Libellen im Landkreis Starnberg

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Fossile Libelle

Fossile Funde belegen, dass Libellen die Erde seit ca. 325 Millionen Jahren bevölkern. Seit ca. 250 Millionen Jahren haben sie sich kaum verändert und erschienen bereits damals so, wie wir sie heute kennen. 
Bild: Fossile Libelle (Odonata) Cordulagomphus fenestratus. Untere Kreide, ca. 125 Mio. Jahre. Santana Formation, Araripe Becken, Brasilien (Foto Frau C. Fischer)

Libellen gehören als Ordnung Odonata zu der artenreichsten Tierklasse der Erde, den Insekten. Weltweit dürften weit über 5.000 Arten beschrieben sein. In Deutschland sind 80 Arten, in Bayern 74 Arten nachgewiesen. Von mindestens 45 der in Bayern vorkommenden 74 Arten sind Fundorte im Landkreis Starnberg bekannt. 

Libellen werden in 2 Unterarten unterschieden mit folgenden Familien:

Kleinlibellen (Zygoptera)
Prachtlibellen
Schlanklibellen 
Teichjungfern
Federlibellen

Großlibellen (Anisoptera)
Edellibellen
Quelljungfern
Falkenlibellen 
Flussjungfern 
Segellibellen 

 

Kleinlibellen (Fotos Frau C. Fischer und Hr. W. Bajohr)


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Frühe Adonis-libelle
Foto W. Bajohr


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Gebänd. Pracht-libelle
Foto W. Bajohr


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Hufeisenazurjungfer
Foto W. Bajohr
 


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Blauflügel-Pracht-libelle


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Weidenjungfer

Großlibellen


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Kl. Zangenlibelle
Foto: W. Bajohr


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Kl. Zangenlibelle


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Großer Blaupfeil


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Plattbauch


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Große Königslibelle

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Torfmosaikjungfer

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Herbstmosaikjungfer


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Kleine Moos-jungfer
Foto W. Bajohr


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Vierfleck


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Vierfleck


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Blutrote Heidelib.
Paarungsrad


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Große Heidelibelle


Lebensweise
Die einzelnen Libellenarten unterscheiden sich in ihren Lebensraumansprüchen erheblich. Es gibt anpassungsfähige Arten und Spezialisten, die an einen Biotoptyp gebunden sind. Besiedelt werden Fließ- und Stillgewässer, Seen, Teiche, Moore, Kleinstgewässer, auch temporäre Gewässer, wenn die Ansprüche an Höhenlage, Wasserqualität, Vegetation, Substrat, Umgebung und - für die Moosjungfern - Fischfreiheit erfüllt werden.

Allen Libellen gemeinsam ist ihre Gebundenheit an Wasser, ihre Wärmebedürftigkeit, ihre Fähigkeit zu extremen Flugmanövern Rückwärtsflug und Rüttelflug, ihre Schnelligkeit, ihr außerordentliches Sehvermögen, sowie ihre räuberische Lebensweise.

Libellen erreichen Geschwindigkeiten von ca. 40 km/h und beobachten ihre Umgebung aus Facettenaugen mit je bis zu 30.000 Einzelaugen (Ommatidien) bei Großlibellen, die einen Blickwinkel von ca. 180 Grad erlauben. Dem so ausgestatteten Räuber entgeht keine Beute, die in den Bereich der sechs borstigen, als Fangkorb dienenden, Beine gerät.

Libellen ernähren sich von anderen Insekten, auch kannibalisch von anderen Libellen . Libellen wiederum werden von Vögeln, Amphibien, Spinnen usw. erbeutet.


