Bäume/ Wald: Paterzeller Eibenwald - Zauberwald mit 2000 uralten Eiben  

Dem einzigartigen Natur-Reservat Paterzeller Eibenwald drohte Gefahr durch die Entnahme
von Trinkwasser! Das ist jetzt überstanden
  (Text und Fotos: W.A. Bajohr)

Paterzeller Eiben

 

 

Schier unzerstörbare Lebenskraft im Eibenwald von Paterzell
Er ist ein Zauberwald mit an die 2000 uralten Eiben. Ehrwürdige Bäume, die gleichsam in der Urzeit wurzeln. Eiben notieren eben die Zeit nicht wie wir Menschen, so dass wir zuweilen glauben, dass diese Bäume zeitlos sind. Alt waren viele dieser Eiben schon, als Kolumbus seinen Fuß auf den neuen Kontinent gesetzt hat, und die Stunde ihres Keimens ist älter als das Andenken an die das Land besiedelnden ersten Bajuwaren. Das waren die Agilolfinger, die das nahe liegende Kloster Wessobrunn gründeten. Es ist eben jenes Wessobrunn, aus dem die ältesten Worte in der bayerischen Sprache überliefert sind, und dessen Patres Jahrhunderte lang ihre schützende Hand über den Zauberwald gehalten haben. Denn sonst wäre es diesen alten Eiben wohl ergangen wie allen anderen im Land, die man um der Spannkraft und Zähigkeit willen als Bogen-Holz geschlagen und damit als wertvollen Rohstoff für Jagd- und Kriegswaffen gebraucht, ja sogar bis hin nach England exportiert hat. Ohne die Eibe wäre wohl auch die Armbrust nie erfunden worden. Ein rücksichtsloser Raubbau war es also, der sich schon im Mittelalter an den ausgewachsenen Eiben vergriffen hat. Sie  waren einst im Mittelgebirge gar nicht so selten. Aber schon Kaiser Maximilian hat zu Beginn des 16. Jahrhundert für Eiben "Schonzeiten" eingeführt. Lassen wir offen, ob dieser große Jäger schon ein Naturschützer war, oder ob er aus strategischen Gründen handelte. Sicher ist nur, dass alte und schlagreife Eiben bereits damals rar wurden. Böse Zungen bemerken auch, dass die Mönche ebenfalls alle gesunden Eiben nach England exportierten und dass es daher nur die krummen und hohlen Bäume bis in unsere Zeit geschafft haben. Langbogen aus Eibenholz waren eine strategische Waffe, denn die damit abgeschossen Pfeile haben die Rüstungen der Ritter glatt durchschlagen, und so endete mit den Eibenbogen ein Zeitalter. Auch der Sieg der vereinten Masowier, Litauer und Polen in Ostpreußen über die Ordensritter findet so seine Erklärung, denn der Orden erholte sich nie wieder nach dieser Schlacht.

Später hat man die Bäume sogar gezielt ausgerottet. Fuhrleute und Rossknechte beseitigten sie vor allem entlang der Heerstraßen, weil das Gift in den Nadeln der gefressenen Zweige für Pferde tödlich ist, denn schon 0,2-2 g je kg Körpergewicht reichen dafür aus. Ähnlich gefährlich ist es für Menschen. Schweine, Hunde und Katzen vertragen um die 3 g, Rinder, Ziegen und Schafe sogar 10 g. Für alle ist das nur in den Nadeln und im Samenkern enthaltene Taxin hochgiftig, und doch schätzen die Rehe den Leckerbissen Eibe bevorzugt vor anderen Baumarten. Ob sie sich an das Gift gewöhnt haben oder nur soviel essen, dass es ihnen nicht schadet und doch therapeutische Wirkung hat, das wissen wir nicht. Doch nehmen wir an, dass sie mit dem Gift ihre Parasiten los werden. Tatsache ist leider, dass sich der Paterzeller Eibenwald gerade darum über Jahrhunderte hinweg nicht mehr verjüngen konnte. Dann versuchte der Eibenförster von Wessobrunn, der im naturgemäßen Waldbau sehr engagierte Forstmann Kurt Zeimentz die Eibenverjüngung teils mit einem Zaun zu schützen, im anderen Teil aber durch angepasste Wilddichten. Die Praxis zeigt, dass bei einem im Wald verringerten Rehbestand auch hier in Paterzell die Naturverjüngung der Eiben erstmals wieder ohne Zaunschutz nachwachsen kann.

