Ammersee/vStarnberger See/ Maisinger See: Kolbenenten - Wanderer zwischen den Welten
Die Ente mit dem morgenrotfarbenen Plüschkopf ist Wintergast und Brutvogel zugleich
Text und Fotos von Wolfgang Alexander Bajohr


Kolbenente

Lange ehe ein kurzer Wintertag angeht, beginnt der Himmel über dem Starnberger See zu glühen. Und bevor noch der Sonne Feuerball aus dem Wasser taucht, scheint es für Augenblicke als ob der glühende Himmel über das Wasser des Starnberger Sees gegossen wird. Im See aber scheint flüssiges Metall zu brodeln und zu dampfen. Wie Gestalten aus der Unterwelt steigen Dämpfe aus der Flut.

Sie wogen und treiben, verhüllen die große Zahl der Wasservögel, die draußen auf dem See ihre Nächte schwimmend verbringen, weil sie so Ruhe vor dem Fuchs haben. Die Eiseskälte der Nacht liegt noch über dem Wasser. All die vielen Wasservögel leuchten auf, nur ist es jenes goldene Licht des frühesten Morgens, das sich kaum schildern lässt. Alles was den See jetzt  scheinbar kochen lässt, ist Täuschung. Der See kocht nicht wirklich , doch ist er wärmer als die Luft, was ihn scheinbar brodeln lässt, doch seine Dämpfe filtern das Licht.  Selbst auf den weißen Federn der Schwäne vergeht diese Pracht, wenn die Sonne erst ein Stück herauskommt.  Nur wenige Menschen am See erleben den Zauber dieser Stunde, der mit dem Morgenlicht als Pracht vergeht.

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Kolbenenten-Ruheplatz

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Kolbenente

Was vieltausendfach bleibt, sind die Wasservögel weit draußen auf dem See. Den vielen im schlichten Kleid aber steht die Pracht einer Entenart gegenüber, die auch jetzt noch die Morgenröte wiederspiegelt. Wie eine Helmraupe sitzt auf ihrem Kopf schmückend dieses leuchtend rostrote Federwerk. Ein Plüsch-kopf, den die helleren Scheitelfedern noch betonen. Das gab ihnen den Namen. Kolbenenten sind es,  lebendige Raritäten, mit rubinrote leuchtend klaren Augen und einen  lackroten Schnabel. Hinterhals und Nacken, Kropf, Oberbrust,  Bauchmitte, Steiß und Bürzel sind tiefschwarz. und  zum Bauch hin braunschwarz. Schultern und Brustseiten sind weiß. Auf beiden großen Seen sind oft Hundert und mehr  in einer Gruppe beisammen. Ja, an einem Januartag in diesem Winter waren zur gleichen Zeit 350 Kolbenenten auf dem Starnberger See, rund 550 auf dem Ammersee. Später sind es oft  Mauser-gesellschaften, in denen sich diese schöne Ente auf unseren Seen, aber auch am Ismaninger Speichersee und am  Bodensee, gar zu Tausenden vereint.

Unter all unseren Wintergästen auf beiden großen Seen ist die schmucke Kolbenente mit dem morgenrotfarbenen Plüschkopf eine prächtige, wenn nicht sogar die schönste Entenart. Das Prachtkleid ihrer Erpel ist weithin ein Erkennungszeichen für die eigene Art, aber auch auffällig für ihre Fressfeinde. Darum hat die Schöpfung  Arbeitsteilung beschlossen. Der Herr Erpel repräsentiert, und die schlicht gefärbte Kolbenente kümmert sich um die Kinderschar.

Wer diese Enten aus der Nähe sehen will, wird am ehesten vom Auto aus fündig, denn die Straße vor Aidenried  liegt am Seeufer. Hier im Flachwasserbereich des Ammersees tauchen Kolbenenten oft nach Armleuchteralgen, die sie als Nahrung bevorzugen und bis 4 m Tiefe abweiden. Darum sehen wir sie auch im Bereich der Roseninsel am Starnberger See. Armleuchteralgen wachsen nur, wo das Wasser sauber ist. Kolbenenten reagieren rasch und sind ein Zeichen für reines Wasser.

Nicht alle dieser Kolbenenten sind Wintergäste. Sie neigt dazu sich neue Lebensräume zu erschließen. Es ist etwas ganz Besonderes, dass einige Paare in wachsender Zahl im Ammerdelta brüten, und neuerdings brütet sie auch am Starnberger See. Aus ihrer Verbreitungskarte wird man nicht recht schlau. Ihr zentrales Brutgebiet sind die Steppenseen in Zentralasien. Daneben lebt die Art in Spanien und Südfrankreich in großer Zahl. Diese Enten aus dem Süden ziehen sonderbarer Weise entgegengesetzt zum Vogelzug und kommen zu uns. So kann sich die Schar durchaus mit solchen Sommerreisenden aus Spanien oder Winterreisenden aus Sibirien vermengen.

Nur Störungen mag die Kolbenente gar nicht, sie ist recht empfindlich. Vernünftige Leute lassen den Vogel auch in Ruhe, denn sie ist auf den Starnberger See auf die Algenfelder angewiesen. Darum ist es erfreulich, wenn Segler, Ruderer, Taucher, Beruffischer, Werften und andere Interessengruppen mit Umweltminister Goppel einen Vertrag geschlossen haben, der den Enten Ruhe garantieren soll. Leider sind die Jäger nicht dabei. Soll Jagd Naturschutz sein, müssten gerade sie im Ramsar-Schutzgebiet mit leuchtendem Beispiel vorangehen. In Polen und Litauen würde es keinem Jäger einfallen, die Zugvögel auf dem Wasser zu stören und in den Ramsar-Rastgebieten zu jagen. Es ist nicht einzusehen, dass  Einzelne für sich Sonderrechte wollen und wegen einiger legal erlegter Stockenten etliche Hundert Kolbenenten  von ihrem Futterplatz mit den Armleuchteralgen vertrieben werden. Wenn am Abend 5 Enten auf der Strecke liegen, sind Zehtausende anderer Wasservogelarten dafür aufgescheucht worden.

In anderen Bundesländern haben Jäger gemeinsam mit Vogelschützern Flachwasserteiche geschaffen, in denen die Armleuchteralge sich ausbreitet. Schlagartig haben auf den blühenden Streuwiesen nebenan gut zwei Dutzend Kolbenenten mit der Brut begonnen. Da legt sie dann gleich zwischen 6 und 15 weißliche Eier, aus denen nach 26 Tagen die Jungen schlüpfen werden, wenn alles gut geht. Die schöne Kolbenente ist ungeheuer dankbar, und wenn man sie in Ruhe lässt, reagiert sie sofort auf Pflegekonzepte.