Entwicklung

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Schw. Heidelibelle, Paarungsrad

Der Lebenszyklus von Libellen beginnt mit der Paarung, die nach dem Ergreifen des Weibchens durch das Männchen durch die Bildung des Paarungsrades - einzigartig im Insektenreich – gekennzeichnet ist. Anschließend erfolgt die Eiablage, je nach Art mit bewachendem Männchen oder ohne es, in pflanzliches Material oder direkt in das Wasser. Aus dem Ei schlüpft die Prolarve, die sich kurz darauf zur Larve häutet. Die Anzahl der Larvenstadien und die Larvalentwicklungszeit wird bestimmt von der Libellenart, der Ernährungslage und von Umwelteinflüssen. Mehrjährige Entwicklungszeiten, bis zu 5 Jahre z.B. bei den Quelljungfern, ferner bis zu 14 Larvenstadien sind bekannt.
 

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Gem. Keiljungfer Schlupf

Auch die Larven leben räuberisch. Mit ihrer zur Fangmaske umgebildeten Unterlippe erbeuten sie Wasserinsekten, Insektenlarven, Kleinkrebse, auch Kannibalismus hat Tradition.
Ist das letzte Larvenstadium abgeschlossen, bereitet sich die Larve (ohne Puppenstadium) auf den Schlupf vor. Die Larve steigt aus dem Wasser und verankert sich am Schlupfsubstrat. Nach dem Aufreißen der Larvenhaut schiebt sich die angehende Libelle bis auf das Körperende heraus. Nach einer Pause zieht sie auch dieses heraus. 

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Gemeine Keil-jungfer

Körper und Flügel pumpt die Libelle mit Hämolymphe auf, bis diese gestreckt sind. In dieser Phase sehr verwundbar, wartet die Libelle, bis Körper und Flügel ausgehärtet sind, um anschließend zum Jungfernflug aufzusteigen. Die frisch geschlüpften Tiere erkennt man hellen Glanz der Flügel.

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Gem. Keiljungfer, Exuvie
 

Zurück bleibt die Larvenhaut (Exuvie). Diese Exuvien sind für Libellenkundler ein wichtiges Indiz zur Artbestimmung. Vor allem bei seltenen oder schwer zu beobachtenden Arten, sind die Exuvien oft der einzige Nachweis. Sie findet man auch noch, wenn die Lieferanten längst in alle Windrichtungen entflogen sind.
Mit der Metamorphose zur Imago beginnt für die Libellen ihr letzter und kürzester Lebensabschnitt. Nach Jungfernflug und Ausreifung schließt sich der Zyklus mit Paarung und Eiablage. Je nach Art bleiben dem einzelnen Tier nur Tage oder Wochen seine Art zu erhalten, zu verbreiten und in Schönheit zu sterben.

Mensch und Libelle

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Libellen stechen nicht!

Alle Libellen sind für den Menschen ungefährlich. Sie verfügen weder über Gift noch Stachel und übertragen keine Krankheiten. In äußerst bedrängten Momenten können Sie sich mit Zwicken wehren.

Umgekehrt liegen die Dinge anderes. Durch Zerstörung ihrer Lebensräume, Trockenlegung von Mooren, Wasserverschmutzung usw. hat der Mensch vor allem hochspezialisierte Arten an den Rand des Aussterbens gebracht. Von den im Anhang aufgeführten 45 Arten des Landkreises Starnberg sind 24 Arten auf der Roten Liste als gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht erfasst.

Der Nutzen von Libellen als Schädlingsvertilger und Bioindikator ist unbestritten. Alle Libellen, ihre Larven, ihre Exuvien, ihre Lebensräume stehen unter Biotop- und Artenschutz. Sie dürfen weder gestört, gefangenen, noch gesammelt werden.


