Säugetiere: Ein Wildtier mitten unter uns – der Rotfuchs

Füchse leben heute mitten unter uns

Der Rotfuchs ist eine faszinierende Tierart, der es in den letzten Jahrzehnten gelungen ist, immer näher an uns Menschen heranzurücken. Während früher die Meinung war, dass Füchse draußen in Wald und Flur leben, wissen wir heute, dass Füchse mitten unter uns leben. Hier im 5-Seen-land fanden in der Gemeinde Herrsching und Seefeld umfassende Fuchsforschungen statt. Füchse wurden lebend gefangen, mit Halsbandsendern ausgestattet und anschließend mithilfe eines Funkortungsverfahrens (Radiotelemetrie) erforscht. Diese Technik ist im Prinzip einfach, aber auch sehr arbeitsintensiv. Der Fuchs trägt den Sender um den Hals und der Forscher den dazugehörigen Empfänger in der Hand.

Bild: Fuchs Kasper mit Halsbandsender

Mithilfe einer Richtantenne kann er den Fuchs am Tag und in der Nacht anpeilen und orten. Dies bedeutet, dass man die Füchse auf ihren nächtelangen Streifzügen heimlich verfolgt. Die Ergebnisse hunderter Nächte sind lohnenswert, denn sie zeigen sehr schön das Verhalten der Füchse in einem bestimmten Lebensraum. Für Dörfer und Kleinstädte ist heute klar, dass Füchse diesen Raum fest erobert haben. In der unten stehenden Abbildung1 sind die Streifgebiete der Füchse dargestellt, die in Herrsching am Ammersee gefangen und besendert werden konnten. Jeder Fuchs bezieht die Siedlung als Lebensraum ein, und die Füchse teilen sich die Siedlung untereinender auf.

Abb.1: Streifgebiete von Füchsen in der Kleinstadt Herrsching am Ammersee

Den Tag verbringen die Füchse meistens außerhalb der Siedlung im Wald. Aber auch in der Siedlung, z.B. in verwilderten Grundstücken oder unter Gartenhütten und Garagen verbringen sie den Tag. Gerne schlafen Füchse auch in Strohballen- oder Heulagern in Bauerhöfen und stören sich nicht an Hofhunden oder uns Menschen. Nachts wandern sie durch die Ortschaften und suchen in den Gärten der Anwohner nach Nahrung.

Da der Fuchs ein Allesfresser ist, verschmäht er so gut wie keine Nahrungsquelle. Ob Fleisch, Fisch, Obst, Beeren, Insekten, Regenwürmer oder Mäuse, alles wird von Fuchs gefressen. Vor allem Komposte sind für den Fuchs ein reich gedeckter Tisch, da sie hervorragende Nahrungsquellen anbieten. In der Siedlung muss der Fuchs nicht lange nach Nahrung suchen. Fast jeder Garten hat einen Kompost. Draußen in der freien Landschaft ist Nahrung schwieriger zu finden und in geringerem Umfang vorhanden. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum die Fuchsreviere in Dörfern kleiner sind als Reviere von Füchsen, die draußen in Wald und Feld leben. Viele werden jetzt an die natürliche Scheu des Fuchses gegenüber uns Menschen denken, aber diese hat der Fuchs längst abgelegt. Füchse wissen, dass ihnen von den Anwohnern keine Gefahren drohen. Sie bewegen sich im Schutz der Nacht ungestört durch die Gärten. Somit zeigt sich paradoxerweise, dass Füchse von der Nähe zu uns Menschen profitieren und es ihnen in unserer unmittelbaren Nähe besser geht als draußen in Wald und Feld. Dies bedeutet aber nicht, dass Füchse in die Siedlungen gehen, weil es ihnen  „draußen“ in Wald und Flur schlecht geht. Auch hier leben Füchse, wenn auch deutlich weniger. Füchse sind absolute Anpassungskünstler und können problemlos in fast allen Lebensräumen überleben.

Stadt- Land- Fuchs

Diese Anpassungsfähigkeit zeigt sich anschaulich in der Fuchsdichte, also der Anzahl an Füchsen, die in einem bestimmten Raum leben können. Die Fuchsdichten (Füchse pro km2) nehmen von der Offenlandschaft über Dörfer und Kleinstädte bis in Großstädte hinein kontinuierlich zu (Abbildung 2). Im städtischen Lebensraum leben 5-10 mal mehr Füchse als in Wald und Flur. Die Gründe für dieses Verhalten sind gesteuert durch die Verfügbarkeit essentieller Ressourcen (Nahrung, Wurfbaue, Schlafplätze), durch das Ausmerzen der Tollwut und über die Wahrnehmung des Rotfuchses durch den Menschen. Im Vergleich zwischen Stadt und Land zeigen sich starke Unterschiede, denn während der Fuchs im Offenland bejagt wird, spielt diese Form der Sterblichkeit in der Stadt keine Rolle. Die Wahrnehmung der Bevölkerung unterscheidet sich, denn während Stadtbewohner Füchsen meist positiv gesonnen sind, werden sie auf dem Land stärker als Konkurrenten betrachtet und verfolgt. Auch die Klicks auf dieser Homepage zeigen, dass der Fuchs am Häufigsten von den Internetbesuchern ausgewählt wird – Füchse sind bei uns Menschen beliebt.

Abb.2: Füchse leben heute überall. Je städtischer der Lebensraum, desto höher die Fuchsdichte

 

Dr. Christof Janko