Schmetterlinge im Jahreslauf: Sommer 

Im Juli und August
oft noch in der ersten Septemberhälfte ist die Zeit, in der wir die meisten Schmetterlinge zu Gesicht bekommen. Bei einem Spaziergang durch den Wald, an Ruderalflächen entlang, einem Bachlauf folgend sehen wir Schachbrettfalter, Scheckenfalter, Märzveilchenfalter, Heufalter, Waldvögelein und andere auf der Suche nach Nektar und auch nach einem Partner.

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Brauner Waldvogel
Foto W. Bajohr

Die erste Nachwintergeneration
in diesem Jahr geschlüpft, beginnt mit Paarung und Eiablage, die überwinterten Pfauenaugen haben die erste Nachfolgegeneration ins Leben gerufen ebenso wie die Nachkommen des Frühlingslandkärtchens, die Sommerlandkärtchen, die bald die Eier für die Wintergeneration ablegen werden. Kaisermantel, Ei-Überwinterer sind geschlüpft und saugen auf Wasserdost und Disteln Nektar.

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Pfauenauge auf Rudbeckia

Kaisermantel-Balzflug
Anfang bis Mitte August absolviert der Kaisermantel seinen Balzflug: das Weibchen bewegt sich in gleichbleibender Höhe in langsamem Schwirrflug vorwärts, das Männchen umschwärmt es in einer Vorwärtsspirale, es fliegt vom hinteren Ende des Weibchens über den Rücken bis zum Kopf, sinkt dann vor dem Weibchen ab, dieses fliegt über das Männchen hin, das seinen Spiralflug mit erhöhter Geschwindigkeit wiederholt. Die Duftflecken des Männchens streifen am Weibchen entlang und vermitteln die Paarungsbereitschaft.


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Kaisermantel 
Foto W. Bajohr

Schlafpause des Zitronenfalters
Bis in den August hinein sehen wir noch den Zitronenfalter, der dann bis zum Herbst eine „Schlafpause“ (Dormanz) einlegt, eine unter den mitteleuropäischen Tagfaltern einmalige Erscheinung. Auch in der Auswahl seiner Nektarquellen ist er teilweise eine Ausnahme: im Wald hängt er an den Blüten des kleinblütigen Springkrautes, in Gärten saugt er an der Staudenwicke, an der Feuerbohne und dem fleißigen Lieschen, einer Balsaminenart. Die Beschaffenheit seiner Körperflüssigkeit macht ihn unempfindlich für Eis und Schnee, an heißen Sommermittagen schützt er sich gegen starke Sonneneinstrahlung z.B. unter den breiten Feuerbohnenblättern so lange, bis die größte Hitze vorbei ist.

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Zitronenfalter

"Zugvögel"
Zu den „Residents“, den Falter, deren Lebensrhythmus sich ausschließlich in Mitteleuropa vollzieht, kommen im Laufe des Frühjahrs die Zugvögel hinzu: aus Nordafrika, Griechenland, Italien und Zypern fliegen mit warmer Höhenströmung, gefahrlos getragen, Distelfalter und Admiral ein. Bietet das Frühjahrswetter keine solchen Transportvorteile, dann überqueren die Falter in mühsamen Etappen die Alpen bis ins Voralpenland und weiter nach Norden.

Anfang bis Mitte Juni findet sich der Taubenschwanz ein; kommt er eher, so ist im Mittelmeerraum ein heißer, trockener Sommer zu erwarten. Im Gegensatz zu Distelfalter und Admiral legt der Taubenschwanz in unseren Breiten keine Eier ab. Distelfalter und Admiral bringen eine neue Generation hervor, die im Herbst oft in größeren Gruppen die Rückreise antritt. Die Treffpunkte der Falter für den Rückflug sind schwer und nur selten zu finden. Man kann beobachten, dass die Zugfalter eine sehr genaue „Witterung“ für einigermaßen akzeptable oder sehr gute Luftströmungsbedinungen haben.

