie beim Abfliegen oder eiliger Flucht, indem sie auf dem Wasser rennen, wie wir es auch von der Verwandtschaft, dem Blässhuhn kennen.

Auch an den Altwasserarmen sind sie vorsichtig. Wenn ich nur den Kopf über den Hochwasserdamm stecke, an dem sie gerne das Gras abweiden, springen sie eilends ins Wasser, tauchen bei kurzer Distanz sofort unter und bleiben verschwunden.

Dann halten sie sich irgendwo getaucht, mit dem Schnabel an einem Halm fest, so dass nur der Schnabel herausschaut und sie als Schnorchel mit Luft versorgt, während sie unsichtbar bleiben, bis der Störenfried gegangen ist. Erst dann tauchen sie auf und fliehen an der Oberfläche weiter ins Schilffeld, um sich dort zu verbergen. Zuweilen stehen sie auch auf den Blättern der Teichrosen und putzen sich. Da kann man mit dem Fernglas die gelbgrünen Füße gut erkennen, die gegen den Körper durch ein gelbrotes "Strumpfband" deutlich abgesetzt sind. Wie alle Rallen haben sie lange, mit Schwimmlappen gesäumte Zehen, mit denen sie im Schilf geschickt klettern können, wobei sie oft mehrere Halme zu gleicher Zeit umfassen. Aber sie können auch im trügerischen abgrundtiefen Schlick umherrennen ohne einzusinken. Längst sind die Jungen der ersten Brut geschlüpft, da entdeckt ein Freund am Rande eines Altwassers ein ideal gelegenes Nest.

Vielleicht hat die versteckte ruhige Lage des Teiches das grünfüßige Teichhuhn bewogen, sein Nest derart offen anzulegen. Nur 2 m vom gelegentlich begangenen Uferweg entfernt steht die kleine Wasserburg im schütteren Schilf. So nahe kann ich mein Versteckzelt gar nicht aufstellen, und dieses Zelt brauche ich in jedem Fall, denn sonst würde man das Teichhuhn nur in geduckter Schreckhaltung fotografieren können, wenn es sich drückt. Unbefangen ist es nur wenn ich getarnt bin. Ich gehe auf 5 m zurück, und verblende das Versteck auch noch mit grünen Zweigen, dass es einem Busch gleicht. Bei dieser günstigen Lage habe ich auch keine Bedenken am Nest zu fotografieren, denn das wird nicht stören. Zudem gebe ich ihm einige Tage Gelegenheit sich an den neuen "Busch" zu gewöhnen. Am Samstag morgen bin ich draußen. Der Vogel ist nicht auf dem Nest, so dass ich die Eier kontrollieren kann. Sie sind warm. Nur wenige Schilfhalme, die störend ins Bild hängen muss ich entfernen. Hinter dem Nest ist das Schilf zum offenen Wasser hin dicht, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil, es zeigt als natürlicher Hintergrund das Biotop.

Was allerdings fehlt, ist der sonst so typische Baldachin, auf den der Vogel hier verzichtet hat. Nur einige wenige Halme sind über dem Nest zusammengezogen. Kamera und Klappstühlchen stehen schon im Versteck. Da ich heute alleine bin, kann mich niemand dorthin geleiten. Ich muss eine Kriegslist ersinnen. Laut singend gehe ich zunächst fort. Dann aber schleiche ich mich hinter einigen Hollerbüschen und Traubenkirschen wieder näher, am Hochwasserdamm entlang und robbe in Deckung in mein Versteck ohne dass mich die Teichhühner sehen können. Mit leisem "ick, ick" rudert es unsichtbar irgendwo im Schilf. Irgendwo ruft ein Kuckuck und in den Traubenkirschen ruft "tüdlioh" der Pirol. Ein Wasserfrosch quarrt. Und jetzt schallt es aus dem Schilf warnend "Kürrk, kürrk". Das grünfüßige Teichhuhn taucht sichernd neben dem Nest auf. Vorsichtig schwimmt es immer noch sichernd, einige Male darum herum, und als es seiner Sache sicher ist, turnt es langsam auf die hoch getürmte Burg. Das Nest ragt deshalb so hoch über den Wasserspiegel, weil das Hochwasser der letzten Woche erheblich zurückgegangen ist. Mit dem Schnabel wendet der Vogel die Eier und setzt sich zum Brüten nieder.

