Schwarze Gesellen - Mythen, Meinungen und Fakten zu den Rabenvögeln
Kurzfassung des Vortrags von Prof. Dr. Josef H. Reichholf, Zoologische Staatssammlung München, Gräfelfing, 28.1.2002

Von November bis März fallen in München große Krähenschwärme auf. Sieht man etwas genauer hin, so stellt man fest, dass Saatkrähen überwiegen, darunter mischen sich Rabenkrähen und Dohlen. Die Krähen sind Wintergäste, im Sommer sind sie in Osteuropa. Tagsüber auf Futtersuche in den Feldern, versammeln sie sich abends an ihren gemeinsamen Schlafplätzen im Englischen Garten, im Olympiapark und in Nymphenburg. Das letzte mal wurden die Krähen vor 25 Jahren gezählt, die Vogelkundler kamen auf ca. 50.000 Vögel (Saatkrähen, Rabenkrähen und Dohlen). Doch die Zahlen haben bis heute stark abgenommen. 

Zur Biologie der Krähen (Rabenvögel)
Die Familie der Krähen gehört zu den Sperlingsvögeln, sie sind somit Singvögel. Ihre bekanntesten Arten: Alpendohle, Dohle, Saatkrähe, Nebelkrähe, Rabenkrähe, Eichelhäher, Kolkrabe, Elster. Die Krähen sind ausgesprochen intelligent, anpassungsfähig und haben ein kompliziertes Sozialverhalten.

Kolkrabe
Kolkrabe

Kolkrabe
Der Kolkrabe ist unser größter Singvogel (Länge 65 cm) und hat einen sehr kräftigen schwarzen Schnabel. Er hat so gut wie keine natürlichen Feinde, selbst der Steinadler hat Respekt vor ihm.

Vorkommen: in Bayern fast ausschließlich in den Alpen und in größeren Wäldern.

Nahrung: Allesfresser, vor allem Aas, in den Alpen verendetes Wild, aber auch Kleinsäuger und vegetarische Nahrung. Der Kolkrabe ist auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet. Ende des 19. Jahrhunderts war er in Deutschland fast ausgerottet. Er überlebte in Schleswig-Holstein und im Alpengebiet. Der Kolkrabe ist ganzjährig von der Jagd verschont, dadurch konnten sich die Bestände wieder erholen.

Rabenkrähe
Rabenkrähe

Aaskrähe (Nebelkrähe, Rabenkrähe)
Von der Aaskrähe gibt es 2 Unterarten: Nebelkrähe und Rabenkrähe. Die Nebelkrähe hat graues Gefieder und ist östlich der Elbe beheimatet. Die Rabenkrähe ist der Saatkrähe ähnlich, hat aber rein schwarzes Gefieder und kräftigen schwarzen Schnabel (Länge 47 cm).
Nahrung: Allesfresser – Würmer, Schnecken, Insekten, Amphibien, Nestlinge und Eier von Vögeln, vor allem Aas, daneben auch Früchte, Sämereien, Abfälle aller Art.
Brutverhalten: Die Rabenkrähen sind in 2 Gruppen geteilt: in Rabenpaare, die ein Brutgebiet besetzt haben und in Gruppen von Nichtbrütern („Junggesellenschwärme“). Untersuchungen haben ergeben, Rabenkrähen, die ein Brutgebiet haben, verteidigen dieses Gebiet gegen Konkurrenten. Nur wer ein Brutgebiet hat, kann sich fortpflanzen. Die Nichtbrüter-Schwärme besetzen jedoch die besten Nahrungsplätze (z.B. Müllhalden), da sie diese gemeinsam verteidigen. Die nichtbrütenden Rabenschwärme sind Nesträuber, auch bei Rabenkrähen! Dies ist ein starker Regulierungsmechanismus innerhalb der Rabenkrähen.  

Saatkrähe
Saatkrähe (Fotos: Bajohr)

Saatkrähe
Die Saatkrähe ist der Rabenkrähe ähnlich, gleiche Größe, Unterschiede: stärker blauschillerndes schwarzes Gefieder, langer schlanker Schnabel. Bei Altvögeln ist die Schnabelwurzel weißlich unbefiedert.
Nahrung: Raupen, Käferlarven, Schnecken, Drahtwürmer,  Mäuse, Samen. Saatkrähen sind keine Nesträuber!
Saatkrähen brüten in Kolonien, Rabenkrähen nicht. Saatkrähen sind bei uns als Brutvögel vom Aussterben bedroht. Um 1900 gab es noch ca. 11.000 Brutpaare in Bayern, heute schätzt man sie auf ca. 3.000 Brutpaare. Die Saatkrähe steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Bayern

Zur Mythologie der Raben
Die Raben haben heute einen schlechten Ruf. Das war nicht immer so. Raben sind bei den Germanen wichtige Vögel – sie begleiten Wotan (= Odin, Vater und Herrscher aller Götter). Seine zwei schwarzen Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Gedächtnis) flogen täglich hinaus, um überall auf der Welt Neuigkeiten zu sammeln. Im Mittelmeerraum wurden die Raben als Aasfresser nicht sehr geschätzt. Das Christentum, das ja aus dem Mittelmeerraum kommt, verteufelt die Raben und setzt dagegen die Taube (Friedenstaube).
Was kann man gegen den unbegründet schlechten Ruf der Rabenvögel tun? Vorschlag von Prof. Reichholf: Sobald wir wieder Krähen und Dohlen aufziehen und als Haustier und Kamerad halten, werden wir wieder ein normales ungetrübtes Bild des Raben bekommen – und von seiner Intelligenz überzeugt werden.

Anmerkung zur Jagd
Alte Rabennester sind bei einigen Vogelarten, die selbst kein Nest bauen, sehr begehrte Nisthilfen (Waldohreule, Turm- und Baumfalke). Deshalb ist die alte Jagdpraxis abzulehnen, im Frühjahr Krähennester auszuschießen.

Weitere Informationen finden Sie z.B. unter http://www.rabenvoegel.de
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