Wald: Kuckuck ruft`s aus dem Wald. Der Herold des Frühlings vertilgt haarige Raupen
von Wolfgang Alexander Bajohr

Als erste hatten die Kolkraben den Frühling angekündigt. Es lag noch tiefer Schnee in den Wäldern, als sie verliebt ihr Kehlgefieder gesträubt, geschnalzt und gequorrt haben. Dann hat die Sonne Wärme bündelweise zur Erde geschickt. Den bunten Blüten folgte bald eine Schar munterer Sänger. Von ihrer großen Reise zurück, singen alle Vögel jetzt von Lust und Liebe. Sie bauen schon die neuen Nester, wollen mit ihren Liedern aber auch das Revier gegen die Nachbarn abgrenzen. Alleine beim Kuckuck ist da vieles sehr viel anders.


"Der Kuckuck schrie die ganze Nacht und hört nicht auf zu schreien. Am Morgen schreit er immer noch, man hört es weit und breit. Die Menschen freut der Kuckucksruf, der Herold singt vom Glück. Denn eines ist jetzt sonnenklar, der Frühling ist zurück. Sie sagen nur dem eignen Schatz, dem Vogel fehlt das Nest, der Sturm hat es davon geweht bis auf den letzten Rest. Was braucht man schon das eigne Nest, es geht auch ohne das. Frei' du so wie der Kuckuck freit, in Laub und grünem Gras. Sie klopfen auf ihr Portemonnaie und das gleich siebenmal. So oft ein Kuckuck "kuckuck" schreit, füllt es sich allemal." Beim Kuckuck gibt es viele solche Lieder und Mythen.


Kein anderer Vogel ist so volkstümlich, über kaum einen gibt es mehr Lieder und Märchen. Denn das ist schon ein komischer Vogel, der seine Kinder von Adoptiveltern großziehen lässt. Klar ist nur, dass sein Ruf die Menschen erfreut. Man kennt sich. Als "Oldie" soll er schon 10 Mio. Jahre auf der Welt sein. Verlockt es uns, dass die Kuckuckin mit vielen Kuckucken flirtet und dazu auch noch schneller kichern kann als ein Turmfalk? "Jikickickickick" lautet Ihr für Männchen so verlockender Ruf. Im Ernstfall arbeiten sie zusammen, denn nur das Männchen wird von den Kleinvögeln erkannt und versetzt sie in hohe Aufregung. Betroffene Arten, wie Bachstelze, Rohrsänger, Rotkehlchen, Hausrot-schwanz und alle übrigen 50 Arten, bei denen die Eiertupfen halbwegs ähnlich sind, würden ihn am liebsten zum Kuckuck wünschen.



Derweile er sich den Verfolgern stellt, die auf ihn hassen, legt sie unauffällig ihr Ei in das gewählte Nest. Keiner weiß bis heute, ob sie es sitzend hineinlegt oder ob sie es vorher ablegt und mit dem Schnabel hinträgt. Dass sie ein Tausch-Ei dafür herausnimmt, damit man den Schwindel nicht merkt, ist unwahrscheinlich und wurde nie beobachtet. Vogelschützer müssen die Gasteltern auch nicht bedauern, denn so hilflos sind die gar nicht, denn etliche werfen das fremde Ei hinaus, verlassen das Gelege oder weben das Gelege in eine neue Polsterschicht ein um darüber neue Eier zu legen. Wäre die Verlustquote nicht hoch, brauchte die Kuckuckin nicht von Mai bis Juli innerhalb von 36-46 Tagen bis zu 16 Eier zu legen. Kuckuckseier sind erstaunlich klein, aber ein geübter Blick erkennt sie doch. Schon nach 12 Tagen schlüpft das Findelkind noch vor den Geschwistern, und schon wird es an ihnen zum "Mörder". Denn rückwärts rast es durch das Nest und hievt alles, was es dabei anrempelt, mit dem Rücken über den Nestrand hinaus. Denn der gefräßige Nimmersatt kann keine Futter-Konkurrenz brauchen. Er futtert wie 5 Junge und reißt den roten Rachen solange auf, bis die Pflegeeltern begreifen, dass er nur eines hat: Hunger, Hunger, Hunger. 3 Wochen müssen sie jetzt kräftig schuften, und wenn er ausfliegt, geht es noch 3 Wochen mit dem Ästling weiter, bis er mit Kurs auf Afrika abfliegt. Nur lebt er unterwegs gefährlich, leicht könnte er im Kochtopf landen.


Jeder Kuckuck liebt eine Parklandschaft mit reich gegliederten Hecken mehr als eine Agrarsteppe. Weil er hier ein großes Revier hat und braucht, ruft er Tag und Nacht zwar nicht "Kuckuck", wohl aber "Gu-Guh", und wenn eine Braut ihn verwirrt auch dreisilbig "Gu-gu-guh", oft 30 x, ja 60 x hintereinander. Daneben gibt es noch eine lange Geräusch-skala, wenn er sich über Nebenbuhler oder seine Frau aufregt. Da er sehr eifersüchtig ist, lässt er sich mit Nachahmen des Rufes vorzüglich foppen. Ich mache das mit Leidenschaft und freue mich immer wieder über die Erlebnisse dabei. Denn der Kuckuck ist, wie die Falken, ein eleganter Flieger und Jäger in der Luft, wenn er im Zickzack-Flug Insekten fängt. Auf dem Land und in der Hecke ist er ein plumper Geselle.



Familie Höss aus Leutstetten hat einmal ein verunfalltes Kuckuck-Baby mit haarigen Raupen und Heuschrecken großgefüttert und dann in die Freiheit entlassen. Da brauste er weiträumig durch die Landschaft davon. Alle waren traurig, denn der Abschied war schnell vorbei. Aber am kommenden Tag war "Kokie" freiwillig wieder da und weitere Wochen auch noch. Die leckere Fütterung hat ihn verführt. Er flog dann doch noch davon - nach Afrika. Vielleicht ist er gerade jetzt zurückgekehrt. Ist er es, der gerade draußen "Kuckuck" ruft, als Herold des Frühlings?