Es scheint ihm Schwierigkeiten zu machen, die langen Beine unterzubringen, denn immer wieder setzt er sich anders, bis er zur Ruhe kommt. Rasch hintereinander mache ich einige Aufnahmen, was den Vogel gar nicht stört. Weil nichts weiter geschieht, habe ich jetzt Zeit ihn näher zu betrachten. In der Statur gleicht er sehr dem Blässhuhn. Auch der Schnabel mit der gelben Spitze hat eine ähnliche kegelförmige, leicht seitlich zusammengedrückte Form. Nur die Blesse ist nicht weiß, sondern leuchtend korallenrot. Das Gefieder ist auf den Schultern und am Unterrücken dunkelölbraun und sonst vorwiegend dunkelschiefergrau. Auf den Tragfedern der Schwingen hat es weiße längsstreifige Tupfen, und die äußeren Unterschwanz- Federn sind schneeweiß. Auch an den Bauchseiten hat er einen weißen Streifen. Ich mache noch einige Aufnahmen, die den Vogel nicht stören. Aber das Bild ist immer gleich. Sparsam, wie wir damals noch waren, habe ich die Mehrzahl der Aufnahmen am Nest noch in Schwarzweiß gemacht und für die Farbe mit einem zweiten Kameragehäuse nur ganz wenige Aufnahmen mit dem kostspieligen Farbfilm, Situationen, in denen wir heute ganze Serien mit der Motorkamera schießen, um Bewegungsstudien zu bekommen. So war mit dieser sparsamen Technik auch der Versuch zum Scheitern verurteilt, das Teichhuhn beim Anschwimmen vor dem Nest im Schilf aufzunehmen. Noch frühere Versuche mit Fernauslöser und nahe am Nest stehender Kamera sind bei einem so vorsichtigen Vogel immer zum Scheitern verurteilt gewesen. Man sollte derartige Dinge am Nest auch vermeiden, da sie stören und die Brut gefährden können.

In der Frühzeit der Tierfotografie hat man darüber noch anders gedacht. Doch bringt solches Vorgehen die Tierfotografie in Verruf. Fotografie am Nest kann gefährlich sein, aber es muss nicht gefährlich sein, wenn man umsichtig vorgeht, wie ich es geschildert habe. Ich weiß, dass die Jungen geschlüpft sind, denn so verstohlen wie ich gekommen bin, schlich ich auch wieder von dannen und habe das Versteck am kommenden Tag innerhalb von wenigen Minuten entfernt. So hat das Teichhühnchen nun wieder Zeit, sich seinen Eiern ohne fremde Beobachter und in Ruhe zu widmen. Da es vom ersten Ei an brütet, wird das erste Junge nach 19 Tagen schlüpfen, das letzte aber erst nach 27 oder 30 Tagen. Es sind niedliche kleine flaumige Wollbällchen mit blauen und roten Köpfen. Die großen Schwimmfüße sind noch nicht gelbgrün wie bei den Eltern, sondern lackschwarz. Erst verbergen sie sich noch im Gefieder der Mutter, und das Männchen bringt Schnecken und Wasserinsekten herbei. Sobald sich die Ältesten aber auf das Wasser wagen, folgen sie geschickt schwimmend sogleich dem Vater, der sie unter seine Obhut nimmt, während die Mutter weiterbrütet. Nachts aber kommen sie alle zum Nest zurück.

