Wald: Wisent (Bison bonasus), Kurz-Biologie

Mit einem Gewicht von 800 bis 1000 kg ist der Europäische Flachland-Wisent die größte einheimische Säugetierart. Körperlänge bis 270 cm, Schwanzlänge 80 cm, Schulterhöhe 180 bis 195 cm. Kurze Hörner, eine lange wollige Behaarung am Kopf und massiert am Vorderkörper. Stiere haben am Fell eine mächtige Wamme, die den Vorderkörper gegenüber dem kurzhaarigen Hinterkörper gewaltig hervorhebt. Das betont die Vorderpartie deutlich.

Die Stiere sind auch wesentlich größer als die Kühe. Der reinrassige Gebirgs- oder Kaukasus-Wisent starb bereits 1927 aus. Die Rettung der Art geht somit alleine auf den Flachland-Wisent zurück. Die sumpfigen Waldgebiete, wie in der Borkener Heide, sind als Lebensraum für diese großen Rinder schon immer typisch gewesen. Gemeinsam mit den Auerochsen hat der Wisent ganz sicher gewaltige Löcher in den einstmals dichten Germanischen Urwald gefressen. Die Schäden an der Rinde sind vor allem aber auf das Kratzen und Reiben zur Körperpflege zurückzuführen.

Meist stehen die Tiere in dichten Herden beisammen, die für die Sicherheit der Jungtiere vorteilhaft waren. Erfahrene Leitkühe führen die Herde - immer ein Kalb führendes altes erfahrenes Tier, ähnlich wie beim Rotwild. Nach heutiger Erkenntnis war die Wilddichte einst sehr dünn. Sie dürfte etwa 1-2 Wisente auf 1000 ha betragen haben. Das bedeutet, dass einer großen Herde gewaltige von Wisenten freie Räume gegenüber standen. Das ist bei der freilebenden Borkener Herde auch nicht anders. Sie verschwindet oft spurlos.

Wisentstiere sind sehr aggressiv untereinander. Unberechenbar bleiben sie auch gegenüber den Menschen. Zwar sind Wisente scheu wie die Hirsche. Wenn sie flüchten, sind sie außerordentlich schnell und gewandt. Aber man weiß nie vorher, ob sie flüchten oder angreifen werden. Diese Stiere kämpfen um ihre Rangstellung im Rudel mit gewaltig aneinander krachenden Schädeln.

Die natürliche Nahrung sind Gräser und Kräuter. Knospen und Laubstreu werden ebenfalls gerne genommen. Man muss bereit sein, erheblichen Verbiss zu dulden. Oder man füttert heute Presslinge, den Winter über auch Heu zu, um den Wald zu schonen. Als Herdentiere sind Wisente stark durch Parasiten gefährdet. Darum werden sie heute entwurmt. Das ist nicht ganz einfach, da Medikamente über das Futter gegeben werden. Wirklich geeignet sind in der Freien Wildbahn daher nur absolut ungiftige Präparate, da man die Dosis nicht im Griff hat. In Borken ist aber das „Thibenzole“ leider unbekannt. So dass die gegebenen Mittel bei Überdosis Schmerzen bei den Tieren hervorrufen und die Wisente unnötig aggressiv machen.

Die Brunftzeit liegt im August bis September. Nach 9 Monaten Tragezeit bringt die Kuh meist 1 Kalb zur Welt, das sehr rasch auf eigenen Beinen steht, mit anderen Kälbern spielend herumspringt und schnell der Herde folgt. Die Kuh säugt es etwa 1/2 Jahr. Ab dem 3. Monat äsen Kälber auch schon Grünfutter neben der Milch.

Wolfgang Alexander Bajohr

siehe auch: Wisente - Sehnsucht nach Wildnis und Wisente in freier Wildbahn