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet ist die Eibe an naturnahe Buchen- und Tannenwälder gebunden. Jeder Forstmann, der sie noch als heimische Art in seinem Wald findet, fühlt so etwas wie Entdeckerfreude und Traditionsstolz, sobald er sie entdeckt. Eiben breiten ihr Geäst im Wald über einem stillen Ort an oft unzugänglichen Steilhängen und in den Tobeln

der Molasseberge. Denn auf diesen steilen Hängen lockert sich das oft so dicht verfilzte Gefüge der Buchen- und Tannen-dickichte, so dass sich selbst die Licht liebende Föhre halten kann. Knorrig wenigstens gedeiht dort der Bergahorn, und die Wildkirsche blüht. Weil der Grund hier eine einzige Quelle und meist übernässt ist, aber mit dem Licht Sonnenwärme an den Waldboden kommt, verbinden sich Sonne und Kohlendioxyd mit der triefenden Nässe und lassen reichlich die anfliegenden Eschensamen keimen. Oftmals so dicht, dass man sich ein Rudel Hirsche zum Durchforsten herbeiwünscht. Mehlbeere und Hartriegel, Berberitze und Liguster, Heckenkirsche, Faulbaum und Schneeball sind der Unterwuchs. Dazwischen aber stehen die Eiben in sattgrüner lebensvoller Farbe und zeitweise übersät mit roten saftigen Früchten. Ihr Gezweig ist dicht, knorrig oder vom Specht geringelt der Stamm, zimmetbraun oder grau, gefurcht oder gedrechselt, bei jeder ein anderes knorriges verschlossenes Baumgesicht mit eisenhartem Holz. Manche stehen einzeln, andere fanden sich zusammen zu einem Hain, der still dasteht über dem Hasten und Treiben der Vergänglichkeit. Und viele von ihnen sind älter als alle anderen Bäume in diesem Wald, jener Wald, der schon lange vor den Agilolfingern ein Heiligtum der Natur war und etwas vom Begriff der Ewigkeit ausstrahlt. Gerade 80 ha hat Bayerns bedeutendstes Natur-Reservat.

Wälder dieser Art müssen auch in den Mittelgebirgs-Steillagen Schutzwälder sein, allenfalls Plenterwälder oder plenterwaldartig. Denn wenn man bösartige Hangrutschungen vermeiden will, muss man sie als Schutzwald behandeln. Auch der Paterzeller Eibenwald wächst hangwärts in diesen Steillagen weiter oben auf Nagelfluh und talwärts auf dem ständig sich neu bildendem Kalktuff, der auf den Wasser führenden Flinz nur so "aufgeklebt" ist und immer noch wächst. Doch kann auf diesen triefend durchfeuchteten Böden der Wald samt Untergrund leicht ins Rutschen kommen. So verläuft talwärts nicht nur das Wasser, sondern auch der Wald flacher aus, aber ebener wird er damit in den flacheren Lagen nicht, denn der Boden hat sich gefaltet. Leicht ist die beständig noch fortlaufende und Jahrhunderte währende Bodenbewegung des Hangfließens, an den schief stehenden Bäumen zu erkennen. Doch ist die Nahtstelle zwischen wasserdurchlässigem Nagelfluhgestein und dem darunter liegenden Flinz auch der Ursprung des Kalktuffes, auf dem überwiegend der Paterzeller Eibenwald stockt. Dieser vor Wasser triefende Quellhorizont ist die Standortvoraussetzung für diesen Eibenwaldtyp.

