Füchse sind für den Müllsack zu schade.
Scharfe Bejagung setzt Fuchswanderung in Gang und breitet den Fuchsbandwurm weiter aus.
Unverständlicher Streit um den Fuchsbandwurm

Neues zum Fuchsbandwurm:
Im Dezember 2005 startet das Projekt Fuchsbandwurm im Landkreis Starnberg, sowie in den Gemeinden Neuried und Planegg. Dazu werden in den kommenden 3 Jahren auf freiem Feld Entwurmungsköder per Flugzeug ausgebracht. Die Aktion wird von dem Fachgebiet Wildbiologie der Technischen Universität München betreut.
Weitere Informationen: www.wzw.tum.de/fuchsbandwurm,  E-Mail: fuchsbandwurm@wzw.tum.de

Im näheren Freundeskreis habe ich das langsame und qualvolle Sterben eines Menschen miterlebt, der von jenem Parasiten befallen war, der meist Fuchsbandwurm genannt wird. Eine sehr seltene Krankheit, aber die Sache ist viel zu ernst, als dass sie im Kompetenzen-Streit zu Fall kommen sollte. Da Dr. König mit seiner Grundlagenforschung im Landkreis das Problem sichtbar gemacht hat, genügt es nicht ihm dafür Anerkennung und Dank auszusprechen, die Sache auf die Lange Bank zu schieben und anschließend zur Tagesordnung überzugehen.

Nicht ganz nachzuvollziehen ist, warum ausgerechnet das Umweltministerium für die Parasitenbekämpfung zuständig sein soll, obwohl der genannte Fuchs im Rechtsbereich der Jagdbaren Tiere angesiedelt ist und damit zum Landwirtschaftsministerium gehört. Da aber wiederum der Mensch gefährdet ist, und schon die Behandlung eines einzigen Befallenen weit mehr kostet als die Entwurmung eines ganzen Landkreises, fragt man, ob nicht eigentlich die Veterinärbehörden bzw. auch der Gesundheitsminister zuständig ist. Vielleicht liegt es daran, dass Patient Fuchs keine 10 Euro auf den Tisch legen kann, wie es heute jeder Rentner tun muss.

Genau genommen ist es auch keine Krankheit des Fuchses, sondern eine Krankheit der Mäuse, und bedroht ist letztlich jedes Säugetier, das Mäuse frisst, und da wiederum kann man über die Kaltschnäuzigkeit mancher Hundebesitzer nur staunen, wenn sie ihren Hunden das Mäusebuddeln erlauben.

Der Jäger soll es richten
Müßig ist auch der Ruf nach dem Jäger, denn eine wachsende Anzahl Füchse hat sich in den Vororten angesiedelt, lebt unter Gartenhäuschen oder schläft ganz einfach hinter dem nahrhaften Komposthaufen. Ob von diesen Stadtfüchsen wirklich eine Gefahr ausgeht, ist fraglich, denn Untersuchungen in Basel haben gezeigt, dass Stadtfüchse weitaus gesünder sind als Landfüchse. Wer will auch den Tierfreunden ihren Stadtfuchs im Garten verbieten, wenn das nicht zu kontrollieren ist? Die Menschen sind glücklich darüber, dass ein faszinierendes  Wildtier zu ihnen gefunden hat, das sie nun heimlich anfüttern, und zu dem so mancher einen engen Kontakt pflegt ohne nach Fuchsbandwürmern zu fragen. Wer nachgedacht hat, der entwurmt wenigstens seinen Fuchs im Garten, und das sind dem Vernehmen nach gar nicht so wenige. Sie sind auch nicht glücklich, wenn ein Jäger ihren geliebten Fuchs totschießt um ihn nachher in einer Mülltüte zu entsorgen, denn für die Mülltüte ist ein bezauberndes Wildtier wie der Fuchs wahrlich zu schade. Wenn man versucht, den schwarzen Peter dem Jäger zuzuschieben und fordert, dass er durch schärfere Bejagung das Problem lösen soll, dann zeigt derjenige, der das fordert, dass er von Wildbiologie gar nichts versteht. In der gleichen Zeit, in der ein Steinmarder gerade zwei Junge aufzieht, kann es ein Fuchspaar rein rechnerisch auf 144 Nachkommen bringen. Selbst wenn im Landkreis 1000 Füchse Jahr für Jahr geschossen wurden, wie der Jagdverband es darstellt, dann ist es eine Illusion zu glauben, dass damit die Zahl auch nur annähernd reduziert worden ist. Allenfalls hat man damit 25 % des Nachwuchses erlegt, meist wandernde Jungfüchse, die unerfahren genug sind sich zu zeigen und totschießen zu lassen. Die Dunkelziffer von 75 % der Füchse streift und wandert also weiter durch Feld und Flur und fraglich ist außerdem ob die Jagdstatistik überhaupt stimmt.

