Starnberger See: Rostgänse, neue Brutvogelart besiedelt Ramsar-Schutzgebiet
Text und Fotos von Wolfgang Alexander Bajohr

 
Rostgans
Rostgänse wandern ein
Inmitten der großen Wasservogelschar entdecken wir eine andere Art, eine auffallende, fuchsfarbene Ente. Aber das ist gar keine Ente, sondern sie ist größer als die Stockente und fast so groß wie eine Graugans. Fuchsrot und mit auffallend hellem Gesicht. Das ist die Rostgans. Die war uns schon am Ende des Winters aufgefallen.
Die Rostgans ist eines der Juwele  in der Vogelwelt, die sich am Ammersee/ Starnberger See immer häufiger einstellen, je ruhiger es in dem Gebiet geworden ist. In  der Natur ist eben nichts starr, sondern alles ist in Bewegung. Rostgänse gehören zu den Halbgänsen, und weil sie so auffallend fuchsrot sind, kann man sie gar nicht übersehen. Bei den alten Männchen ist der gelbliche Kopf durch einen deutlichen Halsring abgesetzt. Das Weibchen hingegen hat einen auffällig weißen Kopf, und der Schnabel ist schwarz. Auch die Vorderflügel sind bei beiden weiß. Sie wiegen etwa 2 ½ Pfund.

Bisher waren Rostgänse nur Bewohner südlicher und südöstlicher Teile des Mittelmeeres oder des Schwarzen Meeres in der Türkei und den kaukasischen Gebieten Russlands. Dort brüten sie in den küstennahen Gewässern mit Brackwasser, an Soda- und Salzseen. In Bayern wurde die erste Rostgans von Prof. Dr. Wüst 1962 gesehen, und seit 1973 ist sie regelmäßig da. In dem Jahr 1973 habe ich sie auch erstmals fotografiert.

Rostgänse haben die gleichen kuriosen Brutgewohnheiten wie die Schellente, denn sie wählen Höhlen, die oft weit vom Wasser entfernt sind. Die können in Bäumen oder Felsen sein, zur Not sind es auch Erdbauten anderer Tiere. Während das Weibchen brütet, hält das Männchen vor der Höhle Wache.

Eines der zugewanderten Paare hat seinen Brutplatz in einer Feldscheune gefunden, die eine Einflugöffnung von 35x55 cm hat. Das ist ein relativ kleines Loch, das die Rostgans aber elegant durchfliegt. Im Jahr 1985 schlüpften in diesem Nest 9 Junge aus, die von den Eltern 1 km weit auf dem Landweg in den nächstgelegenen Amphibienweiher geführt wurden. Drei dieser Jungen hat der Habicht geschlagen, 6 kamen durch. Der Bruterfolg wechselt von Jahr zu Jahr. Als im strengen Winter 1986/87 Ammersee und Starnberger See zufroren, sind vor den Bach-Einläufen kleine Wasserflächen offen geblieben. Dort haben sich alle hier gebliebenen Wasservögel versammelt und eng gedrängt die Unterwasserflora abgeweidet, bzw. die Reiherenten haben dort nach Dreikantmuscheln getaucht.  Hier wurden die Wasservögel, unter denen auch Rostgänse waren,  von der tierliebenden Bevölkerung gefüttert. Weil es an solchen Stellen günstig  ist Wasservögel zu fotografieren, habe ich hier fast alle Wintergäste vor die Kamera bekommen, unter ihnen auch die Rostgans, die sonst gewöhnlich auf große Entfernungen den Menschen ausweicht.

Wir können damit rechnen, dass die  Rostgänse sich vermehren und dann häufiger werden. Darum appelliert der Landesbund für Vogelschutz Starnberg auch an die Einsicht derjenigen, die bisher  als Jäger oder Fischer  im Naturschutzgebiet legal von der Rücksichtnahme ausgenommen waren. Durch die Jagd selbst droht den Rostgänsen keine Gefahr, da sie keine Jagdzeit haben. Einsichtige Jäger sind sich mit den Vogelschützern  aber auch einig, dass Jäger und Fischer, die sich  als Naturschützer sehen, mit gutem Beispiel vorangehen sollten. Sie verzichten daher freiwillig dort auf ihre Freizeitaktivitäten, wo sie Wintergäste beunruhigen und dadurch gefährden. Das gilt aber auch für alle übrigen Freizeitaktivitäten auf dem Wasser: Man sollte die Rostgans in Ruhe lassen, solange sie als neue Art gerade erst dabei ist, bei uns Fuß zu fassen.

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