Bayerns bedeutendster Wald war eine Zeit lang gefährdet
Wer glaubte, dass in diesem nur 80 ha großen Naturschutzgebiet die Eiben außer Gefahr sind, der irrte eine Zeit lang. Schon bisher wurde dort Trinkwasser entnommen, aber auch Brauchwasser für Säge- und Elektrizitätswerk. Alte Rechte aus dem Mittelalter, welche auch die NSG-VO akzeptieren musste. Eine Zeit lang plante man die Wasserentnahme massiv zu erhöhen, was das Aus für den Eibenwald bedeutet hätte.
Es ist genau genommen kein reiner Eibenwald, sondern ein Wald mit Eiben, die eher wie Unterholz eingesprengt dazwischen stehen. Im flach auslaufenden Teil ist es ein Tannen-, Fichten-, Buchen-, Bergahorn-, Ulmen-, Eschen-Wald unter deren Schirm die Eiben gedeihen, denn kein Baum verträgt soviel Schatten wie die Eibe. Oder auch nicht, denn irgendwo ist auch ihre Grenze, und als Baum ausgewachsen, weiß sie durchaus die Sonnenstrahlen zu verwerten. Als Jungeiben brauchen sie den schützenden Schirm zwar noch. Aber auch die alten Eiben werden an manchem Standort von der Wucht der hohen Waldbäume fast erdrückt. Doch stehen gerade bei den ältesten Weißtannen auch hier die ältesten und höchsten der uralten Eiben, von denen viele wohl um die 80 cm im Durchmesser haben, aber selten höher sind als 15-20 Meter. Zahlreich sind die bis zu 250-jährigen, gar nicht selten die 500-jährigen und vereinzelt jene, bei denen die Schätzung mit 1000 Jahren und mehr zur Spekulation wird. Denn die Eibe ist zwar ein Baum der nachgewiesene 1500 Jahre alt werden kann, vielleicht auch 2000? Das glaubte man eine Zeit lang auch von der berühmten Eibe im Allgäu, bis die abstarb, gefällt wurde, und ihr Alter in Jahresringen offenbarte. Da war schließlich die 2000-jährige nur wirkliche 800 Jahre alt, aber auch das ist enorm. Doch wie alt sie in Paterzell wirklich sind, lässt sich nicht prüfen, weil die ältesten von ihnen innen hohl gefault, außen immer noch weiter wachsen. Auch ist manche der Vielhundertjährigen aus mehreren Trieben zusammengewachsen, und sie bilden wahre Kunstwerke wie sie ein Drechsler nicht schöner ersinnen und schaffen könnte, und jede ist anders. Manche sind nur noch Baumruinen und leben doch, innen hohl, demonstrieren sie noch als grüne Fragmente die scheinbar so unzerstörbare Lebenskraft der zähen Eiben. Ob sie die Lebenskraft wirklich verspüren, ist schwer zu sagen. Wir glauben es jedenfalls, weil sie auf knorrigem Wurzelwerk stehen, das geformt ist wie Alraune.

Dieser naturnahe Wald mit all seinen vielen Waldbaumarten war doch durchaus auch Wirtschaftswald, den man Jahrhunderte lang nachhaltig und schonend, nur durch Plentern genutzt hat. Ja man glaubt heute, dass die Mönche gezielt weiter Eibenholz produzierten, das damals mit Gold aufgewogen wurde. Dennoch ist er noch heute, auch bei den Nutzholzarten, voller uralter Bäume, die irgendwann dahinsinken werden. Sie sollen als Totholz zur Freude der Spechte bewusst machen, wie das Werden und Vergehen im Natur-Wald erfolgt. Ein Zusammenbruch in der Klimax-Phase ist hier wie im Urwald geduldet, denn neues Leben folgt als Moderverjüngung in Waldlücken und erweist sich als ein Glücksfall für die heimischen Tiere. Vielleicht der Urwald von morgen, steht er so da, wie ihn die Waldtiere gestalten, die Vögel ihn säen. Erschaffen, um ihnen allen Lebensraum zu sein, ohne dass der Mensch seine begehrlichen Finger nach ihm ausstreckt. Die Vögel, die auf Waldlücken angewiesen sind, arbeiten daran mit, diesen Wald ständig umzugestalten. Soll es ganz natürlich in diesem Naturschutzgebiet zugehen, dann holen sie sich Hilfe und setzen auch auf die großen Pflanzenfresser. Soweit dieser Wald nach teilweisem Umbau und Neuanbau wieder in natürlichere Dimensionen hineinwächst, gibt es künftig keine Probleme mehr, und das ist sicher gut, denn je natürlicher heute der Wald wird, desto schwieriger wird es morgen sein, die Rehe noch zu bejagen.