Gerade die Wanderung der Füchse ist aber das Problem, denn der Fuchs ist territorial und grenzt sein Revier mit Duftmarken ab. Wenn nun ein Fuchsrevier durch den Abschuss des Jägers frei wird, warten rundum junge Füchse darauf, dieses Revier wieder zu besetzen. So hat Wolfsforscher Erik Ziemen nachgewiesen, dass verschärfte Bejagung die Wanderung in Gang setzt. Je mehr gejagt wird, desto mehr trachten Füchse danach, dieses Revier wieder zu besetzen. Mit dieser Wanderung aber breitet sich, wie früher die Tollwut, heute der Fuchsbandwurm weiter aus. Es sind vor allem Jungfüchse die wandern, während territoriale Altfüchse ihr Revier bewachen und gegen ihresgleichen verteidigen. In einer intakten Fuchspopulation hilft der Rüde mit, die Jungen aufzuziehen und bringt Futter. Er verteidigt aber auch das Revier. Die weiblichen Jungfüchse des vorherigen Wurfes helfen als Tanten mit die Jungen aufzuziehen, aber bekommen ihrerseits keine Jungen. Diese Fuchstanten sind eine wichtige Einrichtung der Natur für die  Geburten-Regelung. Erst wenn man durch Bejagung diese Sozialstruktur zerstört, gibt es allenthalben junge Fähen, die bereits Junge haben, aber als Alleinerzieherinnen ohne Vater großziehen. Je mehr man Füchse schießt, je mehr man also die Natur durcheinander bringt, desto mehr Füchse produziert man als Jäger. Damit will ich nichts gegen eine faire Jagd auf den Winterfuchs sagen.

Was tun gegen den Fuchsbandwurm?
Die beste Bekämpfung einer Ausbreitung des sogenannten Fuchsbandwurms sind daher dominante Füchse, die ihr Revier verteidigen, selbst gegen den Parasiten (durch Entwurmung) resistent sind und keine verwurmten Zuwanderer herein lassen. Das bedeutet in der Praxis also nicht vermehrte Fuchsjagd, sondern weniger Fuchsjagd, weil die nicht bejagten Füchse, und das ist bis heute die Mehrzahl, verborgen eines natürlichen Todes sterben. Der Jäger braucht sich nicht einzubilden, dass er jemals den Fuchs einregulieren kann. Kluge Jäger nehmen daher die Wildbiologie sehr ernst. Die Entwurmung der Füchse, wie Sie Dr. König vorschlägt, ist daher sinnvoll. Sie muss aber einhergehen mit einer Schonung der Entwurmten Füchse - und mit einer Entwurmung von Katzen und Hunden. Denn vor allem sie sind die gefährlichen Überträger auf den Menschen. Diese regelmäßige Entwurmung der Haustiere ist eine wichtige Pflicht für jeden Tierhalter und sollte daher überwacht werden. Der Übertragungsweg über Waldfrüchte wird zwar immer wieder angesprochen, aber er ist bis heute nicht bewiesen. Es mag sein, dass diese Überlegungen infrage kommen, aber bislang ist diese Überlegung reine Theorie.

Fragt sich nur noch, wer die Entwurmungsaktion letztendlich bezahlen soll. Das kann die Allianz der Gemeinden genauso sein wie eine Allianz aller besorgten Bürger. Man mag auch darüber streiten, ob man Wildtiere mit Medikamenten konfrontieren soll, ob es richtig ist, ein Wildtier mit der Apotheke gesund zu badern. Doch ist die Sache viel zu ernst als dass man sie Ideologen überlassen kann. Sicher sind zwei Dinge, dass der Fuchs nicht in die Mülltüte gehört, sondern dass er verwertet werden muss, wenn man ihn schon bejagt. Denn es ist unmoralisch und auch mit dem Fuchsbandwurm nicht zu entschuldigen, ein Tier zu töten, wenn man es nicht verwertet. Das wiederum ist die Grundlage der viel gelobten Deutschen Waidgerechtigkeit, auf die unsere Jäger stolz sein wollen.

Wolfgang Alexander Bajohr