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Distelfalter auf Kratzdistel

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Admiral auf Herbstaster

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Fuchs auf Tagetes

Spuren der Zugfalter
Beim Wandern im Sommer kann man häufig die Spuren dieser Zugfalter sowie auch die der „Residents“ sehen beziehungsweise die ihrer Raupen. Sie sind unterschiedlich, je nachdem, ob die Raupen in ihren ersten Entwicklungswochen gesellig oder von Anfang an als Single leben. Kleiner Fuchs und Pfauenauge zum Beispiel umgeben sich kurz nach dem Schlüpfen aus dem größeren Gelege in Teamarbeit mit Gespinsten zum Schutz gegen Ameisen, saugende Wanzen und Parasiten. Die Gespinste werden auch zu Brücken, von „Pionieren“ angelegt, auf denen dann der große Haufen zur neuen Futterstelle nachfolgt. In den Gespinsten und zwischen Brennnesseln hängen sich während des geselligen Stadiums die Raupen auf, um sich zu häuten; sie lassen den Häutungsrest im Gespinst hängen.

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Pfauenauge
 Gespinstbrücke 

Die Admiralsraupe
ein Single, spinnt sich ein Brennnesselblatt zusammen, die gezackten Blattränder greifen präzise ineinander wie ein Reißverschluss. Der Kopf der Raupe ist an der Blattspitze, von dort frisst sie sozusagen im Rückwärtsgang Richtung Brennnesselstamm das Blatt ab, bis der Blattrest so kurz oder lang ist, wie sie selbst. Der Kot der Raupe sammelt sich in der Blattröhre am Stamm und erschwert dadurch Beute suchenden Käfern oder Wanzen, fündig zu werden. Die Raupe verlässt den Schutz der grünen Röhre, wenn sie ihrer Länge entspricht und sucht meist bei Nacht der Sicherheit wegen ein größeres Blatt auf derselben oder einer anderen Pflanze auf. Zum Verpuppen spinnt sich die Admiralraupe aus mehreren günstig zu einander wachsenden Blättern oder mit einer abgeknickten Brennnesselkrone eine „Kabine“, in der sie dann als Stürzpuppe hängt. Es lohnt sich, Brennesselgebüsche nach den Raupenspuren einmal in Augenschein zu nehmen.
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Admiralsraupe 
beim Spinnen 

 

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Blatthülle eines Admirals

 

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Amiral "Kabine"

 

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Amiral "Kabine" -seitlich geöffnet

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Amiralspuppe 
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Gespinst der jungen Distelfalterraupe
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Ausgewachsene 
Distelfalterraupe
Auch die Distelfalterraupe
Nachkomme der Wandergeneration, lebt als Single. Sie überspannt das Blatt einer Ackerkratzdistel mit einem wasserabweisenden Gespinst, so dass das durchgebogene Blatt eine kleine Wanne bildet. Auch hier wird in der Wanne der Kot aufgefangen. Die Raupe frisst in ihrem frühen Entwicklungsstadium die grüne Oberschicht des Distelblattes, die pergamentene Unterseite bleibt und weist auf ihre Aktivität hin. Bei späteren Gespinsten wird das ganze Blatt verzehrt.
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Distelfalter zum Ver-
puppen aufgehängt

Was können Gartenbesitzer außer dem Pflanzen von Blumen im Sommer für
die Schmetterlinge tun?

Bei anhaltend trockener Hitze versiegen die Nektarquellen der Blütenpflanzen, vor allem auch die im Wald bei Wasserdost, Disteln und Flockenblume. Man kann Faltern während solch einer Zeit im Garten Nahrung bieten, wenn man Blumen wie z.B. Phlox, Budleia, Rudbeckie oder frühe Herbstastern behutsam bewässert. Die Blüten beginnen zu duften und locken die Falter an. U.U. findet sich bei trockener Hitze auch ein Schillerfalter ein, wenn die Blätter der Laubbäume keine süße Flüssigkeit, seine Nahrung, wegen der Trockenheit ausscheiden. Auf nassem Boden kann der Schiller-falter dann Feuchtigkeit aufsaugen.

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Distelfalter auf Budleia

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Schillerfalter Weibchen