Starnberger See/ Maisinger See: Schwarzhalstaucher - ein bunter Brutvogel am kleinen Waldsee
Text und Foto Wolfgang Alexander Bajohr

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Schwarzhalstaucher

Wenn Abertausende Wintergäste unsere südbayerischen Teiche und Seen bevölkern, fehlt der Schwarzhalstaucher von Dezember bis März in Nordbayern völlig, obwohl er dort häufiger ist als hier im Süden. Auf dem Starnberger See, können wir wenigstens im Winter einige dieser Vögel beobachten, denn das Wasser ist klar, und der See friert nicht zu. Unter all den vielen Vögeln auf dem Wasser gehören Schwarzhalstaucher mit zu den schönsten, und unter den Lappentaucher-Arten sind sie die geselligsten.

Der Vogel ist eine Kleinigkeit größer als der Zwergtaucher und selbst im Winterkleid deutlich zu unterscheiden, weil seine Stirn steiler ist und durch die Federohren betont wird. In der Lebensweise unterscheiden sich beide Arten deutlich voneinander. Zwergtaucher brüten einzeln und versteckt im Schilf, aber die Schwarzhalstaucher offen auf dem Präsentierteller davor und meist in Kolonien von 5 bis 20 Paaren. Mit seinen goldgelb leuchtenden Federohren und dem rubinroten Auge, dessen Pupille weiß umrandet wird, ist er nicht zu verwechseln, selbst nicht im unscheinbaren Winterkleid.

Der Koloniebrüter wanderte um die Jahrhundertwende zu
Bei uns ist er selten, obwohl er gehäuft gleich in Kolonien auftritt. Meine erste Kolonie fand ich in einem überschwemmten Saatacker. Ohne jede Deckung stand ein Dutzend Nester völlig frei im Wasser auf diesem Acker. Doch der Wellenschlag begann die Nester auseinander zu reißen und die Flut stieg weiter, so dass schon Wasser in der Nestmulde stand. Natürlich haben wir damals die Nester gerettet. Einer von uns hob das Nest samt Eier an, der Andere packte ein Bündel Pflanzenmaterial darunter und dann wurde das eigentliche Schwimmnest daraufgesetzt. Das ging in der Zusammenarbeit ganz flott, und alle Bruten haben wir gerettet. Natürlich haben wir vom nahegelegenen Feldweg aus mit einem Versteckzelt als Tarnung die Vögel fotografiert. Wenn sie das Nest verlassen haben, deckten sie stets die Eier mit schlammigen Pflanzenresten zu und nach der Rückkehr wieder ab. Wir waren damals recht stolz auf die gelungene Rettung der Schwarzhalstaucherkolonie. 
Schwarzhalstaucher sind erst um die Jahrhundertwende hier eingewandert. In den Fränkischen Fischteichgebieten sind sie auch häufiger als hier im Süden. In ganz Bayern schätzt man heute den Bestand auf 160 Paare. Aber es gab Invasionsjahre, so haben im Jahr 1935 auf dem Maisinger See gleich 150 Paare gebrütet. Das hat sich niemals wiederholt, obwohl die Vögel dort heute noch brüten. Der Maisinger See und der Zellsee sind auch heute noch die Schwerpunktkolonien im 5-Seen-Land. Doch brüten sie auch auf dem Ammersee und auf dem Starnberger See. Wer beschaulich mit dem Kanu den See befährt kann, leicht einem Paar mit Jungen auch auf den großen Seen begegnen.

Die Brutzeit
Ihre Brutzeit beginnt Mitte Mai bis Mitte Juni. Auf den Seen sind sie mit ihren Jungen also in der Zeit der stärksten Besucher-Frequenz unterwegs. Am Brutplatz treffen sie Anfang März ein. Meist tragen sie dann schon das bunte Prachtkleid. Nur wenige Vögel mausern um diese Zeit noch. Zur Mauser suchen sie gewöhnlich spezielle Mausergebiete auf, das ist in der Regel der Ismaninger Speichersee oder der Bodensee. Ihre Kolonien placieren die Schwarzhalstaucher gerne in Kolonien von Seeschwalben oder Möwen, weil diese wachsam sind und mit ihrem Geschrei rechtzeitig warnen. Vor Krähe und Eichelhäher ist das ein