Nur, wo einmal korrigierend der Mensch eingreift, wird er damit weitermachen müssen, denn der Paterzeller Eibenwald ist seit langem ein "Kunstwald" mit echten Bäumen, aber doch Nachfolger jenes einst so schonend genutzten Wirtschaftswaldes und damit ein Gebilde, bei dem man sich auf lange Sicht fragen wird, ob er ein Naturwald bleiben darf. Denn ein Urwald ist er damit noch lange nicht, auch wenn er beinahe so aussieht. Doch ist auch ein naturnaher Wald noch immer ein Nutzwald, denn auch in einem Naturschutzgebiet ist die Forstwirtschaft erlaubt. Aber nicht alle Forstleute neigen zum Gestalten der Natur und überlassen den Wald und seine Tiere gern sich selbst, weil die wechselseitig voneinander abhängig sind. Tiere mögen sich ihren Lebensraum selber schaffen, ob die Eibe das auch kann, bleibt zweifelhaft. Dieser Wald ist nie ein Bauernwald, sondern als Klosterwald ein Herrenwald gewesen, in dem die Eibe nicht einfach so dahinwuchs, sondern behütet und gefördert wurde, vielleicht auch schon in keltischer Zeit. Erst mit der Säkularisation ist der Eibenwald in die Hand des Staates gekommen. Ob es möglich ist, ihn als Naturdenkmal und -reservat so zu erhalten wie er heute dasteht, ist zweifelhaft. Es gibt eben Zweifler, die meinen, dass sich auf alle Eingriffe verzichten lässt. Andere weisen auf den sich ausweitenden Eschenbestand und meinen das genaue Gegenteil. Die kommende Generation wird mehr darüber wissen, ob die künftigen Eibenförster-Generationen mit ihrer Arbeit in diesem Paterzeller Eibenwald etwas dazu tun können oder nicht. Bei der Führung, die kürzlich der Starnberger Forstamtsvorstand hier veranstaltete, gingen 50 Begeisterte mit. Und alle haben die Forstleute bestärkt, dass dieses der Bürgerwald ist, den sich alle wünschen: unrentabel, aber von märchenhafter Schönheit.

Normal braucht die Natur den Menschen nicht, aber manches was wir schön finden und für Natur halten, ist tatsächlich Menschenwerk. Das könnte auch beim Eibenwald von Paterzell so sein. Ob dieser Wald vielleicht gar bewusst als Naturheiligtum entstand? Doch auch die Nutzung hat ihn ganz sicher mit geprägt, sie hat oft, was der Eibe Konkurrenz war, aus dem Weg geräumt. Sicher nicht ohne Achtung vor dem, was Wetterspiel und Schöpfung einst geschaffen haben.
Die Beschützer haben gewechselt, doch die Eiben blieben da. Darum erhebt sich zuweilen die Frage, ob diese Eiben hier in ihrer großen Zahl wirklich allein Naturschöpfungen sind, Kultstätte oder Kulturfolger? Es war sicher nicht der einzige Grund, Eiben als Heiligtümer zu verehren. So wurden sie Sinnbild der Ewigkeit. Böse Dämonen dichteten vor 800 Jahren: "Abwärts senkt sich der Weg von trauernden Eiben umdüstert führt er durch Schweigen stumm zu den unterirdischen Sitzen". Doch war auch das Eibengift durchaus nutzbar als Eibensud für die Abtreibung, homöopathisch verdünnt für vielerlei Gebrechen, und heute noch verwendet es die Pharmazie als Mittel gegen Krebs. Die Kelten wiederum verdickten den Saft als Gift für ihre Pfeilspitzen.


Ein Eibenwald mit reichlich bunten Vögeln und voller Leben

Die Klosterbrüder haben einst die Saat den Vögeln überlassen und gebetet. Man hat gehofft, dass die Saat aufgeht und überlebend bleiben möge, da seine giftigen Samen mit einem saftigen und ungiftigen Fruchtfleisch umhüllt sind, das für Vögel, Säugetiere und Menschen essbar ist. Dem Boden haben dann die Vögel den Eibensamen als Saat hinterlassen, aber mehr Chancen ihn zu hegen, hatten sie nicht.
Manchmal rätscht im weit ausladenden Geäst einer Alteibe der Eichelhäher. Warum soll der die roten Früchte nicht auch mögen? Sicher pflanzt er als wichtigster Vogel des Waldes nicht nur Eichen, auch hier pflanzt er Naturwald kostenlos. Jedoch nicht anders als all die anderen Vogelarten, welche die Scheinfrüchte weitertragen und irgendwo den Samen mit dem Kot ausscheiden. Weiter oben am Hang in den stillen Tobeln am Peißenberg übernimmt seine Rolle der Tannenhäher. Zuweilen hören wir ihn weiter oben schnarren, wo er die finsteren Tobel durchstöbert. Von den Nagelfluhfelsen noch weiter oben hören wir abends den Uhu seinen Namen stöhnen und rufen in den düsteren Tannen- und Fichtentobeln.
Wenn der Seidelbast duftet und leuchtend erblüht, lockt er die anderen Frühlingsblumen aus dem Waldboden. Tausendfach blau überziehen ihn bald Leberblümchen und Waldveilchen, gelb die Waldschlüsselblumen. Der Schwalbenwurzenzian schafft sich gleich ganze blau blühende Horste. Zu Tausenden überziehen unter dem Buchenwald die zierlichen Sauerkleeblüten den Waldboden. Da folgt dem rosa Huflattich, weißes Salomons-Siegel und Haselwurz und viele viele andere. Efeu umspinnt die lebenden Bäume schon und umgürtet würgend die Totholz-Stämme oder arrangiert sich mit einer alten Eibe. Dermaßen getarnt fällt das Einflugloch für Spechte und Eulen in den Alteiben nicht auf.