Oft stoßen zu der Schar der zweiten Brut auch noch die halbwüchsigen Jungen der ersten Brut und helfen den Alten beim Führen. Ja, oft sind sie auch bemüht den kleineren Geschwistern Futter zu reichen. So erhöhen sie die Überlebensfähigkeit der Jungen. Auch bei Gefahr warnt nicht nur der Vater die Kleinen, sondern auch die älteren Geschwister. Wenn dann schließlich die Mutter mit den restlichen Küken hinzustößt, bietet eine solche Teichhuhnfamilie ein ganz liebreizendes Bild, wie sie alle schwanzwippend umherschwimmen und einander mit Futter versorgen. So wachsen die Kleinen im Familienverband mit beiden Eltern und den fast erwachsenen Geschwistern heran. Wenn sie drei Wochen alt sind, verliert sich die Buntheit ihrer Köpfe. Rundum sprießen die Federn und verdrängen die Daunen.

Sind sieben Wochen vorüber, können sie fliegen, zwar noch nicht geschickt, aber mit den Blässhühnern nehmen sie es allemal auf. Denn auch das Teichhuhn muss erst wie ein Raddampfer über das Wasser rennen und einen langen Anlauf nehmen, ehe sie genügend Luft unter den Flügeln haben. Wenn sie aber erst einmal abgehoben haben, fliegen sie schon leichter. Mit ihrem stromlinienförmigen Körper und den kurzen schnell schlagenden pfeilförmigen Flügeln erinnern sie an Düsenjäger. Der Vergleich damit ist auch nicht so abwegig. Der meist nächtliche Flug dicht über dem Boden im Tiefflug ist sehr rasch und führt vielleicht nur auf das im Winter offene nächste Wasser, vielleicht weiter nach Westen bis Belgien oder Frankreich oder England. Manchmal aber auch weiter zu den Kapverdischen Inseln, in den Senegal, an den Tschadsee, bis Gambia oder an den Persischen Golf, wie man durch die Vogelberingung weiß.

Zwei Drittel werden das erste Jahr nicht überleben, weitere 20 % das zweite Jahr nicht. Und dann wird die Anzahl von Jahr zu Jahr geringer. Doch werden die Ältesten 10, ja 15 Jahre alt. Nach den Kleinsten schnappt der Hecht. Größere packt der Seeadler, Habicht und Rohrweihe, Uhu und Waldkauz. Graureiher vergreifen sich an den Babys, aber auch Krähen, Möwen, Fuchs und Marderhunde, Otter und Iltis, das Hermelin, ja selbst der Igel und das Wildschwein, das sich im kühlenden Nass im Schilfwald suhlt. In Bisamfallen und Fischreusen bleiben sie stecken und viele brechen sich das Genick beim nächtlichen Tiefflug über Land. Unter Telefon- und Stromleitungen kann man sie einsammeln. Diese Verluste können doppelt so hoch sein wie die natürlichen Verluste durch Raubfeinde. Erstaunlich, wie anpassungsfähig sie sind, denn noch haben sie im Gesamtbestand kaum abgenommen und sich auch allen Umweltveränderungen angepasst. Umfangreichere Gelege und bis zu drei Bruten im Jahr gleichen die Verluste meist wieder aus.

Wenn unsere heimischen Tiere fortgezogen sind, stellen sich andere ein. Gäste aus dem Norden und Osten auf dem Durchzug. Sie überwintern zuweilen auf unseren nicht zufrierenden Seen und Flüssen und werden zuweilen beim Füttern fingerzahm, wenn sie zwischen den Enten, Schwänen, Gänsen, Möwen und anderen Gästen gefüttert werden. Das ist auch die beste Gelegenheit sie vor die Kamera zu bekommen, ohne sie zu stören. Vielleicht ist das nicht so reizvoll wie ein Teichsommer am See, aber sicherer. Im Sommer sind sie, selbst in Menschennähe im Park, doch heimlicher. Wer mit offenen Augen die Seerosenblätter auf des Westseite absucht, wird sie auf dem Maisinger See stets entdecken. In der Todeislandschaft im Fünfseenland ist der Vogel so häufig, dass wir ihn trotz seiner verborgenen Lebensweise überall entdecken können. Wie er sich emsig bemüht und schwanzwippend umher rudert, einzeln oder als ganze Teichhuhnfamilie mit drei Generationen. Ein reizendes Bild, das man nicht so leicht vergessen wird.