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Schwarzhalstaucher brütet

gewisser Schutz. Schwieriger ist das mit den Menschen. Die Kolonie im Maisinger See liegt meist im unzugänglichen sumpfigen Teil ganz hinten im See, neben dem Birkenmoorwald, inmitten der großen Seebinsen. Immer ist ihre Wasserburg ein Schwimmnest, immer sind es mehrere Nester – eine Kolonie. Meist legen sie 4 bis 6 Eier, jedes 30x40 mm groß. Die ursprünglich weißen Eier werden vom schlammigen Nistmaterial und schmuddeliges Moor bald bräunlich. Denn bei jedem Verlassen des Nestes decken sie die Eier zur Tarnung zu, und das färbt ab. Bebrütet werden sie runde 3 Wochen lang vom ersten Ei an.
Wenn die Vögel auch gegenüber dem Menschen wenig scheu sind, sollte man vermeiden sie zu stören. Mit dem großen 600 mm Objektiv und Konverter lassen sie sich aus der Deckung am Ufer heraus auch ohne Versteckzelt fotografieren. Tarnkleidung hilft so weit, dass ich alle Fotos ohne Versteck einfach so vom Seeufer aus fotografieren konnte. Sie akzeptierten mich nicht nur, weil sie mich nicht gesehen haben, Sie kamen auch immer näher. 
Das Weibchen schwamm immer dichter an das Nest heran, deckte die Eier wieder ab und kletterte auf das große Nest hinauf, was ihr mit den zu weit hinten angesetzten Schwimm-Rudern gar nicht so leicht fällt. Dann aber kuschelt sie sich zusammen und brütet. Während dessen schwimmen 3 Männchen um das Nest herum und kommen ebenfalls immer näher. Da sie vom ersten Ei an brüten, schlüpfen auch die Jungen in täglichem Abstand nacheinander. Frisch geschlüpft sind die Taucherbabys all zu niedlich und sie klettern auf die Mutter. Sie betteln sie um Futter an, denn wenn gefüttert wird, schmeckt das doch am allerbesten.

Taucher, die keine Fische mögen
Das werden Fischer natürlich gerne hören: Beute für Schwarzhalstaucher ist keinesfalls Fisch. Sie mögen vor allem Zuckmücken- und Kriebelmückenlarven, sammeln Wasserkäfer, Wasserwanzen, aber auch Kaulquappen und kleine Frösche. Je häufiger ihre Beute auch an der Oberfläche zu finden ist, desto selbständiger sind die Jungen. Sie schauen den Eltern zu, und sie bescheiden sich auch mit der kleinsten Beute. Es kommt schon vor, dass auch die Eltern einen Tag lang nichts fangen und daher auch nicht füttern können. Besonders heute am Tag unserer Beobachtungen ist das leider so. Wenn die Schwarzhalstaucher, unter Wasser nach Beute jagen und wie ein Kork wieder an die Oberfläche zurückschnellen, gleich wieder mit einem Schwung und über Kopf abtauchen ist das eine unvergessliche Beobachtung des kleinen Schwarzhalstauchers.

Schwarzhalstaucher sind Zugvögel, und die haben Fressfeinde
Aber das Ziel ihrer Reise ist zuweilen der Starnberger See für den Winter, denn er friert nur alle 10 Jahre zu, weil die Wassermenge so gewaltig ist. Darum bleiben nicht nur diese Taucher hier, sondern es kommen auch Haubentaucher, Rothalstaucher und die großen Seetaucher um hier zu überwintern. Notfalls bleiben sie auch auf den großen Flüssen, die ebenfalls im Winter nicht zufrieren. Wird es noch kälter, hilft ihnen auch nicht die Futtertüte der Menschen. Sie müssen dann weiter nach Süden ausweichen. Das sind dann die großen Seen in Oberitalien und schließlich ist es das Mittelmeer. 
Wenn sie zurück kommen in ihr Brutgebiet, dann ist ihr Ziel erst einmal der Starnberger See. In das eigentliche Brutgebiet wechseln sie erst später über. Das sind dann häufig die kleinen Waldseen wie der Maisinger See oder der Zellsee. 
Ihr Feind ist zuweilen auch der Mensch, aber es sind weder die Jäger noch die Fischer. Durch Verfolgung sind sie nicht bedroht. Aber zu große Unruhe am Brutplatz, der ja vor dem Schilfwald liegt, also vor der Deckung, der Bade- und Bootbetrieb, all das schadet ihnen mehr. Aber auch die Wirtschaftsweise in der Fischzucht tut ihnen nicht gut, denn sie brauchen das Verlandungsangebot im Flachwasser. Aber auch die Änderung in der Bewirtschaftung kann ihnen schaden, da sie in vielfache Hinsicht auf Insekten angewiesen sind. Es geht dabei wohl auch um die Larven jener Insekten, die der Fischer nicht haben will, wie Libellen- und Gelbrandkäferlarven. Auch große Egel können den Jungen gefährlich werden, aber auch die Rohrweihe.

Nützlich für sie ist es allemal einen ausreichend großen Streifen im Wasser vor dem Schilfwald für sie frei zu halten. Noch nützlicher ist es alte Fischteichanlagen aufzukaufen und stillzulegen. Zeitweise waren die Schwarzhalstaucher hier im Süden von Bayern häufiger als sie es heute noch sind. Das kann natürliche Gründe haben, aber auch die eben erwähnten Ursachen lassen sich nicht ausschließen. 
Wer noch nie einen Schwarzhalstaucher bewusst gesehen hat, der sollte versuchen ihn kennen zu lernen, und den kleinen Wasservogel nicht zu übersehen. Sehen Sie das Bild nur an, ich hoffe, dass ich neue Freunde für den kleinen bunten Taucher gewonnen habe.