Literatur

K. Kuhn/K. Burbach - Libellen in Bayern
Sternberg/Buchwald - Die Libellen Bad.-Württ. Bd.1+2
H. Bellmann -  Libellen beobachten, bestimmen
 
Vereine
SGL Schutzgemeinschaft Libellen Baden-Württemberg   http://www.SGLibellen.de 
GDO Gesellschaft deutschsprachige Odonatologen        http://www.libellula.org/ 
 

Libellen im Landkreis Starnberg (Frau C. Fischer)

Kleinlibellen (Zygoptera)
Blauflügel-Prachtlibelle    
Gebänderte Prachtlibelle 
Gemeine Winterlibelle     
Sibirische Winterlibelle    
Gemeine Binsenjungfer   
Kleine Binsenjungfer   

Weidenjungfer

Gemeine (Blaue) Federlibelle
Frühe Adonislibelle 
Speer-Azurjungfer 
Hufeisen-Azurjungfer 
Fledermaus-Azurjungfer 
Großes Granatauge 
Kleines Granatauge 
Große Pechlibelle 
Kleine Pechlibelle  *
Becher-Azurjungfer 
Zwerglibelle  *


Calopteryx virgo
Calopteryx splendens
Sympecma fusca
Sympecma paedisca
Lestes sponsa
Lestes virens vestalis
Chalcolestes viridis
Platycnemis pennipes
Pyrrhosoma nymphula
Coenagrion hastulatum
Coenagrion puella
Coenagrion pulchellum
Erythromma najas
Erythromma viridulum
Ischnura elegans
Ischnura pumilio
Enallagma cyathigerum
Nehalennia speciosa

Großlibellen (Anisoptera)
Gemeine Keiljungfer
Kleine Zangenlibelle  
Blaugrüne Mosaikjungfer
Braune Mosaikjungfer
Torfmosaikjungfer
Herbst-Mosaikjungfer
Hochmoor-Mosaikjungfer
Große Königslibelle
Zweigestreifte Quelljungfer*
Gemeine Smaragdlibelle
Arktische Smaragdlibelle
Gefleckte Smaragdlibelle
Glänzende Smaragdlibelle
Plattbauch
Vierfleck
Großer Blaupfeil
Schwarze Heidelibelle
Sumpf-Heidelibelle *
Gefleckte Heidelibelle
Blutrote Heidelibelle
Große Heidelibelle
Gemeine Heidelibelle
Kleine Moosjungfer 
Große Moosjungfer


Gomphus vulgatissimus
Onychogomphus forcipatus forcipatus
Aeshna cyanea
Aeshna grandis
Aeshna juncea
Aeshna mixta
Aeshna subarctica
Anax imperator
Cordulegaster boltoni
Cordulia aenea
Somatochlora arctica
Somatochlora flavomaculata
Somatochlora metallica
Libellula depressa
Libellula quadrimaculata
Orthetrum cancellatum
Sympetrum danae
Sympetrum depressiusculum
Sympetrum flaveolum
Sympetrum sanguineum
Sympetrum striolatum
Sympetrum vulgatum 
Leucorrhinia dubia
Leucorrhinia pectoralis

Vermehrungsgäste/ Irrgäste
Südliche Mosaikjungfer *
Kleine Königslibelle *
Frühe Heidelibelle *


Aeshna affinis
Anax parthenope
Sympetrum fonscolombi

Die mit * gekennzeichneten Arten wurden vom Verfasser (noch) nicht beobachtet, sind aber in der Literatur aufgeführt (Quelle: K. Kuhn/K. Burbach Libellen in Bayern) 
 

Wichtige Unterscheidungsmerkmale

Kleinlibellen
Hinterleib (Abdomen) lang, dünn, 
Augen deutlich getrennt
Vorder- und Hinterflügel gleiche Forn
Ruhehaltung der Flügel zusammengefaltet über den Körper, bei den Teichjungfern schräg nach hinten gespreizt
Flug schwebend

Großlibellen
Hinterleib (Abdomen) kräftig 
Augen berühren sich (Ausnahme Flussjungfern) 
Vorder- und Hinterflügel unterschiedliche Formen 
Ruhehaltung der Flügel waagrecht und bei den Segellibellen nach vorn gerichtet 
Flug energisch, kräftig 


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