Wald: Naturwaldreservate – Urwälder von morgen

Seit 1974 gibt es Naturwaldreservate in Bayern. Hier sollen wieder Urwaldstrukturen entstehen. Der Wald bleibt seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Der Mensch greift nicht ein. Deshalb darf in diesen Gebieten kein Holz geschlagen und keine neuen Bäume gepflanzt werden. Abgestorbene Bäume verrotten an Ort und Stelle. Absenken von Grundwasser ist nicht erlaubt (Novelle zum Bayr. Waldgesetz von 1982). Die ökologisch orientierte Jagd ist weiterhin erlaubt, um die Verbissschäden gering zu halten – vor allem junge Laubbäume und Tannen sind gefährdet.
In Bayern gibt es heute 151 Naturwaldreservate mit 6418 ha, dazu kommen ca. 1000 ha angrenzende Pufferzonen. Das kleinste Reservat mit 3 ha ist die Insel Sassau im Walchensee, das größte ist die Reiteralpe bei Berchtesgaden (390 ha).

  
  Totholz


Warum Naturwaldreservate?

  - Waldökologische Forschung („welche Pflanzenarten
    setzen sich auf welchem Boden durch“)
  - Naturschutz (Schutz der Pflanzen- und Tierwelt)
  - Bildung (Wissensvermittlung, Naturerlebnis)

Die waldtypische Tierwelt im Naturwaldreservat

  - Waldvögel (z.B. der Specht als Wegbereiter für Höhlenbrüter)
  - Gehäuseschnecken
  - Totholzkäfer (über 1000 Käferarten sind auf Totholz angewiesen)
  - Laufkäfer
  - Schmetterlinge (Eulen, Spinner, Spanner, Kleinschmetterlinge)
Quelle: Naturreservate in Bayern, Bayr. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft u. Forsten
 


 
  Waldveilchen, Waldsauerklee

 Kurze Geschichte der Waldentwicklung



Fichten-Monokultur


Vor einigen Millionen Jahren herrschte in Mitteleuropa eine subtropische Vegetation mit Palmen, Baumfarnen, Magnolien und Tulpenbäumen. Doch dann folgten die Eiszeiten und diese Flora starb aus. Als die letzte Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren zu Ende ging, war Mitteleuropa nahezu waldlose Steppe.
Nach der Eiszeit wuchs zuerst das Gras, dann wanderten Birke und Kiefer aus den wärmeren Gegenden wieder ein. Die Birke ist anspruchslos und produziert jedes Jahr ca. 30 Millionen Samen, die der Wind weit tragen kann. Mit zunehmender Wärme dominierte die Haselnuss. Dann drängten Eiche, Linde, Ulme, Ahorn und Esche nach, es folgte der Eichen-Mischwald. Zur Verbreitung der Eiche hat der Eichelhäher stark mitgeholfen.
Vor 3000 Jahren wanderte schließlich die Buche aus Süditalien wieder ein. Sie ist robust (keine Borkenkäfer, keine Pilze), nur Auwälder und Moore mag sie nicht. Zur Römerzeit war Germanien ein „Buchenurwald“. Noch heute würde in Mitteleuropa die Buche in den niedrigen Lagen dominieren und in Gebirgslagen hätten sich Buchen, Tannen und Fichten durchgesetzt. Vermutlich wäre ganz Deutschland bewaldet, wenn der Mensch nicht mit Rodungen eingegriffen hätte.
Erst im 14. Jahrhundert wurde der Wald ein schützenswertes Gut und im 18. Jahrhundert begann der Wiederaufbau der Wälder – allerdings wurden damals vor allem Fichten und Kiefern in Monokulturen gepflanzt. Heute sind in Bayern 34 % der Fläche bewaldet mit einem hohen Anteil (77 %) an Nadelholz (Fichte, Tanne, Kiefer). Seit Jahren werden die Fichtenwälder durch Laubbäume (Eiche, Linde, Hainbuche, Buche) verjüngt. Ziel ist ein Mischwald aus Bäumen unterschiedlichen Alters.