Ob es dem großen Trommler oder einem kleinen gehört, ist nicht so wichtig. Der große schwarze Feuerkopf schreit laut sein "Kliäh" in der Frühlingswald, fliegt "priehtpriehtprieht" trillernd kreuz und quer durch den urigen Wald und foppt mich mit seinem Balzspiel. Er klopft nicht nur seine Wohnung in lebende oder tote Stämme, er baut so manche gar nicht erst fertig, gibt sie auf und schafft damit ein Riesenangebot, zusätzlich zu den ausgefaulten Höhlen in den Eiben. Wenn dann der Abend den Wald dampfen lässt, höre ich die ganze Nacht das  "Pupu pupu puh" Pupu pupu puh" Pupu pupu puh" des Rauhfußkauzes. Der wiederum muss sich in Acht nehmen vor dem Waldkauz, der laut heulend die Waldwege längs fliegt. Auch der Sperlingskauz jagt hier, doch er bevorzugt den Tag. Und alle diese Eulen sind als Waldlückenbewohner auf einen möglichst natürlichen Dauerwald angewiesen, aber auch auf die Lichtungen, wo man die leckeren Wühlmäuse jagen kann. Der Eibenwald ist auch ein Eulen- und Spechtwald. Denn außer dem Schwarzspecht wohnt hier der Große Buntspecht, der Grau- und der Grünspecht. In der Heckenkirsche tickt das Rotkehlchen, und in den Windwurfböden schmettert der Zaunkönig sein Liebeslied. Die Hohltaube stöhnt und freut sich, dass der Hauptmieter schon wieder eine Höhle freigemacht hat, dabei gibt es hier ohnehin weit mehr Höhlen als anderswo. Alle miteinander sind sie Gäste hier, oft Gäste in den Höhlen der Eiben, die der Efeu umschlingt. Im Eibenwald leben viele Tiere. Vögel und solche, die von ihnen leben, wie der Baummarder. Wo Sonne an den Waldboden kommt, keimt vieles, was schlummernd hätte warten müssen. Für kurze Zeit ist das aber auch ein Paradies für Mäuse, und von denen leben wiederum viele. Doch auch die Spechte finden in diesen kleinen Waldlichtungen mehr Nahrung als im finsteren Waldesdom. Zur Andacht im Eibenwald steuert die Wessobrunner Kirche das Glockengeläut bei, und im Chor singen die Vögel. Ob es nun Frühling ist und blüht, im Sommer kühl, dunkel und still bleibt, oder wenn der Herbst folgt mit bunten Farben - unvergesslich bleiben unsere Erlebnisse im Paterzeller Eibenwald allemal. Er könnte ein Urwald von morgen sein. Ob es den Eibenwald angesichts der einst geplanten massiven Wasserentnahme allerdings in der kommenden Generation noch geben würde, ist äußerst zweifelhaft. Denn das überreichliche Wasserangebot ist die Voraussetzung dieses einzigartigen Standortes, der diese Form eines Eibenwaldes erst hat entstehen lassen. 

Nur wenn entsprechend der rechtsgültigen NSG-VO weitere Wasserentnahmen unterbleiben, kann wenigstens im kleineren südlichen Teil gegenüber dem bereits geschädigten, weil trocken gefallenen Teil, das ursprüngliche Bild des Eibenwaldes für kommende Generationen erhalten bleiben. Denn der Eibenwald lebt vom Wasser, so rein wie sich uns heute dieser traumhaft schöne Wald offenbart.


Junge Eibe

Weitere Informationen zum Paterzeller Eibenwaldes finden Sie unter  http://www.albertkollmann.gmxhome.de/Paterzell/PaterzellEibenwald.html